Bau­en oh­ne Be­bau­ungs­plan

Dis­kus­si­on über gro­ßes Mehr­fa­mi­li­en­haus in Wes­ter­kap­peln

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - WESTFÄLISCHE TAGESPOST - Von Frank Klaus­mey­er

An der Ecke Lin­den­stra­ße/Kort­hei­der Weg in Wes­ter­kap­peln klafft ein rie­si­ges Loch im Bo­den. Dort ent­ste­hen zwei Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser. Zu die­sem Vor­ha­ben im Spe­zi­el­len und zum Woh­nungs­bau im All­ge­mei­nen deu­te­te sich vor Kur­zem im Bau­aus­schuss Dis­kus­si­ons­be­darf an.

WES­TER­KAP­PELN Auf dem Grund­stück an der Lin­den­stra­ße wer­den zwei Häu­ser mit je­weils fünf Woh­nun­gen er­rich­tet, er­läu­ter­te Bau­amts­lei­ter Patrick Lenz auf Nach­fra­ge von Micha­el Pu­ke (SPD), der sich wun­der­te, dass die Rats­gre­mi­en nicht über das Pro­jekt in­for­miert wor­den sind. Hin­ter­grund: Vor ei­ni­gen Jah­ren war an der Von-Lo­en-Stra­ße ein gro­ßes Mehr­fa­mi­li­en­haus ge­baut wor­den. Nach­barn hat­ten sich da­mals im Rat­haus über den wuch­ti­gen Ge­bäu­de­kom­plex mas­siv be­schwert.

Die Ge­mein­de­ver­wal­tung hat­te sei­ner­zeit er­klärt, kei­ne Hand­ha­be ge­gen das Vor­ha­ben ge­habt zu ha­ben. Be­grün­dung: Weil es für die Sied­lung kei­nen rechts­gül­ti­gen Be­bau­ungs­plan ge­be, ha­be der Kreis die Bau­ge­neh­mi­gung nach Pa­ra­graf 34 Bau­ge­setz­buch (BauGB) er­teilt. Die­se Vor­schrift ver­langt, dass sich ein Ge­bäu­de in die Um­ge­bungs­be­bau­ung ein­fü­gen muss, wenn es kei­nen Be­bau­ungs­plan gibt. Kri­ti­ker spre­chen von ei­nem „Gum­mi­pa­ra­gra­fen“.

Die Ver­wal­tung – da­mals noch mit ei­nem an­de­ren Bau­amts­lei­ter – ver­sprach, die Po­li­tik bei ver­gleich­ba­ren Pro­jek­ten fort­an recht­zei­tig zu in­for­mie­ren. Dies ist beim be­reits im Bau be­find­li­chen Ge­bäu­de an der Lin­den­stra­ße of­fen­sicht­lich un­ter­blie­ben. Auch dort sei ei­ne Ge­neh­mi­gung nach Pa­ra­graf 34 BauGB er­teilt wor­den, sag­te Lenz .

Mit Tief­ga­ra­ge

Ei­ne Tief­ga­ra­ge mit zehn Stell­plät­zen und ei­nem Fahr­rad­raum be­fin­det sich an der Lin­den­stra­ße mit­tig un­ter den bei­den Ge­bäu­den. Da die ge­plan­ten Stell­plät­ze im rück­wär­ti­gen Be­reich nicht ge­neh­mi­gungs­fä­hig ge­we­sen sei­en, sei in gu­ter Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bau­amt und dem Kreis die Lö­sung mit der Tief­ga­ra­ge ge­wählt wor­den, teilt der In­ves­tor mit. Acht Woh­nun­gen ha­ben ei­ne Flä­che von 80 Qua­drat­me­tern, die bei­den Pent­house-Woh­nun­gen im Dach­ge­schoss wer­den 114 Qua­drat­me­ter Platz bie­ten. Al­le Woh­nun­gen sind bar­rie­re­frei ge­plant.

Auf dem Grund­stück stand vor­her ein Haus, das ab­ge­ris­sen wur­de. Es sei „ei­ne ty­pi­sche Ent­wick­lung“in all­ge­mei­nen Wohn­ge­bie­ten, dass Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser zu­guns­ten von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern ab­ge­ris­sen wer­den, er­läu­ter­te der Bau­amts­lei­ter in die­sem Zu­sam­men­hang. An der Han­frie­den­stra­ße ist ein sol­ches Ge­bäu­de ge­ra­de fer­tig­ge­stellt wor­den. Die nächs­te An­la­ge an der Wil­helms­hö­he ste­he schon in den Start­lö­chern.

„Da muss man viel­leicht ei­ne städ­te­bau­li­che Stra­te­gie über­le­gen, ob die Ge­mein­de das zu­las­sen will“, er­klär­te Lenz. Der­zeit kön­ne die Kom­mu­ne sol­che Ge­bäu­de nicht ver­hin­dern. Man­gels Be­bau­ungs­plä­nen sei­en die­se an vie­len Stel­len ge­neh­mi­gungs­fä­hig.

Jür­gen Schul­te (Bür­ger­ge­mein­schaft) sieht of­fen­sicht­lich aku­ten Hand­lungs­be­darf. „Wann ent­wi­ckeln wir so ei­ne Stra­te­gie? Wenn die nächs­ten 20 Häu­ser ste­hen?“Bau­amts­lei­ter Lenz sieht da­für an­ge­sichts di­ver­ser Bau­pro­jek­te der Ge­mein­de of­fen­sicht­lich kei­ne frei­en Res­sour­cen: „Wenn ich im Hoch­bau Ent­las­tung krie­ge und da­für Zeit ha­be . . .“

Gra­fik: Bi­sch­off Bau­un­ter­neh­men GmbH & Co. KG

So sol­len die bei­den Häu­ser mit je­weils fünf Woh­nun­gen nach der Fer­tig­stel­lung im neu­en Jahr aus­se­hen.

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