Wei­ter Streit um Lan­d­arzt-Quo­te

Mi­nis­ter Thüm­ler: Jun­ge Me­di­zi­ner sol­len frei­wil­lig ent­schei­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - NORDWEST - Von Gu­n­ars Rei­chen­bachs

HAN­NO­VER Der Streit um ei­ne Lan­d­arzt-Quo­te für Me­di­zin­stu­den­ten von zehn Pro­zent zwi­schen Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) und Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Björn Thüm­ler (CDU) wei­tet sich aus. Weil möch­te, dass je­der zehn­te Me­di­zin-Stu­di­en­platz an Be­wer­ber geht, die sich ver­pflich­ten, min­des­tens zehn Jah­re nach dem Stu­di­um auf dem Land zu ar­bei­ten.

Thüm­ler blockt das An­sin­nen sei­nes Re­gie­rungs­chefs ab. „Zu er­war­ten, dass sich jun­ge Men­schen gleich zu Be­ginn ih­res sechs­jäh­ri­gen Me­di­zin­stu­di­ums für zehn Jah­re auf ei­ne Fach­rich­tung und da­mit letzt­lich auch auf ein be­stimm­tes per­sön­li­ches Um­feld fest­le­gen, hal­te ich für fern­ab je­der Le­bens­rea­li­tät“, sag­te Thüm­ler un­se­rer Re­dak­ti­on, „erst im Stu­di­um durch­lau­fen sie die un­ter­schied­li­chen Fach­be­rei­che der Me­di­zin und ent­wi­ckeln da­durch oft ganz neue In­ter­es­sen. Die Stu­die­ren­den sol­len sich frei­wil­lig für ei­ne Tä­tig­keit als Haus­arzt auf dem Land ent­schei­den, in­dem ent­spre­chen­de An­rei­ze ge­schaf­fen wer­den.“

Un­ter­stüt­zung er­hält der Wis­sen­schafts­mi­nis­ter von der FDP. „Thüm­ler hat recht mit sei­ner Ab­leh­nung ei­ner Lan­d­arzt-Quo­te und soll­te in der Lan­des­re­gie­rung stand­haft blei­ben“, sag­te die FDPWis­sen­schafts­po­li­ti­ke­rin Syl­via Bruns.

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Alexander Sai­pa hält da­ge­gen. Thüm­ler müs­se sei­ne Blo­cka­de­hal­tung beim The­ma Lan­d­arzt­quo­te drin­gend über­den­ken. In vie­len länd­li­chen Räu­men in Nie­der­sach­sen steue­re man in den kom­men­den Jah­ren auf ei­ne Un­ter­ver­sor­gung zu. Ei­ne Lan­d­arzt­quo­te sei ein Baustein zur Ver­bes­se­rung der me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung im länd­li­chen Raum und kön­ne ein Teil der Lö­sung sein. Das Mi­nis­te­ri­um für Bun­des­an­ge­le­gen­hei­ten er­in­nert dar­an, dass be­reits vor ei­nem Jahr ein „Mas­ter­plan Me­di­zin­stu­di­um 2010“zwi­schen Bund und Län­dern ver­ein­bart wur­de.

Um mehr Land­ärz­te zu ge­win­nen, soll­te den Län­dern die Ein­füh­rung ei­ner Quo­te er­laubt wer­den. Sie könn­ten bis zu zehn Pro­zent der Me­di­zin­stu­di­en­plät­ze an be­stimm­te Be­wer­ber ver­ge­ben. Die­se an­ge­hen­den Me­di­zi­ner müss­ten sich nur ver­pflich­ten, nach Ab­schluss des Stu­di­ums für bis zu zehn Jah­re in der haus­ärzt­li­chen Ver­sor­gung in un­ter­ver­sorg­ten länd­li­chen Re­gio­nen tä­tig zu sein, heißt es im Be­schluss. NRW macht es so.

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