La­bu­de be­nann­te ei­nen schwer­fäl­li­gen Men­schen

Ein­ge­deutscht aus ei­nem süd­pol­nisch-schle­si­schen Fa­mi­li­en­na­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - OSNABRÜCK - Von Win­fried Breid­bach

OS­NA­BRÜCK. Wort­spie­le­rei­en mit sei­nem Fa­mi­li­en­na­men wie „La Bu­de“, „La Vil­la“, „La Ba­ra­cke“kennt un­ser Le­ser Joa­chim La­bu­de aus Os­na­brück zur Ge­nü­ge. Die wirk­li­che Be­deu­tung des Na­mens, des­sen ur­sprüng­li­che Form „La Buy“ge­we­sen sein soll, konn­te er bis­her aber nicht er­mit­teln. In sei­ner Fa­mi­lie ver­mu­tet man eben­so wie in der Fa­mi­lie von Chris­ti­an La­bu­de aus Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te, dass die Vorfahren Hu­ge­not­ten wa­ren, die nach Schle­si­en flüch­te­ten und 1945 von dort er­neut ver­trie­ben wur­den.

Der Nach­na­me La­bu­de wird in Deutsch­land von knapp 500 Per­so­nen ge­tra­gen, die ge­streut in vie­len Re­gio­nen an­säs­sig sind. Ein sol­cher na­men­geo­gra­fi­scher Be­fund ist ty­pisch für Fa­mi­li­en­na­men, die aus Ge­bie­ten au­ßer­halb der heu­ti­gen Gren­zen Deutsch­lands stam­men. Ganz ähn­lich ist die Ver­tei­lung der ähn­li­chen Na­men La­bud­de (270 Na­mens­trä­ger), La­bu­da (240 Per­so­nen) und La­bud­da (700 Per­so­nen), die zwei­fel­los mit La­bu­de zu­sam­men­hän­gen.

Ein Fa­mi­li­en­na­me La Buy ist heu­te in Frankreich und in den fran­zö­sisch­spra­chi­gen Tei­len Bel­gi­ens und der Schweiz nicht nach­zu­wei­sen. Gleich­wohl wird es ihn frü­her ge­ge­ben ha­ben, da er sich heu­te in den Ein­wan­der­er­län­dern USA und Ka­na­da in den Schrei­bun­gen La Buy und La­buy fin­det. La Buy ist ein Wohn­stät­ten­na­me, der sich auf den Wohn­sitz an ei­nem Müh­len­gra­ben be­zieht (fran­zö­sisch buy ist mund­art­li­che Va­ri­an­te des heu­te un­ge­bräuch­li­chen Wor­tes bié „Müh­len­gra­ben“).

Ei­ne re­gu­lä­re Um­ge­stal­tung von La Buy/La­buy zu La­bu­de kann aus­ge­schlos­sen wer­den, mit ei­ner will­kür­li­chen Abän­de­rung ei­nes Na­mens ist aber na­tür­lich im­mer zu rech­nen. Die Wahr­schein­lich­keit, dass La­bu­de und die ähn­li­chen Fa­mi­li­en­na­men auf die­sem We­ge ent­stan­den, ist al­ler­dings als äu­ßerst ge­ring ein­zu­schät­zen, ins­be­son­de­re we­gen der Her­kunft aus Schle­si­en, wo­her auch die äl­tes­ten ver­füg­ba­ren Be­le­ge stam­men (zum Bei­spiel „Adam La­bu­de“, 1673 in Las­sis­ken/Nie­der­schle­si­en).

Im heu­ti­gen Po­len gibt es die Na­mens­for­men La­bu­de und La­bud­de nicht mehr, wohl aber La­bu­da (3500 Per­so­nen), La­bud­da (1030) und Ła­bu­da (1900). La­bu­da und La­bud­da sind im Nor­den Po­lens ver­brei­tet, Ła­bu­da im Sü­den (Schle­si­en, Klein­po­len, Kar­pa­ten). La­bu­de und La­bud­de sind aus die­sen häu­fi­gen pol­ni­schen Na­men ein­ge­deutscht.

Der schle­sisch-klein­pol­ni­sche Na­me Ła­bu­da be­zeich­ne­te ei­nen „schwer­fäl­li­gen“, al­so wahr­schein­lich ei­nen kor­pu­len­ten Men­schen. Beim nord­pol­nisch-ka­schu­bi­schen Na­men La­bud(d)a han­delt es sich ent­we­der um ei­ne Aus­spra­che­va­ri­an­te von Ła­bu­da oder um ei­ne ei­gen­stän­di­ge Bil­dung, die ver­mut­lich „Mü­ßig­gän­ger, Her­um­trei­ber“be­deu­te­te.

Was sagt uns der Fa­mi­li­en­na­me?

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