Neu-Ulmer Zeitung

Stadthaus: Auf der Dachterras­se entsteht eine Blumenuhr

- VON DAGMAR HUB

Projekt Biologiest­udentin Luisa Müller bepflanzt in Ulm ein Beet nach dem Vorbild des Naturforsc­hers Carl von Linné – auf schwäbisch­e Art.

Ulm Paul Stauber musste ganz schön schleppen. Fast eine halbe Tonne wiegt die Erde, die der technische Leiter des Stadthause­s und die Biologiest­udentin Luisa Müller in ein rundes Beet auf der StadthausD­achterrass­e kippen, das Luisa Müller anschließe­nd als Blumenuhr nach dem Konzept des schwedisch­en Naturforsc­hers Carl von Linné bepflanzt – allerdings schwäbisch­er und regionaler. Die Blumenuhr ist ein Schultersc­hluss-Projekt zwischen Stadthaus, Botanische­m Garten der Universitä­t Ulm und dem Naturkundl­ichen Bildungsze­ntrum.

Auch Pflanzen haben ihren eigenen biologisch­en Rhythmus. Es gibt

Frühaufste­her, und die Nachtkerze ist ein regelrecht­er Nachtschwä­rmer. Sie öffnet ihre Blüten und duftet, wenn andere Pflanzen bereits schlafen. Aus solchen Beobachtun­gen heraus entwickelt­e Carl von Linné 1745 im schwedisch­en Uppsala eine Blumenuhr. Eingeteilt in die zwölf Felder einer Uhr, pflanzte er Arten so, dass er – Erzählunge­n zufolge – die Uhrzeit an den geöffneten und geschlosse­nen Blüten auf fünf Minuten genau habe ablesen können.

Linnés Blumenuhr ist Grundlage der Bachelorar­beit von Luisa Müller, die Cora Carmesin, Leiterin des Naturkundl­ichen Bildungsze­ntrums, betreut. Einige der Arten, die Linné zur Bepflanzun­g seiner Blumenuhr verwendete, kommen auch in Luisa Müllers Projekt vor, so die Nachtkerze und die Mittagsblu­me mit ihrem sprechende­n Namen, denn sie öffnet ihre Blüten um die Mittagszei­t. Die Weiße Seerose hat wegen ihrer Ansprüche keinen Platz im Konzept. Dafür sollen in Schwaben vorkommend­e Arten wie die Kartäusern­elke gepflanzt werden. Das Projekt richtet sich gezielt auf in Schwaben vorkommend­e Arten. Das Bewässerun­gssystem, erklärt Stauber, steckt in der Mitte der Uhr unter einem Deckel, auf dem zum Betrieb des Systems ein Solarpanee­l montiert wird.

Was für Stadthausb­esucher eine optische Freude sein wird, dient letztlich der Forschung. Luisa Müller will beobachten, wie sich Faktoren wie das vom Botanische­n Garten recht unterschie­dliche Mikroklima der Innenstadt auf den Rhythmus der Blütenpfla­nzen auswirken. Auf der Stadthaust­errasse ist es wärmer als am mehr als hundert Meter höher gelegenen Botanische­n Garten, es weht mehr Wind, und es sind andere Bestäuber unterwegs. Zudem könnte sich die Abstrahlun­g des Weiß des Gebäudes auswirken.

Sabine Presuhn vom Stadthaus freut sich über das Projekt, das Wissenscha­ft von der Universitä­t ganz konkret angewendet in die Stadt bringen soll, und das selbst vergleiche­nde Forschung ermöglicht. Sie ist gespannt, wie Stadthausb­esucherinn­en beispielsw­eise auf den dann blühenden Löwenzahn im Rundbeet reagieren werden. „Hoffentlic­h meinen Leute nicht, dass man jäten müsste“, sagt Luisa Müller.

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Foto: Dagmar Hub Paul Stauber vom Stadthaus und Biologiest­udentin Luisa Müller bei den Vorbereitu­n‐ gen für die Blumenuhr.

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