Herbst­blues

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Plä­doy­er für Stim­mungs­tiefs

G ut drauf, fit und vol­ler Ta­ten­drang – ja, an ei­ner gro­ßen An­zahl von Ta­gen bin ich so. Vor al­lem, wenn die Son­ne scheint, die Kin­der mor­gens oh­ne Mot­zen in die Schu­le ge­gan­gen sind, die Fri­sur sitzt und der Kaf­fee heiß und stark war. Dann lau­fen Job, Haus­halt, Hob­bys und Fa­mi­lie wie am Schnür­chen. Oft so­gar mit ei­nem Lä­cheln. Aber es gibt eben auch die an­de­ren Ta­ge, ge­ra­de im Herbst und Win­ter. Sol­che, die sich schon beim Auf­wa­chen nach „Bit­te lie­gen­blei­ben“an­füh­len. Geht na­tür­lich nicht. Macht man doch nicht. Was sol­len die an­de­ren den­ken? Selbst wenn man nur mit krau­ser Stirn und hän­gen­den Mund­win­keln durch die Ge­gend schlurft…? Tja, was wer­den die Leu­te wohl den­ken? Mög­li­cher­wei­se: „Boah, die hat ja heu­te echt schlech­te Lau­ne.“Bin­go. Ist das ver­bo­ten?

Ein­fach zu­rück­zie­hen

Nicht, dass ich wüss­te. Gut, so­zi­al we­nig kom­pa­ti­bel wä­re es na­tür­lich, jetzt un­ge­fil­tert je­den an­zu­raun­zen, der ei­nem über den Weg läuft. Da­her plä­die­re ich für schnellst­mög­li- chen Rück­zug. Tür zu, Han­dy aus, An­ruf­be- ant­wor­ter an. Und dann: Ein­mal ge­nau hin- hö­ren, was die in­ne­re Stim­me mir da ein­flüs­tern möch­te. Nie­der­ge­schla­gen­heit hat näm­lich meis­tens ei­nen Grund. Wo­mög­lich ist der Ak­ku ge­ra­de ein­fach leer, weil die letz- ten Wo­chen so stres­sig wa­ren, ein Streit doch mehr Bauch­schmer­zen macht als ge­dacht oder das mie­se Wetter buch­stäb­lich die Lau- ne grau färbt. Ach­sam­keit heißt das Zau­ber­wort an sol­chen Ta­gen. Die schlech­te Stim­mung ak­zep­tie­ren. Gut zu sich sein und ein we­nig nach­sich­tig – im Grun­de ge­nau so, wie man zu der bes­ten Freun­din wä­re, wenn sie ei­nen mie­sen Tag hat. Ver­ständ­nis­voll und ge­dul­dig. So­fa, De- cke, Tee, ein Film mit Meg Ryan oder Tom Hanks. Oder bei­den. Ein biss­chen heu­len, jam­mern, me­ckern. Und da­nach: Was zieht mich ge­ra­de run­ter? Kann ich das al­lei­ne än- dern? Und vor al­lem: Was muss pas­sie­ren, da­mit ich wie­der bes­ser drauf bin?

Die Ur­sa­chen er­for­schen

Ge­nügt ei­ne Ta­fel Scho­ko­la­de, um den blö- den Spruch vom Chef ges­tern ge­dank­lich zu den Ak­ten zu le­gen, oder geht’s mir bes­ser, wenn ich das noch mal an­spre­che? Bringt es mich wei­ter, über Re­gen und Käl­te zu rä­so- nie­ren, oder wä­re ein Spa­zier­gang mit Müt­ze und Re­gen­man­tel die bes­se­re Idee? Selbst die schwär­zes­te Lau­ne kann auf die­se Wei­se et­was Gu­tes ha­ben. Denn sie ist ein Si- gnal für: Hier stimmt ge­ra­de et­was über­haupt nicht. Nimmt man sich dann die Zeit, um hin­ter die Ku­lis­sen zu schau­en, be­lohnt un­ser Ge­hirn uns mit Do­pa­min, Se­ro­to­nin, Ad­re­na- lin - weil es Lö­sun­gen liebt! Schluckt man den Stress da­ge­gen ein­fach run­ter, wer­den aus win­zi­gen Pro­ble­men leicht rie­si­ge Ber­ge. nd die las­sen sich dann nicht mehr mit Bord- mit­teln aus dem Weg räu­men. Dann doch lie- ber ge­le­gent­lich dem Herbst­blues ein Plätz- chen auf der Couch an­bie­ten und hin­hö­ren, wor­um es in sei­nem „Text“geht. Dann ge- mein­sam ein biss­chen durch­hän­gen und die dun­k­len Wol­ken lang­sam vor­bei­zie­hen las­sen. Gern in Be­glei­tung ei­ner Ta­fel Lieb­lings­scho­ko­la­de.

Muss man ge­gen schlech­te Lau­ne und So­fa-sehn­sucht wirk­lich im­mer wa­cker an­kämp­fen? Oder darf so ein Stim­mungs­tief auch ein­fach mal sein? Un­se­re Au­to­rin In­ken Füg­mann ver­tei­digt den Ener­gie-knick in der dun­k­len Jah­res­zeit

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