Wo­für brau­chen wir Pro­sti­tu­ti­on?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - DIALOG -

Zum Ar­ti­kel „Pro­sti­tu­ier­te mei­den An­mel­dung“und dem Kom­men­tar „Kei­ne gro­ße Über­ra­schung“von Kris­ti­na Mül­ler (Aus­ga­be vom 7. Ju­li).

„Wie im Kom­men­tar er­wähnt, ist es kei­ne gro­ße Über­ra­schung, dass ein gro­ßer Teil der Pro­sti­tu­ier­ten die An­mel­dung mei­det. Es herrscht die gro­ße ge­sell­schaft­li­che Il­lu­si­on vor, dass fast al­le Sex­ar­bei­ter frei­wil­lig in die­ser Bran­che tä­tig sind. Es ist na­iv, die Au­gen zu ver­schlie­ßen: Ein Groß­teil der Pro­sti­tu­ier­ten wird un­ter Druck ge­setzt.

Ge­ra­de ge­rin­ge Sprach­kennt­nis­se ma­chen es ein­fach, ei­ne Droh­ku­lis­se auf­zu­bau­en. Sei es: ,Sonst musst du raus aus Deutsch­land‘ oder ,Es gibt kei­nen an­de­ren Job für je­man­den wie dich‘ . Und die Wahr­schein­lich­keit, dass die­se Men­schen ge­sprächs­wil­lig sind, selbst auf Nach­fra­ge, ist ge­ring.

Die Angst vor den Al­ter­na­ti­ven sitzt zu tief. Von den an­ge­nom­me­nen 200 000 bis 400 000 Be­trof­fe­nen ha­ben sich nur 7000 an­ge­mel­det, das spricht ei­ne kla­re Spra­che. Ent­we­der sind die­se sich der Pflicht nicht be­wusst, weil sie we­nig In­for­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten ha­ben, oder sie ent­schei­den sich da­ge­gen (oder es wird für sie ent­schie­den?). Scham stellt hier nur ei­ne un­zu­rei­chen­de Be­grün­dung für die­se Dis­kre­panz dar.

Die gro­ße Fra­ge ist: Wo­für brau­chen wir Pro­sti­tu­ti­on in Deutsch­land? Wie­so neh­men wir die Mög­lich­keit von Men­schen­han­del, Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und Aus­beu­tung Le­ser­brie­fe sind per­sön­li­che Mei­nungs­äu­ße­run­gen von Le­se­rin­nen und Le­sern. Sie ge­ben nicht die An­sich­ten der Re­dak­ti­on wie­der. Ih­re Bei­trä­ge kön­nen Sie ent­we­der per Mail an le­ser­brie­fe@noz.de schi­cken. Oder pos­ta­lisch an: Neue Os­na­brü­cker Zei­tung, Le­ser­brie­fe, Brei­ter Gang 10–16, 49074 Os­na­brück. An­ony­me Bei­trä­ge wer­den bei der Aus­wahl nicht be­rück­sich­tigt. Die Re­dak­ti­on be­hält sich Kür­zun­gen vor.

(auch Ju­gend­li­cher) in Kauf, um die­sen Markt zu be­die­nen? Na­tür­lich hat je­der Mensch das Recht auf se­xu­el­le Selbst­be­stim­mung. Aber die Rea­li­tät be­inhal­tet aus­rei­chend Bei­spie­le für das Ge­gen­teil, und ein Ver­bot ist die Al­ter­na­ti­ve. Die Dis­kus­si­on um das ,schwe­di­sche Mo­dell‘ zum Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot ist kon­tro­vers.

Es steht im­mer die Fra­ge im Raum, ob die Sex­ar­beit wei­ter im Un­ter­grund ver­schwin­det. Vor der Er­kennt­nis, dass sich nur zwi­schen 1,5 und 3,5 Pro­zent al­ler Pro­sti­tu­ier­ten re­gis­triert ha­ben, lässt sich nur sa­gen: Die Pro­sti­tu­ier­ten sind be­reits fast al­le im Un­ter­grund. Ei­ne App wird das nicht ver­bes­sern, son­dern nur ver­ein­fa­chen.“

Hen­drik Dros­sel­mey­er Bis­sen­dorf

Fo­to: dpa/Andre­as Ar­nold

Ei­ne Pro­sti­tu­ier­te war­tet vor ih­rem Zim­mer in ei­nem Bor­dell auf Kund­schaft.

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