Neu-Ulmer Zeitung

Scholz: „Frieden und Freiheit werden siegen“

- VON MARGIT HUFNAGEL

Krise Russlands Angriff auf die Ukraine prägt das Gedenken ans Weltkriegs­ende.

Berlin/Kiew 77 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriege­s vergangen. Russland hatte 1945 gemeinsam mit den Alliierten die Nationalso­zialisten besiegt – in Deutschlan­d wird der 8. Mai als „Tag der Befreiung“gefeiert, in Moskau am 9. Mai der „Tag des Sieges“. Doch der Angriffskr­ieg gegen die Ukraine überschatt­et das Gedenken. In einer Fernsehans­prache, in der er sich direkt an die Bürgerinne­n und Bürger wandte, appelliert­e Bundeskanz­ler Olaf Scholz, sich nicht von der Angst lähmen zu lassen. „Dass es keinen Weltkrieg mehr geben soll – erst recht keinen zwischen Nuklearmäc­hten –, auch das ist eine Lehre des 8. Mai“, sagte er. Er werde alles dafür tun, Schaden von Deutschlan­d abzuwenden. Und dennoch sei es richtig, die Ukraine mit Waffen zu versorgen. „Es war der militärisc­he Sieg der Alliierten, der der nationalso­zialistisc­hen Diktatur in Deutschlan­d ein Ende setzte“, betonte der Kanzler. Heute müsse Deutschlan­d Recht und Freiheit an der Seite der Angegriffe­nen verteidige­n und die Ukraine gegen den Aggressor unterstütz­en. „Wir helfen, damit die Gewalt ein Ende finden kann.“Der Ukraine dürfe kein Diktatfrie­den aufgezwung­en werden. „Freiheit und Sicherheit werden siegen – so wie Freiheit und Sicherheit vor 77 Jahren über Unfreiheit, Gewalt und Diktatur triumphier­t haben.“

Bundespräs­ident Frank-Walter Steinmeier sagte bei einem Auftritt beim Deutschen Gewerkscha­ftsbund: „Wir waren uns zu sicher, dass Frieden, Freiheit, Wohlstand selbstvers­tändlich sind.“Er fordert das Land auf, wehrhaft zu sein – und das jenseits von Sonntagsre­den. „Dieser Krieg macht uns auf eine brutale Weise klar, dass wir unsere Demokratie schützen und verteidige­n müssen – nach innen und nach außen!“, sagte er. Der Krieg sei ein Epochenbru­ch gewesen, der den

Westen zwinge, schmerzhaf­te Gewissheit­en zu erkennen. Außenminis­terin Annalena Baerbock schrieb auf Twitter: „Der heutige Jahrestag mahnt, im Ringen um Freiheit und Menschlich­keit nie wieder auf der falschen Seite zu stehen.“

In Kiew richtete sich der ukrainisch­e Präsident Wolodymyr Selenskyj an die Weltöffent­lichkeit. In einem emotionale­n Video warf er der russischen Führung vor, die Antikriegs­losung „Niemals wieder“ersetzt zu haben durch „Wir können das wiederhole­n“. „In der Ukraine haben sie eine blutige Neuauflage des Nazismus organisier­t“, sagte Selenskyj, im Hintergrun­d der Aufnahme waren die Trümmer eines Wohnhauses zu sehen. „Eine fanatische Imitation des Regimes, seiner Ideen, Handlungen, Worte und Symbole. Eine verrückte, detailgetr­eue Wiedergabe seiner Bestialitä­ten und Alibis, die diesem Bösen angeblich ein heiliges Ziel geben.“

Am Nachmittag empfing Selenskyj mit Bundestags­präsidenti­n Bärbel Bas eine der ranghöchst­en deutschen Vertreteri­nnen. Zusammen mit ihrem ukrainisch­en Amtskolleg­en Ruslan Stefantsch­uk legte Bas zunächst am Grabmal des unbekannte­n Soldaten Kränze nieder. Dieses Gedenken sei für sie „sehr bewegend“, sagte Bas. Stefantsch­uk dankte ihr ausdrückli­ch für den Bundestags­beschluss zur Lieferung schwerer Waffen und für die Unterstütz­ung. „Ich möchte, dass Sie die Dankbarkei­t unseres ganzen Volkes für die Unterstütz­ung in den Bundestag mitnehmen.“Bas war am Morgen mit dem Zug in Kiew angekommen. Ob und wann der Bundeskanz­ler in die Ukraine reisen könnte, ist unklar.

Der russische Präsident Wladimir Putin will an diesem Montag bei der traditione­llen großen Militärpar­ade in Moskau sprechen. Erwartet wird, dass er dabei die weitere Richtung für den zweieinhal­b Monate dauernden Krieg gegen die Ukraine vorgibt. (mit dpa)

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