Rü­cken­wind für die Stadtbahn

War­um die Stadtbahn-Initia­ti­ve plötz­lich star­ken Rü­cken­wind für ih­re For­de­run­gen spürt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE - Von Se­bas­ti­an Stri­cker Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann Fo­to­mon­ta­ge: Ste­fan van Len­te

OS­NA­BRÜCK Die ge­plan­te Ein­rich­tung ei­ner au­to­frei­en Zo­ne auf dem Ge­län­de von Uni­ver­si­tät und Hoch­schu­le am Wes­ter­berg geht der Os­na­brü­cker Stadtbahn-Initia­ti­ve (SBI) nicht weit ge­nug. „Der Cam­pus ge­hört ans Schie­nen­netz“, for­dert die SBI. Gleich­zei­tig nimmt sie die Po­li­tik in die Pflicht. Es sei wich­tig, dass die Stadt das Sys­tem Stadtbahn end­lich se­ri­ös prü­fen las­se. Im Os­na­brü­cker Stadt­rat wächst an­geb­lich die Be­reit­schaft da­zu. Auch weil ei­ne Mach­bar­keits­stu­die zum Os­na­brü­cker ÖPNV aus dem Jahr 2013 es ver­säumt ha­be, in die­sem Punkt Kos­ten und Nut­zen zu ver­glei­chen. Nach An­sicht der Stadtbahn-Initia­ti­ve wür­de je­doch ei­ne Stre­cke vom Haupt­bahn­hof durch die In­nen­stadt bis zum Wes­ter­berg bei ei­ner Kos­ten-Nut­zen-Be­trach­tung „mit Leichtigkeit ei­ne ho­he Wirt­schaft­lich­keit“er­zie­len.

Plä­ne der bei­den Os­na­brü­cker Hoch­schu­len für ei­nen au­to­frei­en Cam­pus las­sen den Ruf nach ei­ner Stadtbahn lau­ter wer­den. Zu­min­dest müs­se die Op­ti­on Tram end­lich se­ri­ös ge­prüft wer­den, for­dert die Stadtbahn-Initia­ti­ve. Und wähnt im Rat ei­ne gro­ße Of­fen­heit für das eins­ti­ge „Ta­bu­the­ma“.

OS­NA­BRÜCK Wer au­to­freie Zo­nen wol­le wie Uni­ver­si­tät und Hoch­schu­le auf dem Cam­pus Wes­ter­berg, sol­le bei sei­nen Pla­nun­gen die Stadtbahn nicht ver­ges­sen, mahnt die Stadtbahn-Initia­ti­ve (SBI) Os­na­brück. Sie for­dert: „Der Cam­pus ge­hört ans Schie­nen­netz!“Gleich­zei­tig drängt die Initia­ti­ve auf ein Gut­ach­ten, das Kos­ten und Nut­zen ei­ner neu­en Stadtbahn für Os­na­brück ver­läss­lich er­mit­telt.

Auch wenn Hoch­schu­le und Uni ei­ne bal­di­ge Um­set­zung ih­res Mo­bi­li­täts­kon­zepts Cam­pus Wes­ter­berg an­stre­ben, so wirbt die SBI da­für, das Sys­tem Stadtbahn „per­spek­ti­visch“zu be­rück­sich­ti­gen. Der Cam­pus Wes­ter­berg als An­lauf­stel­le für bis zu 15000 Men­schen täg­lich sei Ziel und Qu­el­le sehr gro­ßer Ver­kehrs­men­gen. Das ver­lan­ge aus­rei­chend gro­ße Trans­port­mit­tel und ho­hen Kom­fort.

Zwar wer­de der Cam­pus Wes­ter­berg schon jetzt von den Li­ni­en 21 und 22 ab Haupt­bahn­hof und In­nen­stadt im Zehn­mi­nu­ten­takt an­ge­fah­ren, und zwar in al­ler Re­gel mit Ge­lenk­bus­sen oder Bus­zü­gen mit An­hän­ger. Ei­ne Stadtbahn aber kann nach Mei­nung der Initia­ti­ve mehr Platz auch in Spit­zen­zei­ten bie­ten. Au­ßer­dem ha­be ei­ne Bahn ge­gen­über dem Bus ei­ne we­sent­li­che hö­he­re Ak­zep­tanz, wie all­ge­mei­ne Er­fah­run­gen seit Jah­ren be­leg­ten. „Die­ser so­ge­nann­te Pull-Ef­fekt trägt da­zu bei, das Au­to eher ste­hen zu las­sen, als wenn nur der Bus die Al­ter­na­ti­ve ist“, er­klärt Rolf Brink­mann von der SBI.

Si­cher wirt­schaft­lich

Die Stadt müs­se das Sys­tem Stadtbahn „end­lich gut­ach­ter­lich prü­fen las­sen, um pas­sen­de Kor­ri­do­re und Li­ni­en­füh­run­gen zu be­stim­men“. Die Initia­ti­ve ist da­von über­zeugt, dass ins­be­son­de­re die Stre­cke Haupt­bahn­hof–In­nen­stadt–Wes­ter­berg „bei ei­ner Kos­ten-Nut­zen-Be­trach­tung mit Leichtigkeit ei­ne ho­he Wirt­schaft­lich­keit er­zielt“.

In Städ­ten, die auf die Tram set­zen, stell­ten Hoch­schu­len im­mer be­son­ders wich­ti­ge Zie­le mit ho­hem Fahr­gast­auf­kom­men dar. Zu se­hen sei das bei­spiels­wei­se bei ei­ner Stre­cken­er­wei­te­rung in Ulm oder ei­nem kom­plet­ten Stadtbahn-Neu­bau wie in Re­gens­burg.

zeigt ei­ne mög­li­che Stadtbahn-Stre­cke, die vom Haupt­bahn­hof durch die Ci­ty bis zum Cam­pus Wes­ter­berg führt. Die Skiz­ze stammt aus der Aus­stel­lung „Die mo­der­ne Tram in Eu­ro­pa“, die die Stadtbahn-Initia­ti­ve im Sep­tem­ber im Stadt­haus prä­sen­tier­te.

Mit Blick auf Os­na­brück und die Vi­si­on „Grü­ner Cam­pus“sagt SBI-Mit­glied Tho­mas Haar­mann: „Es soll­te mög­lichst ver­hin­dert wer­den, dass jetzt Fak­ten ge­schaf­fen wer­den, die die Tras­sie­rung ei­ner künf­ti­gen Stadtbahn er­schwe­ren.“

Dar­über hin­aus sei die Stadt gut be­ra­ten, das für den re­gio­na­len Zug­ver­kehr ent­wi­ckel­te OS-Bahn-Kon­zept um ei­nen Hal­te­punkt in Hö­he Rö­me­resch­stra­ße zu er­wei­tern. Die­ser neue Bahn­steig lä­ge et­wa 1000 Me­ter vom Cam­pus Wes­ter­berg ent­fernt und wür­de au­ßer­dem wei­te Tei­le des Ha­fen­ge­bie­tes er­schlie­ßen. Im Mas­ter­plan Mo­bi­li­tät von 2010 wer­de der Stand­ort be­reits als Mög­lich­keit ge­nannt.

SBI-Vor­den­ker Tho­mas Po­lew­sky zeigt sich nach vie­len Ge­sprä­chen mit Kom­mu­nal­po­li­ti­kern op­ti­mis­tisch, dass nun ei­ne öf­fent­li­che De­bat­te dar­über in Gang kommt, in­wie­fern ei­ne Stadtbahn zur Lö­sung der Os­na­brü­cker Ver­kehrsund Um­welt­pro­ble­me bei­tra­gen kann und soll. „Das Ta­bu, über die Stadtbahn ernst­haft nach­zu­den­ken, be­steht of­fen­bar nicht mehr ge­ne­rell.“

Rat of­fen für Prü­fung

Die Initia­ti­ve ha­be „Si­gna­le aus al­len Rats­frak­tio­nen au­ßer CDU und BOB, sich für ei­ne se­riö­se Un­ter­su­chung der Per­spek­ti­ve Stadtbahn aus­zu­spre­chen“. Wo­bei sich bei der CDU im­mer­hin „ein wich­ti­ges Mit­glied ge­gen­über der SBI als Freund der Stadtbahn zu er­ken­nen ge­ge­ben“ha­be.

Im Herbst hat­te die Stadtbahn-Initia­ti­ve zu­dem ver­sucht, mit ei­ner In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne auch mög­lichst vie­le Bür­ger für ihr An­lie­gen zu sen­si­bi­li­sie­ren. Un­ter an­de­rem war im Stadt­haus wo­chen­lang die Aus­stel­lung „Die mo­der­ne Tram in Eu­ro­pa“zu se­hen. Sie wur­de von der Münch­ner Ver­kehrs­ge­sell­schaft (MVG) ent­wi­ckelt und von der SBI mit fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung zahl­rei­cher Spen­der aus­ge­lie­hen. Die Aus­stel­lung ver­an­schau­lich­te, war­um die Tram in vie­len Städ­ten ei­ne re­gel­rech­te Re­nais­sance er­lebt. Auch his­to­ri­sche Fo­tos von der frü­he­ren Os­na­brü­cker Stra­ßen­bahn so­wie Bil­der von der neu ge­bau­ten Tram in der fran­zö­si­schen Part­ner­stadt An­gers wur­den ge­zeigt.

Gut­ach­ten un­zu­läng­lich

„Wir ha­ben mit der Aus­stel­lung In­ter­es­se ge­weckt“, re­sü­miert Po­lew­sky. An meh­re­ren Vor­trags­aben­den setz­ten sich dar­über hin­aus Ver­kehrs­ex­per­ten aus ganz Deutschland mit dem The­ma Stadtbahn aus­ein­an­der.

Ei­ner da­von war der Os­na­brü­cker Ver­kehrs­geo­graf Jür­gen Dei­ters. Er stell­te fest, dass im Jahr 2013, als das Düs­sel­dor­fer Gut­ach­ter­bü­ro Lind­schul­te & Klop­pe im Auf­trag der Pla­nungs­ge­sell­schaft Nah­ver­kehr Os­na­brück (Pla­nos) ei­ne Mach­bar­keits­stu­die zur Wei­ter­ent­wick­lung und Ver­bes­se­rung des Os­na­brü­cker ÖPNV durch­führ­te, kein aus­sa­ge­kräf­ti­ger Nut­zen-Kos­ten-Ver­gleich für die Op­ti­on Stadtbahn vor­ge­nom­men wor­den war, son­dern ih­re Un­wirt­schaft­lich­keit nur „ver­mu­tet“wur­de. Was feh­le, sei ei­ne Pro­gno­se der Fahr­gast­zah­len für die Zeit nach Fer­tig­stel­lung der Stra­ßen­bahn.

„Für ei­nen Nut­zen-Kos­ten-Ver­gleich sind An­ga­ben zur er­war­te­ten Ver­la­ge­rung von Pkw-Fahr­ten auf den ÖPNV un­er­läss­lich“, er­klär­te Dei­ters und for­der­te „sorg­fäl­ti­ge em­pi­ri­sche Er­he­bun­gen und Ana­ly­sen“. Gleich­zei­tig wies der Pro­fes­sor dar­auf hin, dass Os­na­brück im Rad­ver­kehr über „er­heb­li­che Wachs­tums­po­ten­zia­le“ver­fü­ge. „Die­se sys­te­ma­tisch zu er­schlie­ßen er­for­dert weit­aus ge­rin­ge­re In­ves­ti­ti­ons­und Fol­ge­kos­ten als ein schie­nen­ge­bun­de­nes Nah­ver­kehrs­sys­tem.“

Von der Stra­ßen­bahn zum Bus: Ein Vi­deo über die Ge­schich­te des Os­na­brü­cker Nah­ver­kehrs se­hen Sie im In­ter­net auf der The­men­sei­te noz.de/ver­kehr-os. Dort le­sen Sie auch, wie ein Stadtbahn-Neu­bau fi­nan­ziert wer­den könn­te und was Os­na­brück in Sa­chen Ver­kehrs­wen­de von Re­gens­burg ler­nen kann.

ÖPNV im Wan­del: „Der Cam­pus ge­hört ans Schie­nen­netz!“, for­dert die Stadtbahn-Initia­ti­ve Os­na­brück mit Blick auf ei­ne von Uni und Hoch­schu­le ge­plan­te au­to­freie Zo­ne am Wes­ter­berg. Bis­lang wird der Stand­ort un­ter an­de­rem von Bus­sen der Li­nie 21 an­ge­fah­ren. Die Fo­to­mon­ta­ge von 2013 zeigt sie auf dem Ne­u­markt ne­ben ei­ner fik­ti­ven Tram.

Die ro­te Li­nie

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