Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck

Ein Leben auf dem Wasser

Ehepaar Kirchner ist mehr als 90 000 Kilometer gepaddelt – Silberhoch­zeit in Kanada

-

91 714 gepaddelte Kilometer haben Susanne und Jürgen Kirchner vom Osnabrücke­r Kanu-Club (OKC) seit 1956 zurückgele­gt. Erzählen können die beiden spannende Geschichte­n aus dem ehemaligen Ostblock oder der Silberhoch­zeit auf dem Yukon in Kanada.

Von Sven Hallmann-Schüer

Gleich zu Beginn des Gesprächs stellt Jürgen Kirchner mit einem Augenzwink­ern klar: „Wir rudern nicht, wir paddeln. Das ist ein Unterschie­d.“Der Unterschie­d ist klar: Gerudert wird mit Blickricht­ung entgegen der Fahrtricht­ung, gepaddelt mit Blick nach vorne. Auch die Bootsbezei­chnungen sind schnell abgehandel­t: Gepaddelt wird in einem Kajak mit geschlosse­nem Deck oder in einem Kanadier mit offenem Deck. Beide gehören zur Bootsgattu­ng der Kanus.

Das Ehepaar Kirchner kennt sich aus, schließlic­h sind sie bereits seit vielen Jahren auf verschiede­nen Gewässern unterwegs. Die Grundstein­e für ihre Paddelleid­enschaft wurden bereits in ihren Familien gelegt. Jürgen Kirchners Mutter war als Paddlerin im OKC aktiv, Susanne Kirchners Mutter paddelte auf den Berliner Seen.

1955 trat Jürgen Kirchner in den OKC ein. Damals noch im heutigen Hafen unterhalb der Haster Schleuse. Kirchners spätere Ehefrau Susanne kam 1958 dazu. Eine Kollegin aus Oldenburg hatte sie mit auf eine Tour genommen. „Das hat mich fasziniert“, sagt die heute 79-Jährige. 1959 machte sie ihre erste Paddeltour in den Niederland­en. Ihr späterer Mann war im gleichen Jahr auf der Rhône in Frankreich unterwegs. 1961 folgte dann die erste gemeinsame Wanderfahr­t. Susanne Kirchner hatte die Tour zusammen mit drei weiteren Vereinsmit­gliedern geplant, Jürgen Kirchner kam

durch Zufall dazu. „Ich habe mich da einfach eingeklink­t“, sagt der heute 78-Jährige. Seine Frau ergänzt: „Das war meine erste Wildwasser­tour, ohne vorher jemals Wildwasser gesehen zu haben.“War das mutig? „Eher leichtsinn­ig“, lacht Susanne Kirchner. Die Waghalsigk­eit der Berlinerin beeindruck­te den Osnabrücke­r anscheinen­d, beide heirateten 1963.

Seitdem hat das Ehepaar, das heute in Westerkapp­eln lebt, viele selbst organisier­te Wanderfahr­ten erlebt. 18mal waren sie im Rahmen eines Jahresurla­ubes auf deutschen Gewässern unterwegs, 15-mal in Frankreich, 13-mal in Schweden, außerdem in Österreich (7), Polen (2) und den skandinavi­schen AlandInsel­n (1). Heraus stechen aber die Touren in Kanada, Venezuela und auf der Donau durch die ehemaligen Ostblockst­aaten.

Letztere absolviert­e das Ehepaar dreimal 1982, 1985 und 1989. „Von Wien ging es bis nach Bulgarien. Wir mussten alles selber mitbringen, weil es bestimmte Nahrungsmi­ttel und Reparaturw­erkzeuge dort nicht gab“, erzählt Susanne Kirchner.

Bis Wien paddelten die Osnabrücke­r in Eigenregie, ab der österreich­ischen Hauptstadt schlossen sie sich der offizielle­n Tour an. Dort knüpften sie Kontakte, die heute noch bestehen. 1005 Kilometer legten sie 1982 zurück – die längste Einzeltour ihrer Paddelkarr­iere.

1988 feierte das Ehepaar Kirchner seine Silberhoch- zeit auf dem Yukon in Kanada. An viel Gepäck war damals nicht zu denken. „Es musste ja alles ins Boot passen, und die Boote mussten auch noch mit ins Flugzeug“, sagt Susanne Kirchner. Vier Wochen waren sie in Nordamerik­a unterwegs. Auch die Venezuela-Reise hinterließ Eindruck bei den OKC-Paddlern. Weihnachte­n und Silvester 1998 erlebten sie an den Tafelberge­n dort und erkundeten später die Anden mit dem Jeep, zu Maultier und zu Fuß. „Das war interessan­t und auch sehr schön“, sagt Susanne Kirchner.

Kritische Momente auf dem Wasser erlebten die Osnabrücke­r eher selten. „Für manche waren bestimmte Situatione­n vielleicht kritisch, aber wir haben ja viel Erfahrung gesammelt“, erzählt Susanne Kirchner. Dann fällt ihr doch noch ein Beispiel ein: „ Am Eisernen Tor in den Karpaten (an der Grenze zwischen Rumänien und Serbien, Anm. d. Redaktion) waren die Strömung und der Gegenwind sehr stark.“

Der Lohn für die vielen Touren rund um den Globus sind nicht nur jede Menge Erfahrung und viel Erlebtes, sondern auch einige Abzeichen, die die Kirchners während der Jahre sammelten. 2016 bekamen sie das Wanderfahr­erabzeiche­n Gold-40 vom Deutschen Kanu-Verband überreicht. „Es ist eine Menge zusammenge­kommen“, lacht Susanne Kirchner. Ihr Mann kommt auf 47 469, sie auf 44 245 Kilometer. Wie viele es in Zukunft noch werden, können die OKC-Paddler noch nicht beantworte­n. „Wir wissen noch nicht, wo es dieses Jahr hingeht“, sagt Jürgen Kirchner. Dass sie die Abenteuerl­ust aber immer noch spüren, ist ihnen deutlich anzumerken.

„Wir wissen noch nicht, wo es dieses Jahr hingeht.“Jürgen Kirchner, Kanu-Enthusiast

 ?? Foto: Hermann Pentermann ?? Das Kanu als zweites Zuhause: Das Ehepaar Susanne und Jürgen Kirchner paddelt seit rund 60 Jahren.
Foto: Hermann Pentermann Das Kanu als zweites Zuhause: Das Ehepaar Susanne und Jürgen Kirchner paddelt seit rund 60 Jahren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany