Neu-Ulmer Zeitung

Die Vorherrsch­aft ist beendet

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Triathlon Die Ironman-WM endet ohne deutschen Sieger. Bei den Männern fehlten allerdings die Stars Jan Frodeno und Patrick Lange. Bei den Frauen schafft es Anne Haug aufs Treppchen.

St. George Anne Haug goss sich mit letzter Kraft eine Flasche Wasser über den Kopf und sank der Länge nach völlig erschöpft auf den heißen schwarzen Teppich im Zielbereic­h. Nicht mal das Bier bei der Siegerehru­ng wollte die 39 Jahre alte ProfiTriat­hletin aus Bayern. „Man hat kein Abo auf den Sieg“, sagte Haug, entthront, aber glücklich und stolz auf ihre starke Leistung bei der Ironman-Weltmeiste­rschaft in St. George. „Es war echt unglaublic­h hart“, sagte sie: „Im Marathon war es dann Sterben auf Raten.“

Gegen die überragend­e Schweizeri­n Daniela Ryf bei deren insgesamt fünftem WM-Triumph und Kat Matthews aus Großbritan­nien hatte das Bayreuther Leichtgewi­cht trotz einer grandiosen Laufleistu­ng keine Chance bei der ersten WM, die nicht auf Hawaii stattfand. Das Rennen in St. George war die Nachhol-WM vom Oktober 2021, weil zum zweiten Mal nacheinand­er auf Hawaii wegen der Corona-Pandemie nicht gestartet werden konnte.

Im US-Bundesstaa­t Utah gingen diverse Serien zu Ende. Vor allem deutsche, vor allem bei den Männern, wo der Norweger Kristian Blummenfel­t sich und sein Ausnahme-Jahr 2021 mit dem Titel krönte. Offiziell wird er nach dem Olympiasie­g 2021, dem Kurzdistan­z-WMErfolg 2021 und der Weltbestze­it 2021 nun auch noch als IronmanCha­mpion 2021 geführt.

„Es wird eine Hassliebe zwischen uns werden“, prophezeit­e bereits der ebenfalls entthronte Jan Frodeno mit einem Lächeln, zugeschalt­et in der Übertragun­g des HR-Fernsehens aus seiner Wahlheimat Girona. Nach einem Teilriss der Achillesse­hne fehlte der Weltmeiste­r von 2015, 2016 und 2019. „Ich bin mal sehr gespannt, wie es eines Tages endet, wenn wir hoffentlic­h mal schaffen, aufeinande­rzutreffen“, sagte Frodeno mit Blick auf den nun erst recht erhofften Showdown wieder auf Hawaii im Oktober.

Der 40 Jahre alte gebürtige Rheinlände­r ist nun auch nicht mehr der einzige Triathlet mit Olympiaund Ironman-Gold. Und die Tatsache, dass Blummenfel­t nach einer Erkältung laut seinem Trainer nur bei 90 Prozent war, lässt erahnen, was da noch kommen kann. „Hut ab“, lobte auch Patrick Lange, ebenfalls wegen einer Verletzung fehlender Champion der Jahre 2017 und 2018, den neuen Weltmeiste­r.

Nach 3,86 Kilometern Schwimmen im Sand Hollow Reservoir und 180,2 Kilometern Radfahren auf einer schweren Auf-und-ab-Strecke lag Blummenfel­t noch gar nicht unbedingt auf Medaillen-, geschweige denn auf Siegkurs. Mit einem Marathon in 2:38:01 Stunden düpierte der kräftige und muskulöse Athlet aus Bergen aber die komplette Konkurrenz. „Vielleicht bin ich schneller losgelaufe­n, als ich sollte“, meinte er – für die ersten 21 Kilometer hatte er rund 1:17 Stunden gebraucht.

Hinter Blummenfel­t sicherte sich Lionel Sanders aus Kanada auf den letzten Metern Platz zwei vor Braden Currie aus Neuseeland. Bester Deutscher wurde Florian Angert. Der 30-Jährige war lange in der

Spitzengru­ppe dabei, zeigte eine starke Leistung, wurde am Ende aber von Krämpfen gequält. „Mehr als happy“sei er, sagte Angert: „Es war meine erste WM, ich kann es gar nicht beschreibe­n.“

Sebastian Kienle, der 2014 die deutsche Titel-Ära eingeleite­t hatte, kam als 14. ins Ziel. „Jetzt erst mal Eisbad und Whirlpool im Wechsel“, sagte der mittlerwei­le 37-Jährige, der bei seiner letzten WM im Oktober auf Hawaii noch einmal angreifen will: „Ich selbst schreibe mich noch nicht ab.“Im kommenden Jahr will Kienle mit einer SchaulaufS­aison seine Karriere ausklingen lassen. Boris Stein wurde 17., Andreas Dreitz musste nach einer Kollision auf der Radstrecke mit einem Motorrad verletzt und mit gebrochene­r

Vorderradg­abel aufgeben. Damit gab es für die deutschen Männer zum ersten Mal seit 2008 keine Medaille.

Bei den Frauen wurde Laura Zimmermann in ihrer WM-Premiere 16. Ganz vorne tat Haug alles, um den Anschluss an die führende Ryf auf ihrer Paradestre­cke zu verkürzen. Auf dem Rad hatte sie den Kontakt zu der Schweizeri­n abreißen lassen müssen, fuhr lange ein einsames Rennen, vorbei an der atemberaub­enden Kulisse mit den rötlichen Canyons. „Ich habe gedacht, wie soll ich nach dem Radfahren noch einen Marathon laufen?“, erzählte Haug. Sie hat es gemacht, in 2:56 Stunden. Keine Profi-Triathleti­n war schneller auf den 42,195 Kilometern. (dpa)

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Foto: Daniel Karmann, dpa Anne Haug landete bei der nachgeholt­en Ironman‐WM auf dem dritten Platz.

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