Rich­tig an­ge­schnallt

Wie Kin­der im Au­to si­cher un­ter­wegs sind

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - IN DER FAMILIE - Von Pe­ter Lö­schin­ger

Im Kin­der­sitz sind die Klei­nen si­cher – oder? Nicht wenn El­tern Ba­by­scha­len oder Gur­te falsch be­fes­ti­gen. Wir er­klä­ren, wie es rich­tig geht.

Wer seine Kin­der mit dem Kin­der­sitz im Au­to trans­por­tiert, kann viel falsch ma­chen. Die größ­ten Feh­ler be­tref­fen die Gurtfüh­rung, er­läu­tert Sieg­fried Brock­mann von der Un­fall­for­schung der Ver­si­che­rer (UDV). Bei der Sitz­be­fes­ti­gung lau­fen die Gur­te oft nicht durch die rich­ti­gen Öff­nun­gen oder sind zu schlaff an­ge­zo­gen.

Wie geht es rich­tig? Zu un­ter­schei­den ist zwi­schen Ein­bau des Sit­zes und Si­che­rung des Kin­des. Nur bei den Klas­se-2/3-Sit­zen (Kin­der der Ge­wichts­klas­sen von et­wa 15 bis 36 Ki­lo) ist das das­sel­be. „Da si­chert der Gurt so­wohl den Sitz als auch das Kind“, sagt Brock­mann. Hier muss nicht nur der Be­cken­gurt un­ter zwei Hö- ckern durch­ge­führt wer­den, son­dern auf der Sei­te des Gurtschlos­ses auch der Schul­ter­gurt. „Das wis­sen vie­le nicht“, sagt Brock­mann. Der Gurt muss zu­dem rich­tig straff ge­zo­gen wer­den und et­wa in Schlüs­sel­be­inhö­he ver­lau­fen. Vie­le Sit­ze ha­ben dort noch ei­ne Füh­rung.

Bei Ba­by­scha­len (Klas­se 0/0+) und Klas­se-1-Sit­zen (neun bis 18 Ki­lo) wird zu­erst der Sitz mit den Au­to­gur­ten oder am Iso­fix-Be­fes­ti­gungs­sys­tem fi­xiert. „Mit Iso­fix sitzt der Sitz op­ti­mal straff drin.“Oh­ne Iso­fix muss der Au­to­gurt den Sitz hal­ten. Teil­wei­se muss der Kin­der­sitz da­zu vor­ge­klappt wer­den. „Die Gurtfüh­rung kann sehr kom­pli­ziert und frie­me­lig sein“, sagt Brock­mann. Gern wür­den et­wa Be­cken- und Schul­ter­gurt ver­tauscht, oder der Gurt ist zu lo­cker oder ist ver­dreht, nennt Brock­mann Bei­spie­le.

Wenn man den Schul­ter­gurt durch­führt, muss man ihn meist mit ei­ner Klam­mer in ei­ner Po­si­ti­on fi­xie­ren. „Man muss aber im­mer noch ein­mal am Sitz wa­ckeln, der muss rich­tig straff drin­sit­zen.“Denn selbst dann schnellt der Sitz bei ei­nem Un­fall noch durch die Wucht ei­ni­ge Zen­ti­me­ter nach vorn. Das Kind selbst wird dann durch Ho­sen­trä­ger­gur­te des Sit­zes ge­hal­ten. Mit ei­ner Zun­ge un­ten lässt sich der Gurt straff zie­hen. „Das Pro­blem ist, dass das Kind das in der Re­gel nicht mag, aber das ist wirk­lich nö­tig“, sagt Brock­mann.

Au­ßer­dem ist zu be­den­ken: Ba­by­scha­len müs­sen im­mer ent­ge­gen der Fahrt­rich­tung ein­ge­baut wer­den.

Fast je­des zwei­te Kind un­ter zwölf Jah­ren (48 Pro­zent) fährt nicht rich­tig ge­si­chert im Kin­der­sitz, hat ei­ne ak­tu­el­le Stich­pro­be im Auf­trag der UDV er­ge­ben. „Das Haupt­pro­blem ist, dass die Leu­te Feh­ler ma­chen und es nicht bes­ser wis­sen“, sagt Brock­mann. Meist ge­ben die Her­stel­ler zwar ei­ne aus­führ­li­che Anleitung mit, die sei aber oft nur schwer ver­ständ­lich. Das gilt nicht nur bei Sprach­pro­ble­men, et­wa von aus­län­di­schen Au­to­fah­rern. „Auch Deut­sche ha­ben teil­wei­se gro­ße Pro­ble­me zu ver­ste­hen, wie nun ge­nau die Gurtfüh­rung sein soll“, sagt der Un­fall­for­scher.

Brock­mann plä­diert da­her für An­lei­tungs­fil­me und Be­ra­tung: „Las­sen Sie sich beim Kauf der Sit­ze de­ren kor­rek­ten Ein­bau mit den Gur­ten aus­führ­lich im Fach­han­del zei­gen.“Bei ei­nem ge­brauch­ten Sitz gel­te es, den Vor­be­sit­zer in die Pflicht zu neh­men. Un­be­dingt soll­te man fra­gen, ob es be­reits ei­nen Un­fall mit dem Sitz im Au­to gab – dann kann er be­schä­digt sein. Fehlt bei Se­cond­hand-Sit­zen die Anleitung, könn­ten Au­to­fah­rer den Her­stel­ler da­nach fra­gen.

Et­wa je­der Fünf­te (20 Pro­zent) bei der Stich­pro­be war sich der Feh­ler bei der Kin­der­si­che­rung be­wusst und nann­te Zeit­not oder ei­ne nur sehr kur­ze Fahrt­stre­cke als Grün­de. Die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät (TU) Ber­lin hat im Auf­trag der UDV zwi­schen Ju­ni 2016 und Sep­tem­ber 2017 ins­ge­samt 1042 Per­so­nen be­fragt und bei ih­nen den Kin­der­sitz über­prüft.

Fo­to: dpa/Ni­co­las Ar­mer

Si­cher im Au­to: Kin­der­sit­ze und Ba­by­scha­len müs­sen kor­rekt be­fes­tigt sein.

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