Brüs­sel traut den Ame­ri­ka­nern nicht

EU-Kom­mis­sa­rin Malm­ström ist be­reit, al­le Zöl­le ab­zu­bau­en. Doch das Par­la­ment hat noch vie­le Fra­gen

Neu-Ulmer Zeitung - - Wirtschaft - VON DET­LEF DRE­WES

Brüs­sel Im Han­dels­streit zwi­schen der EU und den USA ha­ben sich bei­de Sei­ten le­dig­lich ei­ne som­mer­li­che Atem­pau­se ge­gönnt. Brüs­sels Han­dels­kom­mis­sa­rin Ce­ci­lia Malm­ström wür­de am liebs­ten in den nächs­ten Wo­chen al­le Zöl­le für In­dus­trie­gü­ter ab­räu­men. Doch ei­ne An­hö­rung am Don­ners­tag zeig­te: Das EU-Par­la­ment sieht bis­her er­heb­li­che De­fi­zi­te.

Die Wut über Do­nald Trumps Al­lein­gän­ge in Sa­chen Welt­han­del ist je­den­falls bei den Par­la­men­ta­ri­ern nicht ver­raucht. „Wie soll man denn mit Washington se­ri­ös ver­han­deln, wenn es je­den Tag sich wi­der­spre­chen­de Meldungen über die Hal­tung des US-Prä­si­den­ten gibt?“, woll­te die CDU-Eu­ro­pa-Ab­ge­ord­ne­te Go­de­lie­ve Quis­t­houdt-Ro­wohl am Don­ners­tag von Ce­ci­lia Malm­ström wis­sen. Die EU-Han­dels­kom­mis­sa­rin hin­ge­gen be­fand sich noch in dem Hoch­ge­fühl ei­nes völ­lig un­er­war­te­ten Durch­bruchs bei den Ge­sprä­chen zwi­schen Trump und EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker En­de Ju­li. Man war über­ein­ge­kom­men, die be­reits an­ge­droh­ten Zöl­le auf eu­ro­päi­sche Au­tos erst ein­mal zu stop­pen und in­ner­halb von 120 Ta­gen ein neu­es Ab­kom­men auf die Bei­ne zu stel­len. In we­ni­gen Ta­gen sol­len die­se Ge­sprä­che be­gin­nen.

Malm­ström: „Wir wol­len al­le Zöl­le auf In­dus­trie­gü­ter ab­bau­en und nicht-ta­ri­fä­re Han­dels­hemm­nis­se be­sei­ti­gen. Aber das geht nur, wenn die Ver­ei­nig­ten Staa­ten mit­zie­hen.“Die Zei­chen da­für ste­hen nicht schlecht: Schließ­lich hat­te Juncker ver­spro­chen, den Ame­ri­ka­nern als Vor­leis­tung für neue Ver­hand­lun­gen mehr So­jaboh­nen und (Fracking-)Gas ab­zu­neh­men. Au­ßer­dem ver­spra­chen sich bei­de Sei­ten, bü­ro­kra­ti­sche Hemm­nis­se ab­zu­räu­men, über die man sich schnell ei­ni­gen kann – bei Di­enst­leis­tun­gen, Che­mi­ka­li­en und Me­di­zin­pro­duk­ten. Über land­wirt­schaft­li­che Er­zeug­nis­se und den lu­kra­ti­ven Be­reich öf­fent­li­cher Auf­trä­ge will man vor­erst nicht re­den. Malm­ström: „Wir wol­len so schnell wie mög­lich Er­fol­ge.“

Doch da­für braucht die Kom­mis­sa­rin am En­de auch die EU-Par­la­men­ta­ri­er, und die sind skep­tisch. „Wir hat­ten ei­gent­lich be­schlos­sen, kei­ne Zu­ge­ständ­nis­se zu ma­chen, so­lan­ge die hö­he­ren Zöl­le auf Stahl und Alu­mi­ni­um in Kraft sind, und vor dem Hin­ter­grund ei­ner Droh­ku­lis­se wei­te­rer Straf­zöl­le auf Au­tos“, er­in­ner­te der Chef des Han­dels­aus­schus­ses, der EU-Ab­ge­ord­ne­te Bernd Lan­ge (SPD). Tat­säch­lich ist die Skep­sis groß, ob Malm­ströms ame­ri­ka­ni­scher Ge­gen­spie­ler, der US-Han­dels­be­auf­trag­te Ro­bert Light­hi­zer, auf die Ge­mein­schaft zu­ge­hen wird. Bei­spiel Ab­schaf­fung al­ler Au­to-Zöl­le: Trump hat­te sich zwar die­se For­de­rung zu ei­gen ge­macht. In­zwi­schen ru­dert man in Washington wie­der zu­rück. Schließ­lich sei zu be­fürch­ten, heißt es in Trumps Um­feld, dass dann noch mehr eu­ro­päi­sche Fahr­zeu­ge in die USA kä­men – vor al­lem Pick­up-Trucks und vie­le grö­ße­re SUV. Sie sind mit ei­ner 25-pro­zen­ti­gen Im­port­ab­ga­be be­legt. Auch die De­tails des Juncker-Vor­sto­ßes schei­nen noch um­strit­ten: „Stimmt es, dass die So­jaboh­nen, die Eu­ro­pa nun aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten be­kommt, zu 90 Pro­zent aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Pflan­zun­gen stam­men?“, woll­te ein Ab­ge­ord­ne­ter wis­sen. Malm­ström be­ru­hig­te: „Al­le So­jaboh­nen-Im­por­te wur­den von der Eu­ro­päi­schen Le­bens­mit­tel­be­hör­de EFSA zer­ti­fi­ziert.“

Tat­säch­lich ist die Angst in Brüs­sel groß, dass die Ge­sprä­che – ähn­lich wie schon beim ge­schei­ter­ten Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP – in ei­ner öf­fent­li­chen Kam­pa­gne zer­ris­sen wer­den könn­ten.

Foto: Ste­pha­nie Le­cocq, dpa

Die EU Han­dels­kom­mis­sa­rin Malm­ström. Ce­ci­lia

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