Frau­en­ärz­tin soll Geld­stra­fe zah­len

Ur­teil zu Ab­trei­bungs­wer­bung be­stä­tigt / De­bat­te um Blut­tests für Schwan­ge­re

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - POLITIK - Trim, dpa, AFP

Vor Ge­richt schei­ter­te ei­ne Ärz­tin mit ih­rer Be­ru­fung ge­gen ein Ur­teil zum Ab­trei­bungs­pa­ra­gra­fen 219a. Doch aus der Po­li­tik er­hielt Kris­ti­na Hä­nel viel Zu­spruch. Gleich­zei­tig drän­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te auf ei­ne Dis­kus­si­on um Blut­tests für Schwan­ge­re.

BER­LIN/GIESSEN

Trotz ver­fas­sungs­recht­li­cher Be­den­ken und deut­li­cher Kri­tik an der Ge­setz­ge­bung hat das Land­ge­richt Gie­ßen die Ver­ur­tei­lung der Ärz­tin Kris­ti­na Hä­nel we­gen il­le­ga­ler Wer­bung für Ab­trei­bun­gen be­stä­tigt. Es ver­warf da­mit ih­re Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil des Amts­ge­richts der mit­tel­hes­si­schen Stadt. Die­ses hat­te Hä­nel zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt, weil sie auf ih­rer Home­page über Mög­lich­kei­ten des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs in­for­mier­te. Das ist in Deutsch­land bis­lang weit­ge­hend ver­bo­ten.

Da­mit folg­te das Land­ge­richt dem An­trag der Staats­an­walt­schaft. Kon­kret soll Hä­nel 40 Ta­ges­sät­ze Stra­fe zah­len, ins­ge­samt 6000 Eu­ro. Sie kün­dig­te je­doch be­reits

Re­vi­si­on zum Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main an.

Die Ver­tei­di­gung hat­te be­an­tragt, den Fall dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen. Die Norm sei „nicht ver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz“. Rich­ter Jo­han­nes Nink sag­te zu Hä­nel: „Sie müs­sen das Ur­teil tra­gen wie ei­nen Eh­ren­ti­tel in ei­nem Kampf

für ein bes­se­res Ge­setz.“Nach An­ga­ben von Me­di­zi­nern nut­zen mi­li­tan­te Ab­trei­bungs­geg­ner den Pa­ra­gra­fen im­mer wie­der zur Ein­schüch­te­rung von Frau­en­ärz­ten. Vor dem Land­ge­richt de­mons­trier­ten am Frei­tag et­wa 200 Un­ter­stüt­zer Hä­nels. Auch Jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley und Frau­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (bei­de SPD) for­der­ten ei­ne ge­setz­li­che Neu­re­ge­lung.

Ca­ri­tas-Prä­si­dent Pe­ter Ne­her sprach sich da­ge­gen ent­schie­den ge­gen die von der SPD ge­plan­te Än­de­rung des Pa­ra­gra­fen 219a aus. Der Prä­si­dent des Wohl­fahrts­ver­bands der ka­tho­li­schen Kir­che sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ich bin da­von über­zeugt, dass die­ser Pa­ra­graf ei­ner um­fas­sen­den In­for­ma­ti­on schwan­ge­rer Frau­en, die auch ich für nö­tig hal­te, nicht ent­ge­gen­steht.“Die Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung schlie­ße „auch die In­for­ma­ti­on mit ein, welche Ärz­tin­nen und Ärz­te Schwan­ger­schafts­ab­brü­che durch­füh­ren, denn Pa­ra­graf 219a nimmt dies aus­drück­lich von der Straf­dro­hung aus“. Da­mit be­ste­he auch Rechts­si­cher­heit für Ärz­te.

Die stell­ver­tre­ten­de AfDFrak­ti­ons­che­fin Bea­trix von Storch, ei­ne ent­schie­de­ne Ab­trei­bungs­geg­ne­rin, wähl­te noch stär­ke­re Wor­te und sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ab­trei­bung ist kein Men­schen­recht.“Nach der gel­ten­den Rechts­la­ge sei Ab­trei­bung rechts­wid­rig und nur un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen straf­frei. „Was rechts­wid­rig ist, darf nicht be­wor­ben werden.“Sie for­der­te statt­des­sen „ei­ne Will­kom­mens­kul­tur für Kin­der“.

Mehr als 100 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te for­dern zu­dem ei­ne Dis­kus­si­on über ethi­sche Fra­gen bei Blut­tests für Schwan­ge­re auf ein mög­li­ches Downsyn­drom des Kin­des.

Ab­trei­bun­gen und

Blut­tests: mehr zur De­bat­te auf noz.de/po­li­tik

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