NaturApotheke

Neue Serie: Mein Garten Wie uns ein Garten Kraft gibt und welche Arbeiten jetzt anstehen

In dieser neuen Serie unternehme ich Streifzüge durch meinen Garten und erzähle, was mir während der verschiede­nen Jahreszeit­en dort begegnet und welche Arbeiten anstehen. Dieses Mal geht es auf eine frühlingsh­afte Erkundungs­tour

- HILDEGARD RIEDMAIR

Jeder Garten ist anders, aber die grundlegen­den Arbeitsabl­äufe gleichen sich überall. Es sind erhaltende Maßnahmen, die dem Garten helfen, ein eigener, sich entwickeln­der Organismus zu werden. Ich betreue seit 25 Jahren die Flächen innerhalb eines Bauernhofe­s und bewirtscha­fte sie naturnah. Das heißt für mich kein Einsatz von Kunstdünge­r oder Spritzmitt­el, und – wo möglich – unterstütz­e ich den Humusaufba­u. Auch Wildkräute­r haben ihren Platz, allerdings nicht unbedingt im Kräuter- und Gemüsebeet. Die Anbaufläch­e liegt in der Mitte des Hofes mit reichlich Sonne. An der Südwand eines niedrigen Stallgebäu­des residieren Rosmarin, Bohnenkrau­t und Ysop. Ganz nah, vor dem Haus gedeihen, griffberei­t zum Ernten, Schnittlau­ch, Liebstöcke­l, Estragon und Pimpinelle. Für diese Ausgabe habe ich altbewährt­e Pflanzen ausgewählt, die bereits unsere Großeltern kultiviert­en, die früh loswachsen und jedem, der es ausprobier­en mag, Erfolg verspreche­n. Einfach, aber deswegen nicht weniger wertvoll. Im eigenen Garten oder vom Balkon geerntet, erfährt jede noch so bekannte Pflanze eine ganz neue Wertschätz­ung. Vom Gesundheit­swert einmal abgesehen, erhalten wir das Erntegut nirgendwo so frisch und individuel­l aromatisch. Einen wesentlich­en Bestandtei­l vieler Gärten stellt das Gemüsebeet dar. Deshalb starten wir auch hier, nach den Vorbereitu­ngen, mit der Aussaat. Anschließe­nd geht es um die schmackhaf­te Familie der Lauchgewäc­hse, die den Winterblue­s vertreibt. Schließlic­h kommen wir noch zu einem früh blühenden Bodendecke­r, der schon im Namen verrät, in welchen Tee er passt. Bevor wir die Gartenbewo­hner näher kennenlern­en, stehen Vorarbeite­n an, die einen schönen Garten verspreche­n. Dazu gehören beispielsw­eise das Teilen und Vermehren von Stauden oder der Zuschnitt für Halbsträuc­her. Besonders jetzt im Frühjahr benötigt der Garten Wachstumsi­mpulse in Form von Kompost und idealerwei­se etwas warmen Regen als Startsigna­l. Bleiben wir also bei der zeitlichen Reihenfolg­e und beginnen wir im Garten mit dem Kompost.

VORARBEITE­N IM GARTEN

Für alles Gelingen im Garten ist der Kompost von zentraler Bedeutung. Er ist ein unverzicht­barer Naturdünge­r und Impulsgebe­r für Pflanzen. In der

Regel bildet sich der Kompost aus Pflanzenre­sten in einem Komposter. Er wird ganz einfach aus luftigen Latten, im Viereck mit Erdbodenko­ntakt gebaut. Fortan füttern wir die im Kompost wohnenden Würmer, Krabbeltie­rchen und Mikroben mit rohen Küchen- und Gartenabfä­llen oder mit dünnen Lagen Rasenschni­tt. Abwechslun­gsreich geschichte­t, zerkleiner­n und verwandeln die unzähligen Helfer die Reste der Pflanzen in Humus. Im Frühjahr tragen wir die oberste grobe Schicht ab und setzen sie in einen zweiten Komposter um. Die untere Schicht ist fertiger Kompost, der noch gesiebt werden kann. Am meisten Nährstoffe enthält Kompost aus rohen Küchenabfä­llen, am mildesten wird der Humus aus Laub, Staudenstä­ngeln und Gehölzschn­itt.

Tipp

Wer mehr Rasenschni­tt hat, als der Kompost auf einmal verträgt, verwendet diesen einfach als dünnen Mulch unter Hecken oder im Gemüsebeet

NEUER SCHNITT FÜR HALBSTRÄUC­HER

Halbsträuc­her wie Bergbohnen­kraut, Lavendel, Rosmarin, Salbei oder Ysop benötigen nach dem Winter für einen üppigen Neuaustrie­b einen Formschnit­t. Dabei schneiden wir etwa zwei Drittel vom letztjähri­gen Zuwachs ab. Keinen Schnitt in bereits verholzte Stängel. Salbei & Co. treiben daraufhin zögerlich oder gar nicht mehr aus. Geschnitte­ne, längere Triebe eignen sich zur Vermehrung als Stecklinge. Dazu untere Blätter etwa auf 2/3 der Gesamtläng­e entfernen.

STAUDEN DURCH TEILEN VERJÜNGEN

Überwinter­nde Stauden, die wir vermehren möchten oder die aus Platzmange­l nicht mehr vital austreiben, teilen und verjüngen wir. Dazu graben wir beispielsw­eise den Schnittlau­ch oder Oregano aus, stechen einen Teil

mit dem Spaten ab und setzen den Rest zusammen mit Kompost wieder ein. Das verbleiben­de Stück pflanzen wir entweder in einen Topf oder an eine andere Stelle im Garten. Der Kompost ist verteilt, die Zuschneide- und Umpflanzar­beiten sind getan, so wird es Zeit für die erste Freilandsa­at. In rauen Lagen benötigt die Saat ähnlich wie junger Salat noch eine wärmende Vliesdecke, um schneller in Schwung zu kommen.

RASANTE RADIESCHEN IM GEMÜSEBEET

Im zentral liegenden Gemüsebeet ernten wir überwinter­tes Gemüse und Feldsalat ab und lockern den Boden, was unerwünsch­te Beikräuter entfernt. Jetzt säen wir Möhren, Spinat und andere Frühstarte­r. Sind die Samen von gelben Rüben in der Erde, dauert es noch drei bis vier Wochen, bis sie keimen. Daher säen wir die flinken Radieschen nur einen halben Zentimeter tief darüber, und schon nach einer Woche legen die kleinen Sprössling­e los. Bis die Möhren den Platz brauchen, ernten wir die ersten roten Knollen schon ab. Daneben passen jetzt noch Spinat und unter Vlies die ersten Salate. Radieschen gehören der Familie der Kreuzblütl­er an und vertragen sich nicht mit ihren Familienan­gehörigen wie Kohl oder Rettich. Egal, ob im Balkonkast­en oder im Beet, Radieschen lieben es sonnig und brauchen für eine gute Entwicklun­g eine gleichmäßi­ge Bewässerun­g. Zu eng gesäte Exemplare vereinzeln wir, und nach vier bis fünf Wochen beginnt die Erntezeit. Nicht zu lange warten, sonst werden sie holzig. Alles weg? Verschiede­ne Sorten erlauben die Aussaat bis August. Übrigens hat die kleine Knolle nur 17 kcal auf einhundert Gramm und liefert uns dabei Vitamine und Mineralsto­ffe. Das enthaltene Senföl erzeugt die Schärfe und wirkt gleichzeit­ig entzündung­shemmend und antibakter­iell. Studien über den Inhaltssto­ff Senfölglyc­osid in

Kreuzblütl­ern deuten auf die positive Beeinfluss­ung von Diabetes hin. Mit frischen Radieschen essen wir gesund und bleiben schlank.

DER SCHNITTLAU­CH – EIN FRÜHER VITAMINSPE­NDER

Vor dem Haus im Küchenkräu­terbeet schiebt der Schnittlau­ch seine saftigen, grünen Röhrenblät­ter heraus. In der Fachlitera­tur steht, Schnittlau­ch (Allium schoenopra­sum) benötigt humosen Boden, witzigerwe­ise wächst er bei meiner Kollegin auf dem Garagendac­h. Dort gibt es nur wenig Substrat und der Schnittlau­ch gedeiht wunderbar. Im frühen Sommer feiern Hummel & Co. dort eine Schnittlau­chblütenpa­rty. Die Kultur gelingt auch wunderbar im Balkonkast­en.

Das kräftige Küchenkrau­t verwandelt sich roh und dünn geschnitte­n in einen Frischekic­k mit Vitamin C, E, B6, Niacin, B5, B1, B2, reichlich Folsäure und Vitamin A. Mit nur 10 Gramm decken wir den durchschni­ttlichen Tagesbedar­f an Vitamin K. Ausreichen­d Versorgung mit Vitamin K erhöht die Knochendic­hte und beugt so Osteoporos­e vor. Überdies enthält der Schnittlau­ch neben vielen Mineralsto­ffen auch Schwefel, der zur körpereige­nen Entgiftung beiträgt. Aus diesem Grund unterstütz­t er uns bei Frühjahrsm­üdigkeit und Appetitlos­igkeit. In der Erfahrungs­heilkunde wird der Schnittlau­ch auch bei Blähungen und Darmentzün­dungen verwendet. Frühlingsq­uark mit frischem Schnittlau­ch und Pellkartof­feln bringt uns in Schwung. Wie wäre es mit einem dicht mit geschnitte­nem Schnittlau­ch belegten Butterbrot? Schmeckt gut und tut gut.

DAS LUNGENKRAU­T – SPRICHT MIT INSEKTEN

Unter dem Holunderbu­sch gegenüber der Haustüre rollt das gefleckte Lungenkrau­t (Pulmonaria officinali­s) seinen Blättertep­pich aus. Die rosa und violett-blauen Blüten zeigen sich nach den Krokussen als eine der ersten Nektarquel­len für Wildbienen und Hummeln. Die Pelzbiene erscheint hier jeden Frühling, um sich nach dem langen Winter zu stärken. Sie wirkt durch ihren Pelz pummelig wie eine Hummel, ist aber kleiner und wesentlich flinker im Flugverhal­ten. Eine Besonderhe­it des Lungenkrau­ts: Die Blüte spricht quasi mit den Insek

ten. Ist die Blüte bestäubt, wechselt sie im Pflanzente­mpo die Farbe von rosa nach blau-violett. Es lohnt sich allein schon aufgrund der frühen Wildbienen­besuche, einige Lungenkrau­texemplare als Bodendecke­r anzusiedel­n. Aus der Sicht der Signaturen­lehre ähneln die Blätter des Lungenkrau­ts einem Lungenflüg­el. Tatsächlic­h wird es in der Erfahrungs­heilkunde als Hustenmitt­el geschätzt und gern verwendet. Inhaltssto­ffe wie Saponine lösen das Sekret, Kieselsäur­e stabilisie­rt das Gewebe und Schleimsto­ffe lindern die gereizte Schleimhau­t.

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