Frü­he Le­se, ho­he Sü­ße

Viel­ver­spre­chen­de Ern­te am Wein­berg zwi­schen Borg­loh und Hol­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - REGION - Von Gre­ta Len­zing

Der Ein­druck, dass das Jahr 2018 ein ganz be­son­de­res für den Wein war, ma­ni­fes­tiert sich. Rolf Kai­ser konn­te am 22. Sep­tem­ber mit der Ern­te sei­ner 250 Ries­ling-Ge­wäch­se am Hol­ter Berg be­gin­nen, und die bis­he­ri­gen Er­geb­nis­se las­sen das Herz des Wein­ken­ners hö­her schla­gen.

HIL­TER In Rolf Kai­sers Wein­hand­lung an der Lot­ter Stra­ße geht es be­schau­lich zu. Viel Holz, kein Schnick­schnack. Das lässt die vie­len Wein­fla­schen be­son­ders gut zur Gel­tung kom­men. Kai­sers Fas­zi­na­ti­on für Wein reicht vom Bo­den, in dem sei­ne Ries­lin­ge am Hol­ter Berg ste­hen, über die Trau­be bis hin zur Far­be des al­ko­ho­li­schen, nach Mög­lich­keit ge­kühl­ten Trop­fens.

1992 pflanz­te Kai­ser am Hol­ter Berg sei­ne „Ries­lin­ge“an. 1997 konn­te er den ers­ten Er­trag ver­mel­den. 1999 zog er den ers­ten Wein auf Fla­schen. Seit­dem ver­bes­sert er ste­tig den Pro­zess der Wein­her­stel­lung. Be­son­ders wich­tig ist ihm, dass er nach wie vor sei­nen Wein nicht mit che­mi­schen Mit­teln sprit­ze, und das, ob­wohl Ries­lin­ge be­son­ders an­spruchs­vol­le Zeit­ge­nos­sen sei­en. Kai­sers Pflan­zen kam die Tro­cken­heit des Som­mers so­gar zu­gu­te: Mehl­tauspo­ren, das „Kar­di­nal­pro­blem des Wein­bau­ers“, sei­en durch die Tro­cken­heit na­tür­lich ein­ge­dämmt wor­den.

So kommt es, dass Kai­ser be­reits am 22. Sep­tem­ber ins­ge­samt 300 Ki­lo­gramm Trau­ben­gut ern­ten konn­te. Da­von sind 90 Pro­zent wei­ter­ver­wend­bar. Das ent­spricht 170 Li­tern Most. Zum Ver­gleich: Im Jahr 2017 wur­den nur 10 Pro­zent wei­ter­ver­ar­bei­tet. Der Blick auf das Re­frak­tor­me­ter, das die Oechs­le­gra­de der Trau­ben misst, zeigt 90 Grad Oechs­le an. „Das ist genau wie das frü­he Ern­te­da­tum ab­so­lu­te Spit­ze“, er­klärt Kai­ser stolz.

Oechs­le­gra­de zei­gen den Zu­cker­ge­halt in der Frucht an. Im Lau­fe des Gä­rungs­pro­zes­ses ver­wan­delt sich die­ser dann in Al­ko­hol. Kai­ser rech­net dem­ent­spre­chend mit ei­nem ho­hen Al­ko­hol­ge­halt von rund zwölf Pro­zent für den 2018er Jahr­gang. Da­mit der Wein aber schmeckt wie ein gu­ter Ries­ling, „fein, ele­gant und leicht“, müs­sen laut Kai­ser noch an­de­re Pa­ra­me­ter stim­men. Es gilt die rich­ti­ge Ba­lan­ce aus Frucht, Säu­re und Mi­ne­ra­li­tät zu fin­den.

Hof­fen auf Säu­re

Da Al­ko­hol auf der Zun­ge sü­ßend wirkt, hofft Kai­ser, dass sein Wein gleich­zei­tig noch hin­rei­chend Säu­re ent­wi­ckelt, da­mit ei­ne in­ter­es­san­te Kom­ple­xi­tät ent­steht. Da­mit der Wein nicht zu süß und da­durch mög­li­cher­wei­se plump wird, kann man die Gä­rung im Stahl­tank an ei­nem ge­wis­sen Punkt durch ei­ne ge­ziel­te Küh­lung auf­hal­ten. Op­ti­mal sei­en 4 Gramm Zu­cker, er­klärt Kai­ser. Er bringt sein Trau­ben­gut im­mer zu ei­nem be­freun­de­ten Win­zer an der Mo­sel, der dann durch sei­ne Er­fah­rung das Bes­te aus der Ern­te her­aus­zu­ho­len ver­sucht. Da­zu ge­hö­ren auch re­gel­mä­ßi­ge Ana­ly­sen, die dem Wein­händ­ler dann zu­ge­sandt wer­den. En­de No­vem­ber rech­net Kai­ser mit wei­te­ren Er­kennt­nis­sen zu dem Wein aus die­sem au­ßer­ge­wöhn­li­chen Jahr.

Fo­to: Ar­chiv/Micha­el Grün­del

Rolf Kai­ser hat in die­sem Jahr früh und reich­lich ge­ern­tet.

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