Neu-Ulmer Zeitung

Kunst, Kultur und Kommerz

- VON DAGMAR HUB UND OLIVER HELMSTÄDTE­R

Veranstalt­ungen Verkaufsof­fener Sonntag, Museumsfes­t und Kunsthandw­erkermarkt: In der Neu-Ulmer Innenstadt war am Wochenende viel geboten.

Neu‐Ulm So stellt sich wohl jeder Centermana­ger einen verkaufsof­fenen Sonntag vor: Der Regen plätschert und die Menschen suchen Schutz im Einkaufsze­ntrum. „Die Parkplätze waren schnell knapp“, sagt Torsten Keller. Vor den beiden Eisdielen bildeten sich Schlangen. Genauso wie vor einem Glücksrad, dessen Hauptpreis ganz offensicht­lich zieht: eine märchenhaf­te Kutschfahr­t mit fast echten Prinzessin­nen, gezogen von einem wahrhaft echten Pferd. „Wir sind sehr zufrieden. Die Frequenz ist toll“, sagt Keller.

Ganz anders im Starkfeld: Bei der Opti-Wohnwelt sind selbst um 15.30 Uhr, jener Zeit nach dem sonntäglic­hen Mittagesse­n, die normalerwe­ise die meisten Kunden zu derartigen Aktionen anzieht, selbst im Erdgeschos­s des Parkhauses mehr Parkplätze frei als belegt. Erwartet wurde offenbar anderes: Denn ein eigens engagierte­r Sicherheit­sdienst hat wirklich gar nichts zu tun. Das mag daran liegen, dass außer der „Welt des Wohnens“und den im Komplex liegenden Geschäften (Modepark Röther und BOC Räder) kaum ein Laden auf hat. Edeka etwa, hat geschlosse­n. Nur Baywa und Roller haben sonst im Starkfeld geöffnet, auch hier ist nicht viel los. Den Glacis-Galerie-Manager freut das nicht, denn er möchte, dass Neu-Ulm als Ganzes als Einkaufsst­adt mit solchen Aktionen an Profil gewinnt. „Für die Kunden ist es nicht so schön, wenn nicht alle mitziehen.“

Die Neu-Ulmer Citymanage­rin Ina-Katharina Barthold ist dennoch nicht unzufriede­n mit dem Wochenende: „Die Märkte waren sehr stark besucht. Wir sind zufrieden.“Unzufriede­n ist sie nur mit dem Wetter. „Das war sehr schwierig.“Gerade der heftige Regenschau­er am Sonntagnac­hmittag habe doch etliche Menschen vertrieben. Doch die Neu-Ulmer mögen ihre „Hocketen“auf dem Rathauspla­tz. Als gegen 16 Uhr wieder trockener wurde, füllte sich der Platz vor der Bühne schnell.

Clara, Greta und Benjamin haben gerade jene Menge Spaß in der Museumswer­kstatt im ersten Stock des Edwin-Scharff-Museums: Legt man sich selbst auf einen grauen Teppich mitten im Raum mit irgendwelc­hen entspreche­nd drapierten Gegenständ­en, nimmt eine Kamera das Motiv von oben auf, wechselt aber die Dimension, sodass die liegend gefilmte Szene zweidimens­ional aufrecht auf einem Bildschirm erscheint. „Von oben“war eines der Angebote des Museumsfes­ts, das am Wochenende nach zwei Jahren Coronapaus­e Groß und Klein ins Edwin-Scharff-Museum lockt.

Trocken blieb es immerhin am Samstag. Zeitgleich zum Kunsthandw­erkermarkt lud das Edwin Scharff Museum am Petrusplat­z zu seinem traditione­llen Museumsfes­t ein. „Wir bauen ein Einrad“, schlägt Greta vor, und eine Museumspäd­agogin hilft den Kindern, Teile so zu arrangiere­n, dass sie mit der über dem Arrangemen­t platzierte­n Kamera aufgenomme­n wie ein Einrad wirken, obwohl sie nur lose auf dem Boden liegen. Die eigentlich­e Kunst beginnt dann damit, Benjamin so auf dem grauen Teppich zu lagern, dass es auf dem Bildschirm aussieht, als würde er Einrad fahren, während er doch auf dem Boden liegt. Halt, Benjamins Kopf befindet sich nicht im Bereich der Kamera – also alles noch mal, sonst wirkt der Einradfahr­er kopflos! Als alles arrangiert ist, darf Opa Ernst Burmann den Bildschirm fotografie­ren, um den staunenswe­rten Spaß für seine Enkelkinde­r festzuhalt­en.

„Von oben“war eines der kreativen Angebote des Museumsfes­tes, daneben gab es unter anderem im Außenberei­ch die Möglichkei­t, schillernd­e Riesenseif­enblasen zu machen, inspiriert von der Kunst Jacoba van Heemskerck­s eigene Lyrik zu erdenken, mit Christine Söffing nach dem Klang von Farben zu suchen oder einfach nur der fröhlichen Musik der Band „Brekkies Inn“zu lauschen. Museumsche­fin Helga Gutbrod freute sich übers gute Wetter und die heitere Stimmung der Besucher – und darüber, dass beim Museumsfes­t auch Menschen hereinschn­uppern, die sonst vielleicht nicht kämen. Erwachsene ohne Kinder zum Beispiel hätten oft nicht den Mut, die Ausstellun­gen im Kindermuse­um anzuschaue­n, sagt sie.

Bunt ging es auch auf dem Petrusplat­z zu, wo zeitgleich am Wochenende der Kunsthandw­erkermarkt mit einer Vielfalt handgearbe­iteter Unikate (größtentei­ls aus der Region) Besucherin­nen und Besucher anlockte – wobei die Zahl der Besucherin­nen in der Überzahl gewesen sein dürfte, gab es doch viel Schmuck, Hüte und weitere textile Accessoire­s. Auch ganz ungewöhnli­ches Porzellan war zu sehen. Wenn übers Kaffeegede­ck Ameisen zu krabbeln scheinen, muss man schon genau hinsehen und über die Kunst schmunzeln, ehe man den ersten Bissen vom Kuchen isst! Marianne Wursts Textilatel­ier „Filz und Kunz“zeigte unter anderem ein schickes graues Kostüm mit Faltenrock für Mutige, war die dekorierte Bluse unterm Jäckchen doch transparen­t. Filzkunst kreiert auch Margit Röhm, deren niedliche Schaf-Körbe Ordnung schaffen und zum Lächeln und Streicheln einladen. Ganz anders Jürgen Heintz von der Staufener Glasbläser­ei. An diesem Stand fühlte man sich wie bei den Glaskünstl­ern von Murano.

 ?? ?? Nach zwei Jahren Pause lud die Stadt Neu‐Ulm am Samstag, 7., und Sonntag, 8. Mai, wieder zu ihrem traditione­llen Kunsthand‐ werkermark­t auf dem Petrusplat­z ein. Mehr als 80 Künstlerin­nen und Künstler hatten sich angemeldet.
Nach zwei Jahren Pause lud die Stadt Neu‐Ulm am Samstag, 7., und Sonntag, 8. Mai, wieder zu ihrem traditione­llen Kunsthand‐ werkermark­t auf dem Petrusplat­z ein. Mehr als 80 Künstlerin­nen und Künstler hatten sich angemeldet.
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Im Edwin‐Scharff‐Museum in Neu‐Ulm fand am Wochenende das Museumsfes­t statt.
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Fotos: Alexander Kaya (2), Dagmar Hub In die Glacis‐Galerie Neu‐Ulm lockten am Sonntag die „Dis‐ ney“‐Prinzessin­nen.

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