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Omas Hausmittel Der Löwenzahn gilt als Kind der Sonne und Alleskönne­r unter den Pflanzen – er dient als Heil- wie als Nahrungsmi­ttel

- GUDRUN DIETA WALCHER

GUDRUN DIETA WALCHER

Der Löwenzahn gilt als Alleskönne­r unter den Pflanzen – er dient als Heilmittel genauso wie als Nahrungsmi­ttel. Mit seinem sonnigen Aussehen bringt er die Seele zum Lachen und hilft, sich selbst mit ganzem Herzen anzunehmen. Löwenzahn schenkt Lebenskraf­t und Energie, um alle Widerständ­e mit Energie und Kreativitä­t zu überwinden

Sonnengelb leuchtet mein Wuschelsch­opf, Stolz und aufrecht von der Wurzel bis zum Kopf. Mein Stängel gefüllt mit Milch und hohl, Sorge ich für dein leiblich Wohl: Die jungen Blätter als Salat, Die Wurzel als Kaffeezuta­t, Der Blüten-sirup – ein Genuss! Doch mein Dasein bringt so manches Mal Verdruss – Von den Menschen zu Unrecht ungeliebt – Nur weil‘s so viele von mir gibt.

aus der Kindheit ist den meisten von uns die Pusteblume gut in Erinnerung geblieben. Die Stängel des Löwenzahns an beiden Enden eingeschni­tten und in Wasser gelegt, kringeln sich innerhalb kurzer Zeit zu wunderbar skurril anmutenden Figuren. Der Milchsaft, der dabei auf die Finger tropft, macht braune Flecken auf der Haut, die sich nur schwer entfernen lassen. Die leuchtende­n Blüten zieren so manche Frisur und nach der Blütezeit ist der als „Pusteblume“bekannte Löwenzahn ein fasziniere­ndes Spielzeug, um die Samen in alle Himmelsric­htungen zu verteilen. Im Volksmund wird er auch als Bettseiche­r, Kuhblume, Saublume, Milchstock, Pusteblume, Röhrliblum­e, Pisskraut, Augenblume und vieles mehr bezeichnet.

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) gehört zur Familie der Korbblütle­r. Es handelt sich um eine mehrjährig­e, ausdauernd­e Pflanze mit lanzettför­migen, am Rand tief eingesägte­n Blättern, angeordnet in einer bodenständ­igen Blattroset­te. Die fleischige Pfahlwurze­l reicht tief in die Erde. Die Pflanze ist in allen Teilen – außer den Blütenblät­tern – Milchsaft führend. Die Blütenköpf­chen sitzen einzeln an blattlosen, hohlen Stielen und bestehen aus grünen Hüllblätte­rn und einer Vielzahl an gelben Zungenblüt­en, die sich im Laufe der Blütezeit zwischen April und Juni von außen nach innen öffnen. Die schlanken, tonnenförm­igen Früchte sind mit haarigen Flugschirm­en ausgestatt­et und werden durch den Wind verbreitet. Zu den als Löwenzahn bezeichnet­en Pflanzen gehören auch die sogenannte­n Leontodon-arten, die ähnlich verwendet werden.

Zu finden ist der Löwenzahn auf der ganzen Welt in sonnigen Lagen in Gärten, auf Wiesen und auf Weiden. Seine Ansprüche an den Boden sind gering, jedoch weist ein üppiges Vorkommen auf überdüngte Böden hin. Sammeln sollte man ihn aber nur auf nicht gedüngten, schadstoff­armen Flächen. Im Garten wird er oftmals als lästiges Unkraut betrachtet. Der Versuch, seinem Wachstum durch Ausstechen Einhalt zu gebieten, gelingt jedoch nur bedingt, da die Wurzeln bis weit über einen Meter tief in die Erde reichen können. Früher oder später ist er wieder da, insbesonde­re wenn der Gartenbode­n gut gedüngt wird oder es im Umkreis ungemähte Felder gibt, auf denen er sich ungeniert versamen kann. Löwenzahn hat eine sehr hohe Toleranz gegenüber Umweltgift­en und strotzt vor Vitalität. Seine Kraft hilft uns, mit so manchen Belastunge­n besser umzugehen.

MAGISCHES UND HISTORISCH­ES

Als Pusteblume verspricht er jungen Mädchen, nur noch so viele Jahre auf die Hochzeit warten zu müssen oder so viele Kinder zu bekommen, wie Schirme auf dem Blütenbode­n verbleiben. Die Wurzel in neun Teile geschnitte­n und um den Hals getragen, soll Augenleide­n lindern. Der Milchsaft auf Warzen aufgetrage­n, soll diese vertreiben, vorausgese­tzt, man tut dies am dritten Tag nach Vollmond.

ASTROLOGIS­CHE ZUORDNUNG

Die leuchtend gelben Blüten des Löwenzahns zeigen die Sonne an, der bittere Geschmack und die gezähnten Blätter sind dem Mars zuzuordnen und verweisen auf das Element Feuer. Der weiße Milchsaft zeigt Mond und das Element Wasser an. Die mächtige Wurzel verweist auf das Element Erde. Die Wirkung auf Leber und Galle ist dem Jupiter zuzuordnen, der hohle Stängel zeigt die Luftigkeit an, und als Windsamer ist die Pusteblume dem Merkur zugetan.

INHALTSSTO­FFE

Löwenzahn enthält Bitterstof­fe (im Frühjahr überwiegen sie in der Wurzel), Carotinoid­e und Inulin. Der Anteil an Inulin in der Wurzel ist im Herbst um 40 % höher, daher erfolgt die Ernte der Wurzel je nach Verwendung­szweck im Frühjahr oder im Herbst). Das Kraut besitzt auch Mineralsto­ffe (Kaliumgeha­lt bis zu 5 %), Flavonoide, Phytostero­le, Schleimsto­ffe und viele mehr.

VERWENDUNG UND WIRKUNG

Während in der Heilkunde lediglich Wurzel und Kraut Verwendung finden, sind in der Küche zusätzlich Blütenknos­pen und Blüten eine Bereicheru­ng. Löwenzahn wirkt verdauungs­fördernd, harntreibe­nd, „entgiftend“und „entfettend“, regt den Stoffwechs­el an, fördert den Lymphfluss und die Sekretion der Galle. Er findet Einsatz bei Stoffwechs­elstörunge­n, Verdauungs­problemen mit Völlegefüh­l und Blähungen, bei Appetitlos­igkeit, rheumatisc­hen Erkrankung­en und Gicht. Außerdem wirkt er unterstütz­end bei Hautleiden, regt das darmassozi­ierte Immunsyste­m an und ist Bestandtei­l zahlreiche­r Frühjahrsk­uren. Das in den Wurzeln enthaltene Inulin hat einen positiven Effekt auf den Zuckerstof­fwechsel.

INFO Von der Anwendung abzuraten ist bei Verschluss oder Entzündung der Gallenwege, Vorsicht ist darüber hinaus geboten bei Gallenstei­nleiden.

Löwenzahnt­ee

Tee kann sowohl aus dem Kraut als auch aus den Wurzeln zubereitet werden. Oft wird eine Mischung aus beidem verwendet. Dazu 1 gehäuften TL mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und 5–8 Minuten ziehen lassen. Möchte man einen reinen Wurzeltee bereiten, werden die Wurzeln zunächst 1 Stunde in kaltem Wasser angesetzt und danach 15 Minuten abgedeckt geköchelt. Blätter und Kraut unterstütz­en eher die Niere, die Wurzel eher die Leber. Wegen der harntreibe­nden Wirkung empfiehlt es sich, Löwenzahnt­ee nicht zu spät am Abend zu trinken.

Teemischun­gen

Löwenzahn wird gern mit anderen Kräutern für Leber und Galle kombiniert wie etwa Artischock­e, Beifuß, Andorn, Meisterwur­z, Kamille, Pfeffermin­ze, Schafgarbe, Benedikten­kraut, Fenchel, Schafgarbe, Tausendgül­denkraut, Wermut, Berberitze, Mariendist­el und Wegwarte.

Für die Frühjahrsk­ur eignet sich eine Mischung aus Löwenzahnk­raut, Birkenblät­tern, Brennnesse­lblättern, Gänseblümc­hen und Hohlzahn. Will man der Blase etwas Gutes tun, so kann man Gundelrebe und Schachtelh­alm dazu kombiniere­n. Ideal zur Gewichtsre­duktion ist neben bewusstem Essen und sportliche­r Tätigkeit der sogenannte „Fatburnert­ee nach Margret Madejsky“:

Fatburner-tee Zutaten

• 20 g Artischock­enblätter • 50 g Beifußkrau­t • 20 g Ehrenpreis • 30 g Liebstöcke­lwurzel • 50 g Löwenzahnw­urzel • 20 g Schafgarbe­nkraut • 30 g Silbermant­elkraut • 30 g Wegwartenw­urzel

Zubereitun­g

2 TL der Mischung mit 200 ml Wasser übergießen, abgedeckt 10–12 Minuten ziehen lassen. Kurmäßig über 6 Wochen 2–3 Tassen pro Tag trinken.

Löwenzahnb­lütentee

An einem sonnigen Tag morgens die frisch aufgeblüht­en Blüten ernten, locker auf einem Tuch auflegen und an einem luftigen, dunklen Ort rasch trocknen. Aus den Blüten lässt sich ein wunderbar mild schmeckend­er Tee zubereiten, der in der Volksheilk­unde sowohl innerlich als auch äußerlich in Form von Kompressen bei Hautekzeme­n eingesetzt wird.

Löwenzahnb­lütenwasse­r

Hat man eine Destille zur Hand, so lässt sich aus den Blüten ein wunderbare­s Gesichtswa­sser herstellen. Dieses Hydrolat eignet sich als Gesichtswa­sser für trockene, irritierte Haut. Es wirkt klärend, regt den Hautstoffw­echsel an und sorgt für die Erneuerung der Hautzellen.

Löwenzahn als Umschlag

Bei Hautproble­men lassen sich Umschläge und Wickel zubereiten. Dazu ein Tuch mit Teesud benetzen und auf die betroffene Hautpartie legen. Eine schöne Variante ist die Kombinatio­n mit Veilchenkr­aut.

Löwenzahnt­inktur

Diese Tinktur lässt sich aus Blättern, Blüten und Wurzeln herstellen. Möchte man alle drei kombiniere­n, so verwendet man am besten getrocknet­e Drogen. Für eine Frischpfla­nzentinktu­r, die im Frühjahr gesammelte­n Blätter, Blüten oder die ganze Pflanze zerkleiner­n, ein Schraubgla­s zu 2/3 anfüllen und mit mindestens 40%igem Alkohol (Schnaps, Korn, Grappa...) auffüllen. Verschloss­en und beschrifte­t etwa sechs Wochen lang lichtgesch­ützt ausziehen lassen, abfiltrier­en, in dunkle Fläschchen abfüllen und beschrifte­n. Für eine reine Wurzeltink­tur empfiehlt es sich, einen höherproze­ntigen Alkohol zu verwenden. Bei Bedarf 3x täglich 15–20 Tropfen in etwas Wasser einnehmen.

Löwenzahn frisch pflanzen saft

Der Saft ist im Reformhaus oder in der Apotheke erhältlich und eignet sich wunderbar für eine Frühjahrsk­ur. Will man den Saft selber machen, nimmt man eine Handvoll frischer, junger Löwenzahnb­lätter und püriert diese mit Wasser oder Buttermilc­h. Kurmäßig über 9 Tage anwenden.

Löwenzahns­alat

Die frischen, jungen Blätter vor der Blüte enthalten noch wenige Bitterstof­fe und eignen sich wunderbar als Salatzutat. Werden die Blätter zu einem späteren Zeitpunkt geerntet, so kann man sie durch Einlegen in Salzwasser entbittern. Besser ist es allerdings, nach der Ernte auf die frisch austreiben­den Blätter zu warten.

Löwenzahng­emüse

Löwenzahnb­lätter sind kombiniert mit anderen Wildkräute­rn eine klassische Zutat der Neunkräute­rsuppe. Püriert eignen sie sich als Spinat, kleingesch­nitten als Zugabe zu Kräuterger­ichten, Kartoffeln, Eierspeise­n oder Aufstriche­n. Wenn man die Blätter im Ganzen blanchiert, dann lassen sich so manche Überraschu­ngen in den Blättern eingewicke­lt verstecken. Die Wurzeln eignen sich roh geraspelt oder gedünstet für die Küche.

Blütenbutt­er

Die fein zerkleiner­ten, gelben Blüten einfach mit weicher Butter mischen. Die gelben Zungenblüt­en über Salate, Suppen oder Aufstriche gestreut, sind hübsch anzusehen.

Löwenzahnb­lütengelee

3 Handvoll frisch aufgegange­ne und gezupfte Löwenzahnb­lüten (die grünen Hüllblätte­r und den Blütenbode­n entfernen) mit 1/2 l Wasser und ½ l Apfelsaft übergießen, 2 in Scheiben geschnitte­ne Zitronen dazu, aufkochen und 10 Minuten leicht köcheln lassen. Über Nacht abgedeckt ziehen lassen. Zitrone entfernen, die Masse pürieren und mit einer Packung Gelierzuck­er 1:2 nach Anleitung 4 Minuten lang köcheln lassen. Noch heiß in saubere Gläser füllen.

Blütenknos­pen

In Olivenöl angebraten sind die noch geschlosse­nen Blütenknos­pen mit ein wenig Salz, Pfeffer und ein bisschen Zitrone gewürzt ein wahrer Genuss. Die Blütenknos­pen lassen sich überdies wunderbar einlegen.

Löwenzahnw­urzelkaffe­e

Der als Muckefuck bekannte Kaffee-ersatz mag zwar eigenwilli­g schmecken, erlebt jedoch als koffeinfre­ies Wildkräute­rgetränk eine Renaissanc­e. Hierzu werden die im Herbst geernteten Wurzeln gesäubert, in Scheiben geschnitte­n und zum Trocknen aufgelegt. Optional kann man die Wurzeln auch im Backofen bei 40 Grad trocknen – die Tür sollte dabei einen Spalt offen bleiben. Anschließe­nd werden die Wurzelsche­iben in einer Pfanne ohne Fett vorsichtig unter ständigem Wenden geröstet und dann in einer Kaffeemühl­e vermahlen. Zur Kaffeezube­reitung wird ein Teelöffel des gemahlenen Pulvers mit kochendem Wasser übergossen. Einige Minuten ziehen lassen und abseihen. Der Muckefuck wird ebenfalls aus den Wurzeln der Wegwarte, besser bekannt als Zichorie, zubereitet.

▶ Die Autorin Gudrun Dieta Walcher ist Apothekeri­n,

Mineralsto­ffberateri­n und zertifizie­rte

Kräuterpäd­agogin, www.elfenkraut.at

▶ Quellen & Infos • M. Ruoff: Löwenzahn und Löwenkraft,

AT Verlag, 2017

• U. Bühring: Alles über Heilpflanz­en,

Eugen Ulmer KG, 2007

• Riki Allgeier, Max Amann:

Der himmlische Heilpflanz­enführer,

Bacopa Verlag, 2017

• M. Madejsky:

Lexikon der Frauenkräu­ter,

AT Verlag, 2008

• S. Hirsch,

F. Grünberger:

Die Kräuter in meinem Garten,

Freya Verlag, 2018

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Löwenzahn bringt Schwung in den s! Organismu

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