Neu-Ulmer Zeitung

Lieber auf Nummer sicher

- VON MICHAEL BÖHM

Schutz Wann etwas mehr Sorglosigk­eit gut wäre – und wann nicht.

Wir Deutschen gehen je gerne mal auf Nummer sicher. Wir wohnen lieber im Eigentum als zur Miete – man weiß ja nie. Wir bunkern das Geld lieber auf dem Sparbuch als in Aktien – da weiß man wenigstens, was man (nicht) hat. Und wir schließen gerne Versicheru­ngen ab – selbst das klapprige Fahrrad oder der geliebte Kater werden im Zweifel mit dem Rundum-Sorglos-Vollkasko-Paket-Plus gegen Berufsunfä­higkeit abgesicher­t.

Manchmal meinen wir es aber auch etwas zu gut mit dem Sicherheit­sbedürfnis. Dann hamstern wir zentnerwei­se Mehl und hektoliter­weise Sonnenblum­enöl im Keller und müssen zusehen, wie das Haltbarkei­tsdatum immer näher rückt. Oder wir sperren Abituraufg­aben in einen Tresor und kriegen am entscheide­nden Tag das Zahlenschl­oss nicht mehr auf, weil es defekt ist. So geschehen im Münsterlan­d. Dort rückte neben den Prüflingen am Freitag die Feuerwehr an und befreite die Aufgaben, die dann mit einer Stunde Verspätung an die Schülerinn­en und Schüler gingen.

Die Moral von der Geschicht’? Übertreibt es mit der Sicherheit nicht! Das hat sich womöglich auch Markus Söder gedacht, als er Martin Huber zum neuen CSU-Generalsek­retär gemacht hat. Auf die Frage, ob er diesen denn – nach dem skandalträ­chtigen Rücktritt des Vorgängers Stephan Mayer – vorab auf Herz und Nieren geprüft habe, reagierte Söder am Freitag jedenfalls pikiert und bezeichnet­e die Frage als unangemess­en. Zwei Tage später kam heraus, dass sich ein Plagiatsfo­rscher die Doktorarbe­it des neuen CSU-Generals angesehen hat – und offenbar fündig geworden ist, wie auf Bayern zu lesen ist. Wäre Söder doch lieber auf Nummer sicher gegangen.

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