Ge­org Lech­ner Der Mann, der im Mu­se­um lebt

His­to­ri­sche Hof­stel­le der Fa­mi­lie Grot­haus in Bark­hau­sen be­her­bergt dank auf­wen­di­ger Sa­nie­rungs­ar­bei­ten jetzt Mu­se­um

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - VORDERSEITE - Von Ka­rin Kem­per

Das Ge­bäu­de an der Stie­ge­stra­ße 1 in Bad Es­sen Bark­hau­sen hat ei­ne lan­ge Ge­schich­te. Sie lässt sich bis in das Jahr 1588 zu­rück­ver­fol­gen. Ver­schie­de­ne Um­bau­ten und Er­wei­te­run­gen im Lau­fe der lan­gen Zeit mün­den jetzt in ei­ne auf­wen­di­ge Re­no­vie­rung. Das Er­geb­nis: ein Mu­se­um rund um Fe­der­ker­ne und ein Gäste­haus der Fir­ma Agro.

BARK­HAU­SEN Was sich ak­tu­ell als Schmuck­stück ein­schließ­lich Gar­ten­an­la­ge im Stil des Bau­ern­gar­tens prä­sen­tiert, er­for­der­te um­fang­rei­che Pla­nun­gen, Ar­bei­ten und In­ves­ti­tio­nen. Vor rund vier Jah­ren wur­de der An­fang ge­macht. Die Fir­ma Agro, die im Be­sitz der Fa­mi­lie Grot­haus ist, über­nahm die his­to­ri­sche Hof­stel­le der Fa­mi­lie. Es soll­te et­was mit den bau­fäl­li­gen Ge­bäu­den ge­sche­hen.

Dop­pel­te Funk­ti­on

Zu­stän­dig für die Or­ga­ni­sa­ti­on: Jan Wa­gner, Ge­schäfts­füh­rer bei Agro. Aber es soll­te nicht „ein­fach“re­no­viert wer­den. Das Ge­bäu­de der Fa­mi­lie Grot­haus soll­te ein Mu­se­um be­her­ber­gen, das über die Viel­falt, Ge­schich­te und Ent­wick­lung der Fe­der­ker­ne, die die Ge­schäfts­grund­la­ge der Fir­ma Agro bil­den, in­for­miert. Da­für wie­der­um ist Ve­re­na Dim­per, bei Agro für das

Mar­ke­ting ver­ant­wort­lich, zu­stän­dig.

Beim Be­trach­ten des En­sem­bles ist kaum noch vor­stell­bar, wie der Zu­stand der Ge­bäu­de bei Bau­be­ginn war. Wa­gner: „Ich hat­te Be­den­ken, in das Ne­ben­ge­bäu­de zu ge­hen, be­vor es ab­ge­stützt war.“Mit gu­tem Grund. Tei­le des Hau­ses la­gen in Er­de, Bal­ken wa­ren weg­ge­gam­melt, es gab ei­ne deut­li­che Nei­gung.

Und ei­gent­lich war man­ches an­ders vor­ge­se­hen, als es sich nun­mehr dar­stellt. Die Er­klä­rung: Als die ers­ten Bau­plä­ne ein­ge­reicht wur­den, wur­de das Ge­bäu­de un­ter Denk­mal­schutz ge­stellt. Das er­for­der­te Än­de­run­gen, vie­les muss­te neu ge­dacht wer­den, so der Ge­schäfts­füh­rer. Stän­dig galt: Bret­ter, die zu ret­ten sind, wer­den er­hal­ten. Res­te die­nen un­ter an­de­rem als Fens­ter­bän­ke.

Ener­gie­stan­dards er­füllt

Die Denk­mal­pfle­ge ließ letzt­lich nicht zu, dass im Ober­ge­schoss des Haupt­hau­ses Woh­nun­gen ent­stan­den. So kam das zwei­te Ge­bäu­de, die Re­mi­se von 1856, ins Spiel, die nur von au­ßen denk­mal­ge­schützt ist. Wa­gner: „Das Stän­der­werk wur­de er­tüch­tigt, die ka­put­ten

Ge­fa­che her­aus­ge­löst, wie­der ge­füllt, ver­putzt, mit Däm­mung ver­se­hen . . . Den Ab­schluss bil­den ei­ne Lehm­schicht und Far­be.“So sind in der his­to­ri­schen Re­mi­se nun­mehr so­gar die ge­for­der­ten Ener­gie­stan­dards mo­der­ner Ge­bäu­de er­füllt.

Apro­pos Ener­gie: Ein­ge­setzt wird Erd­wär­me (mit rund 600 Me­tern lau­fen­der Boh­rung) mit ei­ner Gas­zu­satz­hei­zung. Ve­re­na Dim­per ver­weist dar­auf, dass die

Tech­nik weit­ge­hend „ver­steckt“ist . Sie er­gänzt: „Es war ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit der Fa­mi­lie Grot­haus, dass der Fa­mi­li­en­sitz er­hal­ten bleibt.“

Feh­len­de Bal­ken wur­den im In­nern durch sol­che er­setzt, die aus­se­hen, als ob sie im­mer schon dort ge­we­sen wä­ren. Bei ei­ner Füh­rung heißt es: „In die­sem Haus gibt es ge­fühlt kei­nen rech­ten Win­kel.“Das er­leich­ter­te die Ar­beit der Hand­wer­ker

nicht ge­ra­de. Kön­nen und Hand­ar­beit wa­ren ge­fragt.

Pro­be­lie­gen mög­lich

Die Re­mi­se ent­hält heu­te ne­ben Kü­che und Wohn­zim­mer fünf Schlaf­zim­mer mit in­di­vi­du­el­len Ba­de­zim­mern. Und je­des der Bet­ten ist mit ei­ner an­de­ren Ma­trat­ze aus­ge­stat­tet – so­zu­sa­gen zum Pro­be­lie­gen.

Das wie­der­um ist auch Be­stand­teil des Mu­se­ums, wo zu­dem die Ex­pe­ri­men­tier­freu­de der Be­su­cher ge­fragt ist. Ex­pe­ri­men­te ge­hen der Fra­ge nach: Wel­cher Fe­der­typ be­wegt sich un­ter Druck wie? Nicht min­der wich­tig: Wie ist die Luft­durch­läs­sig­keit der Pro­duk­te? Ins­ge­samt gilt: Im Mu­se­um wer­den Funk­ti­on und Ent­wick­lung der Fe­der­ker­ne er­klärt. Dim­per: „Nur wer sich mit dem The­ma Ma­trat­ze be­fasst, kann ein für ihn ge­eig­ne­tes Pro­dukt fin­den.“

Jan Wa­gner sagt: „Je­der kann sich das Mu­se­um selbst mit­hil­fe ei­nes iPads er­schlie­ßen.“Ve­re­na Dim­per er­gänzt:

„An den Ma­schi­nen be­fin­den sich QR-Co­des, die ak­ti­viert wer­den kön­nen und dann die Ar­beits­vor­gän­ge in Be­we­gung zei­gen – oh­ne Ri­si­ko für Be­su­cher.“„Ei­nes der Vi­de­os ent­stand in ei­nem Be­trieb, wo heu­te noch per Hand ge­ar­bei­tet wird.“An­de­re Ma­schi­nen wech­sel­ten qua­si di­rekt aus der Werks­hal­le in Witt­la­ge nach Bark­hau­sen. Da­bei wie­der­um spiel­te das Ge­wicht ei­ne Rol­le. Bo­den und (ab­schüs­si­ge) Zu­we­gung muss­ten trag­fä­hig sein . . .

Bei der Fahn­dung nach den rich­ti­gen Ma­te­ria­li­en für das denk­mal­ge­schütz­te Ge­bäu­de stand im­mer wie­der die Fra­ge im Vor­der­grund: „Was passt, sieht gut aus, ist be­son­ders und si­cher?“

Krea­ti­ve Lö­sung

Üb­ri­gens: Im Ober­ge­schoss des Haupt­ge­bäu­des be­fin­det sich ein Be­spre­chungs­raum in­klu­si­ve ak­tu­el­ler Prä­sen­ta­ti­ons­me­di­en. Und selbst­ver­ständ­lich wur­den Stüh­le mit Fe­der­kern­pols­te­rung ge­fun­den. Ei­ne be­son­ders krea­ti­ve Lö­sung wur­de für den Gie­bel

ge­fun­den – er ist gleich­zei­tig ge­schlos­sen (wie es der Denk­mal­schutz for­dert) und of­fen, wie es der Wunsch nach Ta­ges­licht braucht. Mög­lich ist bei­des dank be­weg­li­cher La­mel­len.

Das Fe­der­kern-Mu­se­um kann und soll be­sucht wer­den – nach An­mel­dung und Ab­spra­che un­ter Te­le­fon 0 54 72/94 20-0.

Auf lan­ge Sicht könn­te sich Ve­re­na Dim­per auch eh­ren­amt­li­che Füh­rer vor­stel­len, die Grup­pen und Schul­klas­sen be­glei­ten.

Fo­tos: Ka­rin Kem­per

Aus dem Jahr 1819 stammt die In­schrift am Diel­en­tor des Fa­mi­li­en­sit­zes des heu­ti­gen Mu­se­ums an der Stie­ge­stra­ße in Bark­hau­sen. Tei­le des Ge­bäu­des ge­hen bis auf das Jahr 1588 zu­rück.

Genau an der Stel­le, an der der QR-Co­de an der Ma­schi­ne ein­ge­le­sen wird, zeigt das iPad die je­wei­li­gen Be­we­gungs­ab­läu­fe und Funk­tio­nen der Ma­schi­ne – als Vi­deo.

So sieht das En­sem­ble mit Agro-Mu­se­um und Gäste­haus von der Gar­ten­sei­te aus. Im Bild: Ve­re­na Dim­per und Jan Wa­gner.

Je­de Men­ge In­ge­nieurs­kunst zu pro­du­zie­ren. ist er­for­der­lich, um Fe­der­ker­ne

Durch ei­ne be­son­de­re Kon­struk­ti­on im Dach und ei­nen Licht­schacht ge­langt Ta­ges­licht in die Mu­se­ums­die­le.

Der his­to­ri­sche Ori­gi­nal­fuß­bo­den (rechts) wird durch ähn­li­che Flie­sen er­gänzt – ab­ge­trennt durch ein Flie­sen­band.

His­to­ri­sche Bal­ken und mo­der­ne Be­stand­tei­le ge­hö­ren zum Gäste­haus.

Fe­der­ker­ne bil­den bei Agro die Ge­schäfts­grund­la­ge.

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