Em­pö­rung über Wal-Schlach­tung

Tier­schüt­zer spre­chen von ers­tem Fang seit 40 Jah­ren / Kü­n­ast: Bun­des­re­gie­rung muss ak­tiv wer­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

OS­NA­BRÜCK Der Fall ei­nes in Is­land ge­tö­te­ten mut­maß­li­chen Blau­wals sorgt in­ter­na­tio­nal für Auf­re­gung. Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Re­na­te Kü­n­ast for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, von Is­land ei­ne Er­klä­rung zu ver­lan­gen. Der WWF kri­ti­siert den Wal­fang grund­sätz­lich.

Der Blau­wal ist streng ge­schützt, die Jagd auf den sel­te­nen Mee­res­säu­ger seit Jahr­zehn­ten ver­bo­ten. Nun hat die An­ti-Wal­fang-Or­ga­ni­sa­ti­on „Sea She­pherd“Un­ge­heu­er­li­ches do­ku­men­tiert: die Schlach­tung ei­nes Blau­wals. Ein Fall, bei dem vie­le Fra­gen of­fen sind.

OS­NA­BRÜCK Ma­jes­tä­tisch ist das Wort, das ei­nem durch den Kopf schießt, wenn man in Tier­do­ku­men­ta­tio­nen ei­nen Blau­wal durch das Was­ser glei­ten sieht. Mäch­ti­ge 30 Me­ter lang wer­den die­se Rie­sen, es sind die größ­ten Tie­re der Welt. Und es sind Säu­ge­tie­re, de­nen man In­tel­li­genz un­ter­stellt und die auf Men­schen ei­ne ei­gen­tüm­li­che Fas­zi­na­ti­on aus­üben. Auf For­scher, Tou­ris­ten, Tier­schüt­zer – und auf Wal­fän­ger, zum Bei­spiel in Is­land. Dort wur­de of­fen­bar ei­ner die­ser Mee­res­gi­gan­ten ge­jagt und an­schlie­ßend an Land zer­teilt. In­ha­ber des Wal­fang-Schiffs ist der is­län­di­sche Un­ter­neh­mer Kris­t­ján Lofts­son, der laut Me­dien­be­rich­ten als „welt­weit meist­ge­hass­ter Is­län­der“gilt. Denn Lofts­son jagt Wa­le. Doch war die­ser Wal wirk­lich ein Blau­wal?

Do­ku­men­tiert hat­ten den Fang und die Schlach­tung des Mee­res­säu­gers Ak­ti­vis­ten von Sea She­pherd, ei­ne in­ter­na­tio­nal agie­ren­de An­ti-Wal­fang-Or­ga­ni­sa­ti­on. Es sei die ers­te Schlach­tung ei­nes Blau­wa­les seit 40 Jah­ren, teil­te Sea She­pherd mit. In der Iden­ti­fi­zie­rung von Wa­len er­fah­re­ne Ex­per­ten hät­ten be­stä­tigt, dass es sich ein­deu­tig um ei­nen Blau­wal han­de­le.

Der Blau­wal ist streng ge­schützt, seit 1986 steht er auf der Ver­bots­lis­te der In­ter­na­tio­na­len Wal­fang­kom­mis­si­on. Auch Wal­fang-Un­ter­neh­mer Lofts­son mel­de­te sich zu Wort – mit dem über­ra­schen­den Hin­weis, es han­de­le sich um ei­nen Hy­bri­den aus Blau­und Finn­wal. Ein Gen-Test soll Klar­heit schaf­fen.

Hy­bri­de oder nicht Hy­bri­de – recht­lich ge­se­hen macht

das ei­nen gro­ßen Un­ter­schied. Ro­land Gram­ling, Spre­cher Ar­ten­schutz beim Word Wild­life Fund (WWF), er­klärt: „Soll­te es tat­säch­lich ein Blau­wal sein, wä­re der Fang so­gar in Is­land il­le­gal. Der Fang ei­nes Hy­bri­den von Blau- und Finn­wal wä­re hin­ge­gen nach is­län­di­schem Recht le­gal.“In­ter­na­tio­nal dürf­ten Blau­wa­le oh­ne­hin nicht ge­han­delt wer­den, so Gram­ling wei­ter, auch für Finn­wa­le gel­te ein in­ter­na­tio­na­les

Han­dels­ver­bot. „Al­ler­dings kön­nen Staa­ten Vor­be­hal­te an­mel­den und da­mit das Ver­bot um­ge­hen. Für den Finn­wal ha­ben Ja­pan und Is­land Vor­be­hal­te an­ge­mel­det“, so der WWF-Ex­per­te.

Be­reits in der Ver­gan­gen­heit hat­te man ver­mu­tet, dass Wal­fang-Un­ter­neh­men in Is­land Finn­wal­fleisch mit Blau­wal­fleisch mi­schen und nach Ja­pan ver­kau­fen könn­ten, auch Sea She­pherd stellt das so dar. Soll­te dem so sein,

wä­re der Nach­weis min­des­tens schwie­rig, wenn nicht gar un­mög­lich.

So oder so lässt der ak­tu­el­le Fall Kri­tik an der Wal­fang­pra­xis von Is­land und Ja­pan ins­ge­samt wie­der auf­flam­men: „Das ist bar­ba­risch und über­flüs­sig. Is­land fängt un­ter Ar­ten­schutz ste­hen­de, be­droh­te Wa­le und ver­kauft das Fleisch an Ja­pan, weil der dor­ti­ge Markt an­geb­lich da­nach ver­langt. Tat­säch­lich ver­gam­meln in Ja­pan Ber­ge von Wal­fleisch, weil die Nach­fra­ge im­mer wei­ter sinkt“, sagt Gram­ling in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

Re­na­te Kü­n­ast, Spre­che­rin für Er­näh­rungs- und Tier­schutz­po­li­tik der Bun­des­tags­frak­ti­on von Bünd­nis 90/Die Grü­nen, for­dert von der Bun­des­re­gie­rung, in die­sem Fall ak­tiv zu wer­den: „Ich for­de­re die Bun­des­re­gie­rung auf, von Is­land ei­ne Er­klä­rung ein­zu­for­dern. Soll­te tat­säch­lich ein Blau­wal ge­tö­tet wor­den sein, dann wä­re das wohl der ers­te Fall seit 40 Jah­ren“, sag­te Kü­n­ast in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Blau­wa­le ge­nie­ßen zu Recht stren­gen Schutz“, sag­te Kü­n­ast wei­ter, „ihr Er­halt ist nicht si­cher.“Au­ßer­dem müs­se die Bun­des­re­gie­rung ih­ren in­ter­na­tio­na­len Ein­fluss da­zu nut­zen, den Wal­fang – so­weit er noch prak­ti­ziert wer­de – zu stop­pen, sag­te Kü­n­ast.

Mehr Be­rich­te zum Streit­the­ma Wal­fang auf noz.de/ver­misch­tes

Fo­to: Sea She­pherd/Ei­lidh Wat­son

Blu­ti­ges Ge­schäft: Wird hier ein streng ge­schütz­ter Blau­wal zer­teilt? Ak­ti­vis­ten von Sea She­pherd sind da­von über­zeugt.

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