Ein star­ker Chip steu­ert den Klang

Neu-Ulmer Zeitung - - Digitales - Chris­toph Dern­bach, dpa

Ein­stel­lun­gen wie das WLANPass­wort oder die iC­loud-Da­ten wer­den in Se­kun­den auf den Ho­mePod über­tra­gen. Schon der ers­te Sound­check zeigt: Er spielt klang­lich in ei­ner an­de­ren Li­ga als die Mit­glie­der der Echo-Fa­mi­lie von Ama­zon. Das hat auch da­mit zu tun, dass die In­ge­nieu­re im Sound­la­bor in Cu­per­ti­no ei­nen an­de­ren An­satz ver­fol­gen. Im Ho­mePod steckt ein kräf­ti­ger A8-Chip (wie im iPho­ne 6S). Er ana­ly­siert nicht nur Sprach­kom­man­dos für Si­ri, son­dern be­ein­flusst ak­tiv den Klang. Mit ei­ner Tech­nik, die App­le „Beam­for­ming“(Richt­strahl­ver­fah­ren) nennt, pas­sen sich ins­be­son­de­re die sie­ben, kreis­för­mig an­ge­ord­ne­ten Hoch­tö­ner an den je­wei­li­gen Song und den Raum an.

Tat­säch­lich klingt der Ho­mePod ex­zel­lent. Egal, ob Pop, Hip-Hop oder Rock ge­spielt wird. Auch Jaz­zKlas­si­ker wie „Ta­ke Fi­ve“von Da­ve Brubeck spielt der Laut­spre­cher mit ei­ner be­ein­dru­cken­den Klang­fül­le. Die mitt­le­ren Tö­ne wir­ken trans­pa­rent, die Hö­hen ab­so­lut klar. Die Bäs­se des un­ter­halb des Touch-Dis­plays ein­ge­bau­ten Tief­tö­ners klin­gen bei ak­tu­el­len Dan­ceSongs wie „Fue­go“von Alok & Bhas­ka nicht dumpf und klap­pe­rig wie bei et­li­chen an­de­ren Laut­spre­chern, son­dern tief und satt.

Wä­re der Sound das al­lei­ni­ge Kri­te­ri­um, wür­de der Ho­mePod die Kon­kur­renz in den Schat­ten stel­len, selbst gu­te Laut­spre­cher wie den So­nos Play:1. Erst mit dem Play:5 ist So­nos wie­der mit et­was mehr Wumms im Vor­teil. Der größ­te So­nos-Laut­spre­cher kos­tet mit 575 Eu­ro aber auch deut­lich mehr als der App­le Ho­mePod.

Al­ler­dings kann der Ho­mePod der­zeit nur im App­le-Uni­ver­sum be­ste­hen. Er ist das, was US-Ame­ri­ka­ner ei­nen „wal­led gar­den“nen­nen, al­so ei­nen ab­ge­schirm­ten Gar­ten hin­ter ei­ner Mau­er. Al­les ist be­quem, si­cher und funk­tio­niert. Nur be­nö­tigt man für den Be­trieb ei­nes Ho­mePods nicht nur ein ak­tu­el­les iOS-Ge­rät, son­dern auch die ent­spre­chen­den Mu­sik-Di­ens­te mit dem Ap­fel-Lo­go.

Zwar kann man via AirPlay vom iPho­ne aus be­lie­bi­ge In­hal­te auf den Pod strea­men. Will man aber oh­ne iPho­ne, iPad, App­le TV oder iPod touch aus­kom­men und di­rekt per Sprach­kom­man­do Mu­sik auf dem Ho­mePod ab­spie­len, kommt man um ein Abo bei App­le nicht her­um. Mit iTu­nes Match (25 Eu­ro im Jahr) ge­langt die ei­ge­ne iTu­nes-Bi­b­lio­thek in die Cloud und da­mit auch auf den Ho­mePod. Und für knapp zehn Eu­ro im Mo­nat oder knapp 100 Eu­ro im Jahr gibt es über App­le Mu­sic Zu­griff auf rund 40 Mil­lio­nen Songs.

Hier sind so­wohl die Ama­zonGe­rä­te als auch das So­nos-Sys­tem viel fle­xi­bler und bie­ten et­wa ei­ne di­rek­te Un­ter­stüt­zung für Spo­ti­fy, um den Strea­m­ing­dienst di­rekt auf den Laut­spre­cher zu brin­gen. Zu­dem brin­gen im­mer mehr Her­stel­ler auch Laut­spre­cher, die ne­ben Ama­zons Ale­xa ein­mal auch den Goog­le As­sis­tant an Bord ha­ben wer­den – et­wa So­nos mit dem Mo­dell One.

An­ge­sichts die­ser Kon­kur­renz könn­te es durch­aus sein, dass App­le in die Mau­er sei­nes „wal­led gar­den“ doch noch das ein oder an­de­re Tor ein­baut. So kann man in­zwi­schen auf dem App­le TV nicht nur Fil­me beim App­le-Di­enst iTu­nes aus­lei­hen und kau­fen, son­dern Vi­de­os von Net­flix, Sky, Max­do­me oder Ama­zon Pri­me an­schau­en. Beim Ho­mePod gibt es aber der­ar­ti­ge An­kün­di­gun­gen bis­lang nicht.

Wäh­rend man al­so auf ei­ne Öff­nung des „wal­led gar­den“nur va­ge hof­fen kann, hat App­le an­de­re Ver­bes­se­run­gen be­reits an­ge­kün­digt. Der­zeit kann man we­der zwei Ho­mePods zu ei­nem Ste­reo­paar ver­knüp­fen noch kann man ein Mu­sik­stück in meh­re­ren Räu­men auf Ho­mePods syn­chro­ni­siert ab­spie­len. Hier ha­ben an­de­re An­bie­ter die Na­se vorn. App­le will bei­de Funk­tio­nen mit dem er­wei­ter­ten Stan­dard AirPlay 2 als Up­date nach­lie­fern, ver­mut­lich noch im ers­ten Halb­jahr 2018.

Wie sich der smar­te App­le-As­sis­tent Si­ri auf Deutsch schla­gen wird, wird erst klar, wenn der Ho­mePod auch in Deutsch­land an­ge­bo­ten wird. Auf Eng­lisch macht er auch in Deutsch­land ei­ne ganz gu­te Fi­gur, zu­min­dest wäh­rend un­se­res Tests am Stand­ort Ber­lin. Die Viel­zahl der Au­dio-Apps („Skills“), die Ama­zon für sei­ne Echo-Laut­spre­cher im Pro­gramm hat, sucht man bei App­le aber zum Ho­mePod-Start ver­ge­bens.

Fo­tos (4): Andrea War­ne­cke, dpa

Eben­falls sehr sim­pel: die Ein­rich­tung des Ho­mePod. Ein­fach das App­le Ge­rät in die Nä­he brin­gen und den An­wei­sun­gen fol­gen.

Ob „Hey Si­ri“oder ein Fin­ger­tip­per auf den De­ckel: Der Ho­mePod wird kin­der­leicht ge­steu­ert. Dass Si­ri mit­hört, zeigt die bun­te Ani­ma­ti­on im Dis­play an.

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