Auf ins WINTERWAND­ERLAND

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Schnee­schuh­wan­dern er­freut sich im­mer grö­ße­rer Be­liebt­heit. Zu Recht, denn es för­dert die Ge­sund­heit, baut Stress ab und macht den Kopf frei für die schö­nen Din­ge des Le­bens

Ich lie­be das Wan­dern! Wie soll es auch an­ders sein,

wür­den jetzt al­le ru­fen, die mich ken­nen. Ich bin näm­lich ein wasch­ech­tes Berg­kind. Zwar ha­be ich vor knapp zwei Jah­ren mei­nen Wohn­ort in den Nor­den Deutsch­lands ver­legt, doch in mei­ner Brust schlägt das Herz ei­ner Stei­re­rin. Und das pocht gera­de wie­der be­son­ders laut, wenn ich an die Ber­ge in mei­ner Hei­mat den­ke. Das Wan­dern wird uns Ös­ter­rei­chern ja qua­si in die Wie­ge ge­legt. Wir ver­spü­ren tie­fe Verbundenh­eit mit den schrof­fen Gip­feln und hü­ge­li­gen Wäl­dern, die ei­nen grü­nen Zaun um die Tä­ler bil­den. Auch für mich gehört Wan­dern – seit ich den­ken kann – zu mei­nem Le­ben da­zu. Ich er­in­ne­re mich an ge­müt­li­che Tou­ren mit mei­nem Opa in mei­ner Kind­heit, er trug mich auf dem Rü­cken, wenn ich kei­ne Lust mehr hat­te zu ge­hen. An die Som­mer­tour mit mei­nen Freun­den als Ju­gend­li­che, als wir zum ers­ten Mal oh­ne Be­gleit­per­son un­ter­wegs wa­ren und auf der Gip­fel­hüt­te über­nach­ten durf­ten. Herr­je, wie gru­se­lig es auf so ei­ner Hüt­te sein kann! Wer schon im Som­mer in den Ber­gen un­ter­wegs war, weiß, wie schön und idyl­lisch es dort sein kann. Das ist gar kein Ver­gleich zum Win­ter: Die Land­schaft schlüpft in ein rein­wei­ßes Kleid, zar­te Spu­ren zie­hen sich durch die Schnee­de­cke und es knis­tert und knirscht, wohin man auch tritt. Spä­tes­tens wenn auch noch die Son­ne vom strah­lend blau­en Him­mel lacht, zwingt es ei­nen hin­aus. So er­ging es auch mei­nem Mann, der schon ta­ge­lang mit den Hu­fen ge­scharrt hat­te und mir am nächst­bes­ten Schön­wet­ter­tag ein Paar Schnee­schu­he in die Hand drück­te. An­fangs war ich skep­tisch. Ei­ne Sports­ka­no­ne war ich noch nie, Wan­dern hin oder her. Und ei­ne ge­müt­li­che Tour schien mich auf die­sen wuch­ti­gen Ge­rä­ten mit den Har­schei­sen nicht zu er­war­ten. Kein Wun­der: Die ur­sprüng­li­chen Schnee­schu­he dien­ten we­ni­ger dem Frei­zeit­ver­gnü­gen, son­dern wa­ren not­wen­dig, um trotz der Schnee­mas­sen von A nach B zu ge­lan­gen. Die Ein­woh­ner des Kau­ka­sus-ge­biets zum Bei­spiel ban­den sich Le­der­lap­pen um die Fü­ße, um nicht im Schnee zu ver­sin­ken, die Ar­me­ni­er ver­wen­de­ten fla­che Holz­flä­chen. Da ich mich ger­ne wa­ge­mu­tig ge­be, pack­te ich stumm mei­ne Sa­chen und fuhr mit zum Tou­ren­start­punkt, wo wir gleich die Schnee­schu­he an un­se­re Berg­stie­fel schnall­ten.

DIE ERS­TEN SCHRITTE

Ac­tion. Es gibt kei­nen Wett­be­werb. Je­der gibt sein eigenes Tempo vor und be­wegt sich gleich­mä­ßig, mög­lichst oh­ne au­ßer Pus­te zu kommen. Al­ters­gren­zen gibt es kei­ne. Je­der, der sich fit fühlt und die ver­schnei­te Na­tur liebt, kann es aus­pro­bie­ren. Wich­tig ist da­bei je­doch die pas­sen­de Aus­rüs­tung (sie­he Check­lis­te auf S. 83). Schnee­schuh­wan­dern ist nicht nur gut zur Ent­schleu­ni­gung, son­dern auch per­fekt, um un­se­re kör­per­li­che Ge­sund­heit zu för­dern. Wer re­gel­mä­ßig auf Tour geht, trai­niert sei­ne Aus­dau­er, kur­belt die Durch­blu­tung an und stärkt sei­ne Ab­wehr­kräf­te. Die Lun­gen freu­en sich über die Ex­tra­por­ti­on Frisch­luft. Kei­ne Sor­ge, dass die Käl­te wo­mög­lich die Lun­ge be­las­tet: In den ver­zweig­ten Bron­chi­en wird die Luft aus­rei­chend er­wärmt. Bei Mi­nus­gra­den emp­fiehlt es sich trotz­dem, ei­nen Schal zu tra­gen. Wer an ei­nem Son­nen­tag wan­dert, tankt au­ßer­dem wert­vol­les Vit­amin D. Die­ses Vit­amin wird durch die Son­nen­ein­strah­lung in der Haut ge­bil­det, wirkt auf un­ser Im­mun­sys­tem und ist wich­tig für Mus­kel­auf­bau und Kno­chen­stoff­wech­sel. Ein Vit­amin-d-man­gel kommt des Öf­te­ren in den fins­te­ren Herbst- und Win­ter­mo­na­ten vor und schlägt sich ne­ga­tiv auf die Leis­tung und Ge­sund­heit nie­der. Da hilft nur eins: Raus, so­bald die Son­ne scheint! Das Licht ist gut für die Psy­che und er­hellt un­se­re Ge­mü­ter. So hat auch die Win­ter­de­pres­si­on kei­ne Chan­ce. Doch auf­ge­passt: Ach­ten Sie auf ge­nü­gend Son­nen­schutz, auch wenn sich die Son­ne nicht so kräf­tig wie im Som­mer an­fühlt. Be­vor Sie los­s­tür­men: Et­was Vor­be­rei­tung muss sehr wohl sein. Wenn Sie kei­ne Schnee­schu­he und Stö­cke be­sit­zen, kön­nen Sie vie­ler­orts wel­che aus­lei­hen, zum Bei­spiel in Sport­ge­schäf­ten. Ver­ges­sen Sie nicht, ge­nü­gend Pro­vi­ant mit­zu­neh­men, un­ter an­de­rem Müs­li­rie­gel und Flüs­sig­keit. Je nach Ge­schwin­dig­keit und Ta­ges­ver­fas­sung kön­nen Tou­ren län­ger dau­ern als er­war­tet. Pa­cken Sie für sol­che Fäl­le lie­ber et­was mehr ein. Tra­gen Sie im­prä­gnier­te Berg­schu­he oder an­de­res fes­tes Schuh­werk und ver­ges­sen Sie die Stö­cke nicht – sie schüt­zen Sie vor Stür­zen und hel­fen, die Ba­lan­ce zu hal­ten. In­for­mie­ren Sie sich über das Ge­biet, das Sie be­wan­dern wol­len, und auch über even­tu­el­le La­wi­nen­ge­fah­ren. Füh­ren Sie im­mer Not­fall-equip­ment mit sich, zu­min­dest ein Han­dy, mit dem Sie den No­t­ruf alar­mie­ren könn­ten. Sie sind noch nie mit Schnee­schu­hen ge­wan­dert? Dann wäh­len Sie an­fangs eher kur­ze Stre­cken. Star­ten Sie nicht al­lei­ne, son­dern bit­ten Sie je­man­den mit Er­fah­rung, Sie zu be­glei­ten. In vie­len Ge­bie­ten wer­den ge­führ­te Tou­ren an­ge­bo­ten, in­for­mie­ren Sie sich hier­für am bes­ten bei re­gio­na­len Tou­ris­mus­ver­bän­den. Ge­ne­rell soll­ten Sie nie al­lei­ne un­ter­wegs sein – gilt auch für er­fah­re­ne Schnee­schuh­wan­de­rer.

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