Pro­jek­te schnel­ler um­set­zen

Was IHK-Prä­si­dent Uwe Goe­bel vor­schlägt, um un­se­ren Wirt­schafts­stand­ort noch er­folg­rei­cher zu ma­chen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE - Von Ni­na Kall­mei­er

OS­NA­BRÜCK In­fra­struk­tur­pro­jek­te schnel­ler um­set­zen: Das ist ei­ne zen­tra­le For­de­rung von Uwe Goe­bel. Seit ei­nem Mo­nat ist er neu­er Prä­si­dent der IHK Os­na­brück – Ems­land – Graf­schaft Bent­heim. Im In­ter­view stell­te er sich den Fra­gen.

Seit ei­nem Mo­nat ist Uwe Goe­bel Prä­si­dent der IHK Os­na­brück – Ems­land – Graf­schaft Bent­heim. Ein Ge­spräch über Zie­le, Stand­ort­fak­to­ren, neue Märk­te und die Rück­kehr zu G9. Herr Goe­bel, für al­le, die Sie noch nicht ken­nen: Wie wür­den Sie sich in drei Wor­ten be­schrei­ben?

Ru­hig, ziel­stre­big und manch­mal auch ein biss­chen emo­tio­nal.

Das hört sich doch nach ei­ner gu­ten Mi­schung an.

Ja, ei­gent­lich schon. Emo­tio­nal im­mer dann, wenn mich spon­tan mal et­was be­son­ders reizt. Aber das be­ru­higt sich auch schnell wie­der.

Sie sind der ers­te IHK-Prä­si­dent aus dem Di­enst­leis­tungs­sek­tor. Ist das ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung?

Ich kom­me aus der Di­enst­leis­tungs­bran­che, das ist rich­tig. Ich ha­be je­doch im­mer mit der In­dus­trie und dem Han­del zu tun. Das Wich­tigs­te, was ich als Di­enst­leis­ter mit­ge­nom­men ha­be, ist, dass es oh­ne In­dus­trie nicht geht. Es spielt als IHK-Prä­si­dent kei­ne Rol­le, aus wel­cher Bran­che man kommt.

Der DIHK hat sei­ne Wirt­schafts­pro­gno­sen nach un­ten kor­ri­giert. Sind die fet­ten Jah­re vor­bei?

Das wä­re Kla­gen auf ho­hem Ni­veau. Wir ha­ben in un­se­rer Re­gi­on na­he­zu Voll­be­schäf­ti­gung, die La­ge ak­tu­ell ist su­per. Der wirt­schaft­li­che Er­folg darf uns aber nicht zu­frie­den­stel­len. Wir müs­sen die­sen Zu­stand er­hal­ten und aus­bau­en. Da braucht es auch das Ohr der Po­li­tik, dass es nicht im­mer so blei­ben muss.

Was er­war­ten Sie für die­ses Jahr?

Die In­di­ka­to­ren deu­ten auf ei­nen Knick hin. Die Welt­wirt­schaft trübt sich ein, das hat Aus­wir­kun­gen auf die Ex­por­te un­se­rer Un­ter­neh­men. Im­mer­hin wird in un­se­rer Re­gi­on ein Drit­tel des In­dus­tri­e­um­sat­zes im Aus­land ge­macht. Un­se­re Ab­satz­märk­te wer­den schwie­ri­ger, da spielt der Br­ex­it ge­nau­so mit hin­ein wie die Sank­tio­nen ge­gen Russ­land, die zum Bei­spiel un­se­re Land­ma­schi­nen­in­dus­trie fühl­bar be­ein­träch­ti­gen, und der Pro­tek­tio­nis­mus der USA.

Apro­pos Br­ex­it: In der kom­men­den Wo­che wird ab­ge­stimmt. Sind Sie noch op­ti­mis­tisch, dass es ei­ne Ei­ni­gung ge­ben wird?

Ein ge­wis­ser Op­ti­mis­mus für ei­nen wei­chen Br­ex­it bleibt.

Gibt es auch Märk­te, die wie­der in­ter­es­sant wer­den?

Er­zeug­nis­se un­se­rer Un­ter­neh­men ha­ben welt­weit ei­nen gu­ten Ruf. Auf­grund der glo­ba­len Schwie­rig­kei­ten wen­den sie sich ver­stärkt wie­der dem eu­ro­päi­schen Markt zu. Da­zu wer­den auch un­se­re be­vor­ste­hen­den De­le­ga­ti­ons­rei­sen nach Groß­bri­tan­ni­en und nach Po­len bei­tra­gen. Das Glück liegt eben nicht im­mer nur in der Fer­ne.

Son­dern auch am Wirt­schafts­stand­ort in der Re­gi­on. Al­ler­dings kri­ti­sie­ren Un­ter­neh­mer al­te Be­kann­te: Fach­kräf­te­man­gel, In­fra­struk­tur, Breit­band­ver­sor­gung …

Das ist be­dau­er­lich, und wir sind nicht die Ein­zi­gen, die die­se Pro­ble­me auf der Lis­te ha­ben. In an­de­ren IHK-Be­zir­ken ist es ähn­lich. Die Ver­kehrs­si­tua­ti­on in den Ober­zen­tren wie Os­na­brück kommt noch hin­zu. Da ist es ein gu­tes Si­gnal, dass der Ober­bür­ger­meis­ter das The­ma Bau­stel­len­ma­nage­ment bei ei­ner so wich­ti­gen Re­de wie der zum Hand­giften­tag auf­greift und es sich da­mit nun auch zu ei­gen macht. Bei der lang­fris­ti­gen Bau­stel­len­pla­nung gibt es si­cher noch Luft nach oben.

Zum Fach­kräf­te­man­gel ge­hört die zu­neh­men­de Zahl of­fe­ner Lehr­stel­len. Jam­mert die Wirt­schaft hier auf ho­hem Ni­veau?

Nein, das ist tat­säch­lich ein täg­li­cher Kampf. Un­be­setz­te Aus­bil­dungs­stel­len und der Man­gel an Mit­ar­bei­tern in den Un­ter­neh­men sind spür­bar. Und das wird sich mit dem weg­fal­len­den Abitur-Jahr­gang 2020 durch die Um­stel­lung von G8 auf G9 noch ver­schär­fen. Des­halb ra­ten wir den Un­ter­neh­men, ih­re Be­mü­hun­gen in die­sem Jahr zu ver­stär­ken und die Lehr­stel­len – so gut es geht – dop­pelt zu be­set­zen. Aber es ist ein en­ger Markt – trotz der im ver­gan­ge­nen Jahr ge­stie­ge­nen Zahl von neu­en Aus­bil­dungs­ver­trä­gen.

Was muss aus Ih­rer Sicht ge­tan wer­den, um die Stand­ort­fak­to­ren wei­ter zu ver­bes­sern?

Wir müs­sen vor al­lem die Rea­li­sa­ti­ons­zeit­räu­me von In­fra­struk­tur­maß­nah­men deut­lich re­du­zie­ren. Wir freu­en uns über die fer­tig­ge­stell­te Nord­um­ge­hung in Bad Oeyn­hau­sen, aber das war ein Pro­zess von 50 Jah­ren und hat­te nichts mit der Cou­leur ei­ner Lan­des­re­gie­rung zu tun. Un­ser Bau- und Bau­pla­nungs­recht ist in wei­ten Tei­len zu um­ständ­lich, die­se Zei­t­räu­me kön­nen wir uns nicht leis­ten. Da hängt uns das Aus­land ab. Auch der Breit­band­aus­bau muss end­lich vor­an­ge­hen, eben­so wie die Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur im länd­li­chen Raum, et­wa durch den Aus­bau der E 233 im Ems­land.

Wel­che Zie­le ha­ben Sie sich schon ge­setzt?

Wir müs­sen den Er­folg un­se­res Wirt­schafts­stand­orts mess­bar ma­chen und ver­bes­sern, auch in der Be­rufs­bil­dung. Nach in­nen, in un­se­ren Gre­mi­en, möch­te ich da­zu bei­tra­gen, den Frau­en­an­teil zu er­hö­hen. Das ist ein di­ckes Brett, das wir boh­ren. Mein Vor­gän­ger, Herr Schlich­ter, hat den Pro­zess mit gro­ßer Kraft an­ge­sto­ßen, und ich wer­de ihn fort­füh­ren.

Wel­che Maß­nah­men stel­len Sie sich da vor? Ei­nes der Grund­pro­ble­me, die Zeit für das Eh­ren­amt, än­dert sich ja nicht.

Un­se­re Un­ter­neh­men wis­sen auch heu­te schon, dass sie sehr fle­xi­ble Ar­beits­zeit­mo­del­le an­bie­ten müs­sen und die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie, Beruf und Frei­zeit ein wich­ti­ges Gut für je­den Ar­beit­neh­mer ist. Da brau­chen wir auch kei­ne Vor­ga­ben aus Ber­lin, wir sind schon deut­lich wei­ter. Das rich­tet sich auch nicht nur an Frau­en, son­dern es gibt auch Le­bens­ent­wür­fe von Män­nern, die von der 40-, 50oder 60-St­un­den-Wo­che ab­wei­chen. Mein Wunsch wä­re, dass noch mehr Un­ter­neh­me­rin­nen oder weib­li­che Füh­rungs­kräf­te Zeit fürs Eh­ren­amt frei ma­chen und un­se­re Ar­beit in der IHK un­ter­stüt­zen.

Fo­to: Jörn Mar­tens

Ru­hig, ziel­stre­big und ein biss­chen emo­tio­nal. So be­schreibt sich Uwe Goe­bel, der seit ei­nem Mo­nat neu­er Prä­si­dent der IHK Os­na­brück – Ems­land – Graf­schaft Bent­heim ist.

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