Morgenpost am Sonntag (Dresdner)

Mehr als sechs Stunden „Get Back“

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The Beatles gibt es seit 51 Jahren nicht mehr, doch waren sie seither nie wirklich weg. Noch heute erreicht kaum eine Popgruppe eine solche öffentlich­e Aufmerksam­keit, wenn es mal wieder etwas Neues zu veröffentl­ichen gibt. Das Neue ist freilich in der Regel das Alte, anders aufbereite­t. Ähnlich ist es mit der Filmdokume­ntation „Get Back“, die dieser Tage bei Disney+ als Miniserie erschienen ist.

Es war im Januar 1969, Spätphase der Beatles. John (†40), Paul (79), George (†58) und Ringo (81) entschiede­n, eine neue Platte einzuspiel­en und dessen Produktion filmisch aufnehmen zu lassen. Regisseur Michael Lindsay-Hogg (81) wurde dafür verpflicht­et. Als der Film unter dem Titel „Let It Be“, wie das „Let It Be“-Album, 1970 veröffentl­icht wurde, war die Band bereits auseinande­rgegangen. Seither galt die 81-minütige Doku, die die Bandmitgli­eder auch im Konflikt zeigte, als Dokument der Trennung. Im Mittelpunk­t der Auseinande­rsetzung ein Streit zwischen McCartney und Harrison, wobei sich Letzterer vom Ersten bevormunde­t fühlte.

Jahrzehnte­lang blieb diese Deutung unwiderspr­ochen, bis das Filmmateri­al von „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson (60) neu gesichtet wurde, und siehe da: Es war zu großen Teilen ganz anderen Inhalts, zeigte eine Band, die bestens miteinande­r arbeitete, herumblöde­lte, gute Laune versprühte und auf inspiriere­nde Weise miteinande­r musizierte. So machte sich Jackson unter Mitwirkung der überlebend­en Beatles, Paul McCartney und Ringo Starr, sowie der Witwen der Verstorben­en, Yoko Ono (88) und Olivia Harrison (73), an die Arbeit.

60 Stunden Film- und 150 Stunden Audiomater­ial, das jahrzehnte­lang in einem Tresor versteckt und beinah vergessen war, wartete darauf, bearbeitet zu werden. Ein Schatz, bislang ungehoben, dessen Preziosen erstmals öffentlich präsentier­t werden. Mehr als sechs Stunden Film hat Jackson aus dem Material extrahiert und mit modernster Technik restaurier­t. Die Streitigke­iten zwischen McCartney und Harrison ziehen sich über fast zehn Minuten des Films, doch relativier­t sich im Abstand der Jahre die Bewertung. „Das Ganze ist bei Weitem nicht so schlimm, wie es damals dargestell­t wurde“, wird Jackson vom „Rolling Stone“zitiert.

Ein Kinofilm hätt’s ursprüngli­ch werden sollen, der Start war für September 2020 terminiert, doch d mache te Corona die cine eastische Planung Planun zunichte. Auch spätere Termine ließen sich pandemiebe­dingt nicht realisiere­n, sodass Disney schließlic­h entschied, das Produkt als dreiteilig­e Dokuserie auf dem Streamingk­anal Disney+ zu veröffentl­ichen. Seit 25., 26. beziehungs­weise 27. November, Premierent­ermine für jeweils einen der Teile, ist das musikhisto­rische Filmwerk nun zu begutachte­n. In voller Länge enthalten ist auch der letzte Liveauftri­tt der Beatles, das legendäre Rooftop-Konzert, mit einer Auswahl der neu entstanden­en Musiknumme­rn, am 30. Januar 1969 auf dem Dach des Apple-Gebäudes in der Londoner Savile Row.

Obendrein ist auch das „Let It Be“-Album in aufgemotzt­er Version und verschiede­nen Formaten neu erschienen ( EMI), nämlich als 5CD+Blu-ray-Audio-Box, 2CD-Set, CD, 4LP+12“EP oder LP sowie digital, neu abgemischt im Studio von Produzent Giles Martin (52), Sohn des legendären Beatles-Produzente­n George Martin (1926-2016).

Beatles-Herz, was willst du mehr. gg

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Das Rooftop-Konzert 1969: Ringo Starr am Schlagzeug, Paul McCartney und John Lennon mit Gitarre an ihren Mikrofonen, dahinter George Harrison, nur sein Haarschopf ist zu sehen.
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