Sau­di­sche Kil­ler bei Mord be­lauscht?

Fall Khas­hog­gi: Tür­kei hör­te an­geb­lich Kon­su­lat ab / Ri­ad be­strei­tet Vor­wür­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - POLITIK - Von Tho­mas Sei­bert

Neue Wen­dung im Fall Ja­mal Khas­hog­gi: Tür­ki­sche Si­cher­heits­be­hör­den wol­len bei ei­ner Ab­hör­ak­ti­on im Kon­su­lat von Sau­diA­ra­bi­en in Istan­bul ein­deu­ti­ge Be­wei­se für den mut­maß­li­chen Mord an dem re­gie­rungs­kri­ti­schen sau­di­schen Jour­na­lis­ten ge­sam­melt ha­ben.

ISTAN­BUL Nach An­ga­ben aus Er­mitt­ler­krei­sen ge­be es Ton- und Vi­deo­auf­nah­men der ent­schei­den­den St­un­den nach Khas­hog­gis Ver­schwin­den vo­ri­ge Wo­che, be­rich­te­ten die „Wa­shing­ton Post“und die „New York Ti­mes“über­ein­stim­mend. Sau­di-Ara­bi­en weist al­le Vor­wür­fe als halt­los zu­rück und spricht von ei­ner Kam­pa­gne ge­gen das Kö­nig­reich.

Tür­ki­sche Er­mitt­ler ha­ben seit Khas­hog­gis Ver­schwin­den am 2. Ok­to­ber mehr­fach von ein­deu­ti­gen Be­wei­sen für ein Ver­bre­chen ge­spro­chen. Auf Ton­auf­nah­men aus dem Kon­su­lat sind den Be­rich­ten zu­fol­ge die Stim­men von Khas­hog­gi und an­de­rer Ara­bisch spre­chen­der Män­ner so­wie Schlä­ge zu hö­ren.

Spur­los ver­schwun­den

Bis ges­tern gal­ten die Auf­nah­men tür­ki­scher Über­wa­chungs­ka­me­ras als die letz­ten Le­bens­zei­chen Khas­hog­gis. Dar­auf ist zu se­hen, wie der 59-Jäh­ri­ge durch den Haupt­ein­gang ins sau­di­sche Kon­su­lat, ei­ne zwei­stö­cki­ge Vil­la im Istan­bu­ler Ge­schäfts­vier­tel Levent, geht. Seit­dem fehlt von ihm je­de Spur.

Die tür­ki­sche Po­li­zei ist si­cher, dass Khas­hog­gi von ei­nem Kil­ler­kom­man­do aus Sau­di-Ara­bi­en ge­tö­tet wor­den ist – was die sau­di­sche Re­gie­rung be­strei­tet. Fest steht, dass ein 15 Mann star­kes Team aus Ri­ad am Tag von Khas­hog­gis Ver­schwin­den in Istan­bul ein­traf und das Land am sel­ben Abend wie­der ver­ließ. Un­ter den Män­nern wa­ren laut tür­ki­schen Pres­se­be­rich­ten zwei Leib­wäch­ter des Thron­fol­gers Mo­ham­med bin Sal­man so­wie ein füh­ren­der Fo­ren­si­ker des Lan­des. Mög­li­cher­wei­se sei Khas­hog­gis Lei­che mit ei­ner ei­gens mit­ge­brach­ten Kno­chen­sä­ge zer­teilt und im di­plo­ma­ti­schen Ge­päck nach Sau­di-Ara­bi­en ge­bracht wor­den, spe­ku­lie­ren die Zei­tun­gen.

Tröpf­chen­wei­se drin­gen die Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se der tür­ki­schen Po­li­zei seit Ta­gen an die Öf­fent­lich­keit. Bil­der des an­geb­li­chen Kil­ler­teams ge­hö­ren eben­so da­zu wie die Fahrt­rou­ten der Män­ner in Istan­bul. Selbst das Ab­was­ser aus dem Kon­su­lat wer­de auf Blut­spu­ren hin un­ter­sucht. Bru­tal wie im Thril­ler „Pulp Fic­tion“sei es bei dem Mord zu­ge­gan­gen, lässt sich ein Er­mitt­ler zi­tie­ren.

Er­do­gan zu­rück­hal­tend

Die jetzt be­kannt ge­wor­de­nen Ab­hör-Er­geb­nis­se könn­ten hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren auch der US-Re­gie­rung vor­ge­legt wor­den sein. Trotz der Er­kennt­nis­se äu­ßer­te sich Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan aber bis­her be­tont zu­rück­hal­tend. Die Tür­kei wol­le of­fen­bar nicht selbst den Be­weis da­für lie­fern, dass sie aus­län­di­sche Ver­tre­tun­gen ab­hö­re oder In­for­man­ten dort ein­schleu­se, mel­de­te die „Wa­shing­ton Post“.

Of­fi­zi­ell ist die Tür­kei be­reit, zu­sam­men mit Sau­diA­ra­bi­en zu er­mit­teln. Ei­ne De­le­ga­ti­on aus Ri­ad traf da­für ges­tern in An­ka­ra ein. Die tür­ki­sche Po­li­zei treibt aber auch ih­re ei­ge­nen Mor­der­mitt­lun­gen vor­an. Der Zei­tung „Ye­ni Safak“zu­fol­ge wol­len die Fahn­der in den kom­men­den Ta­gen auf dem Ge­län­de der Re­si­denz des sau­di­schen Kon­suls in Istan­bul nach Khas­hog­gis Lei­che su­chen.

In Sau­di-Ara­bi­en wer­den die Vor­wür­fe als „schwar­ze Pro­pa­gan­da“ab­ge­tan. Die Tür­kei ist ein en­ger Part­ner des Emi­rats Ka­tar, das mit Sau­di-Ara­bi­en im Streit liegt. Aber auch in­ter­na­tio­na­le Me­di­en hät­ten sich die­ser Kam­pa­gne an­ge­schlos­sen, wird in Ri­ad be­klagt. Die sau­di­sche Re­gie­rung be­tont, Khas­hog­gi ha­be das Kon­su­lat le­bend ver­las­sen. Be­wei­se da­für gibt es bis­her aber nicht.

Fo­to: AFP/Jim Wat­son

Für ihn ist der Fall klar: ein De­mons­trant mit der Mas­ke des sau­di­schen Kron­prin­zen und blu­ti­gen Hän­den vor der Bot­schaft des Kö­nig­reichs in Wa­shing­ton.

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