Mer­kel „dank­bar“für ih­re Zeit als CDU-Che­fin

Heu­te wird Nach­fol­ger auf Par­tei­tag in Ham­burg ge­wählt / „Das ist De­mo­kra­tie pur“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE - Von Burk­hard Ewert [email protected]

HAM­BURG Vor der Neu­wahl des CDU-Vor­sit­zes hat sich An­ge­la Mer­kel „dank­bar“für ih­re Zeit als Par­tei­vor­sit­zen­de ge­zeigt. Sie sei „ge­spannt“auf die Wahl ih­res Nach­fol­gers, sag­te Mer­kel ges­tern in Ham­burg. „Das ist De­mo­kra­tie pur, wenn Aus­wahl be­steht.“Auf dem CDU-Par­tei­tag in Ham­burg wäh­len die De­le­gier­ten heu­te den Nach­fol­ger Mer­kels, die seit mehr als 18 Jah­ren den Vor­sitz in­ne­hat.

„Das ist ei­ne lan­ge, lan­ge Zeit, und in die­ser Zeit hat die CDU na­tür­lich Hö­hen und Tie­fen er­lebt“, sag­te Mer­kel. „Aber sie hat auch die Bun­des­tags­wahl vier­mal so ge­stal­ten kön­nen, dass wir die Bun­des­kanz­le­rin stel­len.“Sie sei dank­bar für die­se Zeit und freue sich, noch wei­ter als Bun­des­kanz­le­rin ar­bei­ten zu kön­nen.

Jetzt sei aber der Zeit­punkt ge­kom­men, die Vor­be­rei­tun­gen für die nächs­te Bun­des­tags­wahl zu tref­fen, sag­te Mer­kel. „Das wird ein be­son­de­rer Par­tei­tag sein, Wahl­par­tei­ta­ge sind im­mer be­son­de­re Par­tei­ta­ge.“

Um die Nach­fol­ge Mer­kels be­wer­ben sich CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kram­pKar­ren­bau­er, der frü­he­re Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, der je­doch als Au­ßen­sei­ter gilt. Zu­letzt hat­ten sich pro­mi­nen­te CDU-Ver­tre­ter für Kram­pKar­ren­bau­er oder Merz aus­ge­spro­chen. Gu­te Chan­cen, auf dem Par­tei­tag von ei­nem De­le­gier­ten förm­lich vor­ge­schla­gen zu wer­den, rech­net sich auch noch der hes­si­sche Un­ter­neh­mer Andre­as Rit­zen­hoff (62) aus. Zu Be­ginn des Par­tei­tags wird Mer­kel ih­re letz­te Re­de als CDU-Vor­sit­zen­de hal­ten, im An­schluss stel­len sich die mög­li­chen Nach­fol­ger den De­le­gier­ten vor. Ge­wählt ist, wer die Mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men er­hält.

Auf den letz­ten Me­tern wird die CDU-Spit­ze ner­vös. Schwer­ge­wich­te brin­gen sich in Stel­lung, Leicht­ge­wich­te eben­so. Die Schär­fe der Atta­cken nimmt zu. Heu­te wird sich ent­schei­den, wer der Par­tei als Nach­fol­ger von An­ge­la Mer­kel in der Zu­kunft Ve­rän­de­rung brin­gen soll, aber eben zugleich auch Ru­he. Auf­ga­be Num­mer eins wird lau­ten, die Ver­let­zun­gen aus den Wo­chen der Ri­va­li­tät um die Füh­rung zu hei­len. Der Wett­streit war weit­ge­hend fair. Spur­los ging er aber we­der an den Kan­di­da­ten noch der Par­tei vor­über.

Ei­ne wich­ti­ge Rol­le wird dem Ge­ne­ral­se­kre­tär zu­kom­men. Er wird neu be­stimmt wer­den, auch wenn die bis­he- ri­ge Amts­in­ha­be­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er nicht Par­tei­che­fin wird. Als Vor­sit­zen­de dürf­te sie sich ei­nen kon­ser­va­ti­ven Mann an die Sei­te ho­len. Liegt Fried­rich Merz vor­ne, wä­re er gut be­ra­ten, ei­ne li­be­ra­le Frau zu be­ru­fen. Ost­deut­sche hät­ten gu­te Kar­ten. Über­ra­schun­gen sind nicht aus­ge­schlos­sen: Im­mer wie­der ist das Amt auch Be­wäh­rungs­po­si­ti­on für Hoff­nungs­trä­ger aus der zwei­ten Rei­he. An die­sem Frei­tag aber dürf­te dem Si­gnal der Ver­söh­nung mehr Be­deu­tung zu­kom­men, wo­bei auch das ein neu­es Ge­sicht nicht aus­schließt.

Auch Mer­kel wird da­zu bei­tra­gen müs­sen, die Per­son zu stär­ken, die ihr eben­falls als Kan­di­dat für die Kanz­ler­schaft nach­fol­gen dürf­te. Merz hat kla­re Schwä­chen er­ken­nen las­sen, sich im heu­ti­gen po­li­ti­schen Be­trieb zu ori­en­tie­ren. Aus Sicht der Be­völ­ke­rung kann ei­ne ge­wis­se Un­be­re­chen­bar­keit ein Vor­teil sein. Aus Sicht der Par­tei wirkt es auch ver­stö­rend. Um de­ren Ge­schlos­sen­heit zu wah­ren, müss­te Mer­kel sich ihm un­ter­ord­nen. Wie das wohl ge­län­ge?

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.