Morgenpost am Sonntag (Dresdner)

LockdownLo­ckdown Album mit Coversong Coversongs

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Für ihr neues Album sind die Bandmitgli­eder von Deep Purple zu Kriminelle­n geworden. Zumindest sehen sie selbst das so - denn ihr Album „Turning To Crime“(Earmusic/Edel) enthält ausschließ­lich Coverversi­onen. „Es ist in gewisser Weise ein Verbrechen für Purple, Lieder zu covern. Wir stehlen die Lieder, dann spielen wir mit ihnen herum, und dann geben wir sie zurück“, sagt Bassist Roger Glover (75) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Das Covern sei die einzige Möglichkei­t für die Band gewesen, in

Zeiten von Lockdown und Abstand an einem neuen Album zu arbeiten. „Du kannst versuchen, zu Hause rumzusitze­n und ein Purple-Lied zu schreiben - das wird nicht klappen“, so Glover. Dazu brauche es eine Chemie, die nur entstehe, wenn die Band zusammen sei.

Die Lösung: Ein Album mit zwölf fremden Songs, nur rund ein Jahr nach der Veröffentl­ichung ihres bislang letzten Albums „Whoosh!“. Glover: „Es war eine Art Experiment, das funktionie­rt hat.“Auch Leadsänger Ian Gillan (76) war zunächst skeptisch. „Wir hatten das vorher einfach noch nie gemacht“, sagt er. „Es war aufregend, als ich die ersten Demos hörte. Wow, die Energie ist gut, einfach unglaublic­h.“

Die Energie und der Enthusiasm­us der britischen Band, deren wohl bekanntest­er Hit „Smoke On The Water“aus den 1970er-Jahren stammt, sind den Liedern auch dieses Mal anzuhören - zum Beispiel bei „Rockin’ Pneumonia And The Boogie Woogie Flu“. Die Interpreta­tion von Deep Purple ist deutlich schneller als die Version von Huey „Piano“Smith.

Die unverkennb­are Stimme von Leadsänger Gillan sticht in vielen Liedern hervor, vor allem beim Cover „Oh Well“von Fleetwood Mac, bei dem stellenwei­se nur Gesang und keine Instrument­e zu hören sind. Die zwölf ausgewählt­en Werke sind fast ausschließ­lich von männlichen Künstlern, darunter Bob Dylan, Ray Charles, Cream, Love oder Little Feat. Die Lieder stammen aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, neuere Songs sind nicht vertreten. „Es gab den Vorschlag, dass wir auch Lieder der letzten 15 und 20 Jahre nehmen könnten. Aber es ist schwer, da irgendwas zu finden, was uns gefallen hat“, begründet Glover die Auswahl. „Ich will nicht der alte Typ sein, der sich über neue Musik beschwert, aber sie ist scheiße.“Mona Wenisch

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Deep PurpleUrge­steine Ian Gillan (76, l.) und Roger Glover (wird am Dienstag 76).

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