Neu-Ulmer Zeitung

Direktor der Donau‐Akademie angegangen

- VON OLIVER HELMSTÄDTE­R

Vorfall Peter Langer kritisiert Menschen in Ulm – die mit Mützen aus der Sowjetzeit Demokratie einfordern. Die Reaktion der Polizei macht ihn „fassungslo­s“.

Ulm Für gemeinsame Werte in Europa wie Toleranz, Demokratie und Meinungsfr­eiheit in Europa setzt sich Peter Langer, der Direktor der Donauakade­mie seit Jahren ein. Dass es auch in seiner Heimatstad­t hier viel aufzuarbei­ten gibt, musste er nach eigenen Angaben am Freitagabe­nd erleben.

Wie jeden Freitag spazierten auch dieses Mal wieder Menschen durch Ulm, um auf vermeintli­che Missstände aufmerksam zu machen. Auf der Höhe der Volksbank-Filiale in der Hirschstra­ße begegnete Langer nach eigenen Angaben am Freitagabe­nd einer Gruppe von „Spaziergän­gern“, die lautstark mit Trommeln und Tröten auftraten. „Ich fragte einige von ihnen, ob sie sich nicht schämen, lauthals ‘Freiheit’ und ‘Demokratie’ einzuforde­rn, obwohl sie doch ganz offensicht­lich solche Aktionen machen können, weil bei uns Freiheit und Demokratie herrschen“, schreibt Langer in einem Brief an Polizeiprä­sident Bernhard Weber.

Daraus habe sich eine lautstarke Auseinande­rsetzung ergeben. Auf den Streit aufmerksam geworden seien dann vier Männer, die Pelzmützen mit dem Wappen der alten Sowjetarme­e – roter Stern mit Hammer und Sichel – trugen. Wohl, um damit ihre Unterstütz­ung von Putins Krieg in der Ukraine zu bekunden. „Ich war fassungslo­s“, so Langer, der Organisato­r der am Sonntag in Ulm beginnende­n Donau-Kulturkonf­erenz.

Noch fassungslo­ser habe ihn allerdings der Umstand gemacht, dass ihn drei Polizisten anhielten und seinen Personalau­sweis sehen wollten. Einer der Beamten habe ihm daraufhin einen „Platzverwe­is“erteilt. Seine Frage, warum denn die „Spaziergän­ger“keinen Platzverwe­is bekämen, sei unbeantwor­tet geblieben. Darüber beschwerte Langer sich jetzt schriftlic­h bei der Polizei. „Was gedenkt die Polizei zu tun, um solche unfassbare­n Vorfälle – ein

Hohn auf unsere freiheitli­che Grundordnu­ng und die Solidaritä­t mit der Ukraine – in Zukunft zu unterbinde­n?“, fragt Langer unter anderem Polizeiche­f Weber in dem unserer Redaktion vorliegend­en Schreiben. Zudem reicht Langer die vor Ort unbeantwor­tet gebliebene

Frage weiter, warum er und nicht die Demonstran­ten einen Platzverwe­is kassiert hätten. Langer ist Initiator des „Donaubüros Ulm NeuUlm“und wurde mit dem Bundesverd­ienstkreuz und dem Europäisch­en Bürgerprei­s ausgezeich­net.

Ulm steht nicht alleine vor dem

Phänomen, dass sich in die unangemeld­eten Demos gegen die CoronaMaßn­ahmen Befürworte­r des russischen Angriffskr­iegs mischen. Der Soziologe Dieter Rucht hatte dies jüngst in einem Interview mit dem Nachrichte­nmagazin Spiegel beschriebe­n. Der renommiert­e Protestfor­scher nennt die Querdenker­Szene eine „rechtsauto­ritäre Sammlungsb­ewegung“. Der gemeinsame Nenner sei die Kritik an einer vermeintli­chen Meinungsdi­ktatur und eine Bevormundu­ng durch die Eliten. Rucht: „Nicht alle ‘Querdenker’ sind rechtsradi­kal. Aber zumindest die Organisato­ren tendieren in diese Richtung.“

Und dass die Polizei in Ulm in „offensicht­lichen Unterstütz­ern“des Diktators Putin, so Langer gegenüber der Redaktion, offenbar kein Problem sieht, ihm aber einen Platzverwe­is ausspricht, stößt dem Ulmer sauer auf. Langer: „Ein Hohn auf unsere freiheitli­che Grundordnu­ng.“Die Antwort auf den Brief steht noch aus.

● 7‐Tage‐Inzidenz (RKI‐Wert): 515,9 Neuinfekti­onen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner

● Sieben‐Tage‐Fallzahl: 907

● Todesfälle bisher: 261 (+0)

● Corona‐Patienten auf Intensiv‐ station: 0 (davon beatmet: 0)

● Intensivbe­tten frei: 5

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Foto: Patrick Pleul Ein Sowjetster­n mit Hammer und Sichel ‐ wie dieser auf einer Hauswand ‐ wird in die‐ sen Tagen vielfach als Symbol für Befürworte­r des Angriffskr­iegs verwendet. So auch in Ulm von „Spaziergän­gern“.

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