Atem­we­ge

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Min­ze Un­ter den vie­len Min­zar­ten ist Pfef­fer­min­ze die be­kann­tes­te. Das Öl der ver­wand­ten Ja­pa­ni­schen Min­ze wird bei Er­käl­tun­gen zum Gur­geln und In­ha­lie­ren ge­nutzt, bei Span­nungs­kopf­schmer­zen mas­siert man es trop­fen­wei­se auf den Schlä­fen ein. We­gen des Ment­hol­ge­halts aber bit­te nicht bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern an­wen­den. Der Na­me „Kat­zen­min­ze“führt üb­ri­gens in die Ir­re: Sie stammt aus ei­ner an­de­ren Pflan­zen­fa­mi­lie als die Pfef­fer­min­ze, wur­de frü­her un­ter an­de­rem bei Schlaf­lo­sig­keit an­ge­wandt, hat aber heu­te kaum noch Be­deu­tung.

Efeu Vor­sicht, gif­tig! Efeu­blät­ter ha­ben ei­ne schleim­lö­sen­de, aus­wurf­för­dern­de und krampf­lö­sen­de Wir­kung auf die Bron­chi­en. Da­durch wird Efeu als Ex­trakt bei aku­ten und chro­ni­schen In­fek­ten der Atem­we­ge ein­ge­setzt. Als Tee wird er auf­grund der rei­zen­den Ei­gen­schaf­ten nicht ge­nutzt – au­ßer­dem kann der Um­gang mit Efeu­blät­tern all­er­gi­sche Re­ak­tio­nen aus­lö­sen. Da­her wird Efeu nur als Fer­tig­ex­trakt an­ge­bo­ten.

Huf­lat­tich Der ganz früh im Jahr blü­hen­de Huf­lat­tich hat auf­grund sei­nes Schleim­ge­hal­tes reiz­lin­dern­de und ent­zün­dungs­hem­men­de Ei­gen­schaf­ten – ins­be­son­de­re in den obe­ren Atem­we­gen. Bei tro­cke­nem Reiz­hus­ten und bei Hei­ser­keit, aber auch bei leich­ten Ent­zün­dun­gen der Mund- und Ra­chen­schleim­haut ist er ein be­währ­tes Mit­tel zur Kurz­zeit­be­hand­lung (max. 1 Wo­che). Tee­auf­guss: 1 TL mit 150 ml ko­chen­dem Was­ser über­gie­ßen, 10 Mi­nu­ten be­deckt zie­hen las­sen und mehr­mals täg­lich trin­ken. Et­wa 230 un­ter­schied­li­che Pflan­zen wach­sen im recht­ecki­gen Apo­the­ker­gar­ten, der heu­te aus­schließ­lich An­schau­ungs- und Lehr­zwe­cken dient. Die ein­zel­nen, eben­falls recht­ecki­gen Bee­te sind nach Krank­hei­ten und Or­ga­nen sor­tiert; wer zum Bei­spiel nach Heil­mit­teln für „Le­ber und Gal­le“oder „Herz und Kreis­lauf“sucht, wird mit Hil­fe ent­spre­chen­der Schil­der fün­dig. Beim ge­nau­en Hin­se­hen tref­fe ich zwar vie­le Be­kann­te wie Sal­bei, Pfef­fer­min­ze, Frau­en­man­tel oder Brenn­nes­sel. Doch ei­ni­ge Na­men sa­gen mir gar nichts. Et­wa Gna­den­kraut, Oder­men­nig, Heil­ziest oder Ysop. „Vie­le Pflan­zen, die die Mön­che zur Hei­lung ver­wen­de­ten, sind in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten“, er­klärt mir spä­ter un­ser Na­tu­rapo­the­ke- Ex­per­te Ge­org Schmitz-re­my. Bei den Pflan­zen al­ler­dings, die bis heu­te gän­gig in der Pflanzenhe­ilkunde sind, ha­be sich hin­sicht­lich der An­wen­dungs­ge­bie­te kaum et­was ver­än­dert, so der Apo­the­ker (sie­he Pflan­zen-aus­wahl rechts und links fort­lau­fend). Erst 1999 wur­de der Apo­the­ker­gar­ten re­kon­stru­iert, mit Hil­fe des Braun­schwei­ger In­sti­tuts für phar­ma­zeu­ti­sche Tech­no­lo­gie und des in­zwi­schen ver­stor­be­nen Se­li­gen­städ­ter Apo­the­kers Rü­di­ger Bin­sack, ein Nach­fah­re des letz­ten Klos­te­rapo­the­kers Cle­mens Au­gust Bin­sack. „Ein ex­ak­tes Ab­bild ließ sich nicht her­stel­len“, sagt Uwe Kri­en­ke. Aber man wis­se heu­te, dass im Arz­nei­gar­ten der Mön­che vor­wie­gend Pflan­zen an­ge­sie­delt wur­den, die nicht in der Um­ge

bung des Klos­ters zu fin­den wa­ren. „Vie­le Heil­pflan­zen wur­den von Rei­sen mit­ge­bracht und stam­men zum Bei­spiel aus den Al­pen.“ Die Vor­lie­be der Mön­che für Exo­ti­sches gip­felt schließ­lich in der Oran­ge­rie des Klos­ters, die den krö­nen­den Ab­schluss unseres Rund­gangs bil­det. Hin­ter der Glas­front des Baus von 1757 sieht man schon von au­ßen strah­lend gel­be Früch­te: Dicht an dicht über­win­tern hier Zi­tro­nen- und Oran­gen­bäu­me. „Teil­wei­se han­delt es sich um al­te Sor­ten wie Po­me­r­an­zen“, er­klärt Kri­en­ke. Al­lein den Wert des Oran­ge­rie-be­stands be­zif­fert er auf 100.000 Eu­ro. Ne­ben­an ge­dei­hen un­ter Glas­dä­chern Quit­ten-, Fei­gen- , Kaf­fee­bäu­me – und so­gar Ana­nasstau­den. „Die Ge­wächs­häu­ser wur­den da­mals üb­ri­gens mit Mist be­heizt“, er­klärt Uwe Kri­en­ke. Die­se Me­tho­de soll auch teil­wei­se zum Ein­satz kommen, wenn das neue Ana­nashaus fer­tig ist. Die tro­pi­schen Früch­te zu züch­ten, galt seit dem 17. Jahr­hun­dert als Meis­ter­leis­tung gärt­ne­ri­schen Kön­nens und wur­de auch in Se­li­gen­stadt mit gro­ßem Ehr­geiz be­trie­ben. We­ni­ger als Heil- denn als Genussmitt­el. Eben ganz nach dem Mot­to: Das Nütz­li­che mit dem Schö­nen ver­bin­den.

Der Klos­ter­gar­ten in der ehe­ma­li­gen Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei liegt im Her­zen von Se­li­gen­stadt. Mit Mu­se­ums­apo­the­ke, Ca­fé, Shop und Back­stu­be, in der don­ners­tags öf­fent­lich Holz­ofen­brot ge­ba­cken wird. www.schloes­ser-hes­sen.de

BUCHTIPP

TDM Tra­di­tio­nel­le Deut­sche Me­di­zin. Wie uns das ur­al­te Heil­pflan­zen­wis­sen heu­te hilft von Hans Lau­ber, Kirch­heim, 160 Sei­ten, 19,90 Eu­ro.

*Kom­plet­te Fas­sung in:

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