Un­sterb­li­che Welt­raumse­rie

„Per­ry Rho­dan“traf 1961 den Zeit­geist und un­ter­hält Fans bis heu­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - MEDIEN / FERNSEHEN AM SONNTAG - Von Frank Jür­gens

Aus­ge­rech­net aus Deutsch­land, dem Land der Kri­mi­fans, stammt „Per­ry Rho­dan“, die lang­le­bigs­te und um­fang­reichs­te Sci­ence-Fic­tionSe­rie der Welt.

OS­NA­BRÜCK Mit dem Da­tum der Ein­füh­rung der Sci­ence-Fic­tion-Heft­ro­man­se­rie „Per­ry Rho­dan“ha­ben ih­re Er­fin­der und Au­to­ren K.H. Scheer und Clark Darl­ton so­wie Kurt Bern­hardt als da­mals ver­ant­wort­li­cher Chef­lek­tor des Mo­ewig Ver­lags voll ins Schwar­ze ge­trof­fen. Just, als die Vor­be­rei­tun­gen für die „gro­ße Welt­raumse­rie“ab­ge­schlos­sen wa­ren, ver­kün­de­te US-Prä­si­dent John F. Ken­ne­dy im Mai 1961, dass die USA Men­schen zum Mond schi­cken woll­ten. Gu­te Schüt­zen­hil­fe für das ers­te „Per­ry Rho­dan“-Heft „Un­ter­neh­men ‚Star­dust‘ , das am 8. Sep­tem­ber 1961 er­schien und mit ei­ner fik­ti­ven ers­ten be­mann­ten Mond­lan­dung los­leg­te.

Zwar ver­schätz­ten sich die Au­to­ren im Jahr 1961 mit der Mond­lan­dung um zwei Jah­re und lie­ßen ih­re As­tro­nau­ten erst im Jahr 1971 auf un­se­rem Erd­tra­ban­ten lan­den. Aber da war ja so­wie­so al­les noch pu­re Fik­ti­on. Doch die da­ma­li­ge Welt­rau­meu­pho­rie sorg­te von An­fang an für ei­nen un­ge­ahn­ten Ver­kaufs­er­folg. Auf 30 Hef­te, viel­leicht 50 wür­de die wö­chent­li­che Se­rie kom­men, dach­ten al­le Be­tei­lig­ten. Und ahn­ten nicht an­satz­wei­se, wie schief sie lie­gen soll­ten.

Mitt­ler­wei­le sind al­lei­ne mehr als 2900 Heft­ro­ma­ne „Per­ry Rho­dan“er­schie­nen. Am 15. Fe­bru­ar 2019 wird Heft Num­mer 3000 das Licht der Öf­fent­lich­keit er­bli­cken. Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen. Und sind auch not­wen­dig. Denn in „Per­ry Rho­dan“wird im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Ti­teln auf dem Heft­chen­markt ei­ne fort­lau­fen­de Ge­schich­te er­zählt, die sich in Zy­klen von zu­meist 50 bis 100 Hef­ten und mitt­ler­wei­le über den Zei­t­raum vie­ler Tau­send Jah­re er­streckt. Um so ei­nen Hand­lungs­auf­bau strin­gent wei­ter­füh­ren zu kön­nen, braucht es pe­ni­ble Pla­nung.

Die zahl­rei­chen Au­to­ren rich­ten sich in­halt­lich nach Ex­po­sé-Vor­la­gen. Die stam­men der­zeit von Hart­mut Kas­per ali­as Wim Van­de­ma­an und Chris­ti­an Mon­til­lon, die auch als Au­to­ren tä­tig sind. Das Prin­zip äh­nelt dem der mo­der­nen TV-Se­ri­en­pro­duk­ti­on, wo­bei hier „Per­ry Rho­dan“-Chef­re­dak­teur Klaus N. Frick als „Mann im Hin­ter­grund“die Fä­den zu­sam­men­hält.

Ne­ben der ei­gent­li­chen Heft­serie gab und gibt es zahl­rei­che Ab­le­ger. Mit „Per­ry Rho­dan Neo“er­scheint seit dem 50. Ge­burts­tag der Heft­serie im Jahr 2011 so­gar ei­ne al­ter­na­ti­ve Neu­fas­sung, in der der un­sterb­li­che Welt­raum­held erst 2036 auf dem Mond lan­det. Nicht nur „Star Trek„-Fans müs­sen sich in ver­schie­de­nen Uni­ver­sen zu­recht­fin­den.

Was aber ge­nau hin­ter dem Er­folg des lang­le­bi­gen, of­fen­bar tat­säch­lich un­sterb­li­chen Phä­no­men „Per­ry Rho­dan“steckt, lässt sich trotz vie­ler Ver­su­che bis heu­te nicht ge­nau er­klä­ren. Al­lei­ne für den Klas­si­ker „Per­ry Rho­dan“be­trägt die wö­chent­li­che Druck­auf­la­ge laut Ver­lags­an­ga­ben für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se stol­ze 60000 Ex­em­pla­re. Nicht mit­ge­rech­net Ab­le­ger wie „Per­ry Rho­dan Neo“so­wie E-Books.

Da ist die Ver­lags­uni­on Pa­bel-Mo­ewig, bei der die Se­rie heut­zu­ta­ge er­scheint, längst in der Zu­kunft an­ge­kom­men. Bei­na­he al­les, was un­ter der Mar­ke „Per­ry Rho­dan“je­mals ge­druckt wur­de, ist mitt­ler­wei­le je­der­zeit auf elek­tro­ni­schem We­ge er­hält­lich. Laut Ver­lags­an­ga­ben kom­men da mit den zahl­rei­chen Ab­le­gern ins­ge­samt mehr als 4700 EBooks zu­sam­men.

Da stößt man dann bei den ganz frü­hen Ex­em­pla­ren frei­lich auf In­hal­te, die we­gen ih­rer Welt­raum­bal­le­rei­en vor al­len Din­gen in den spä­ten 1960er Jah­ren zu har­scher, über­zo­ge­ner Kri­tik führ­ten. In ei­nem 1969 ge­sen­de­ten Bei­trag des TV-Po­lit­ma­ga­zins „Mo­ni­tor“wur­de die Ti­tel­fi­gur Per­ry Rho­dan bei­spiels­wei­se als „Er­satz­füh­rer“stig­ma­ti­siert. Aber die Art der Kon­flikt­lö­sun­gen in­ner­halb der Se­rie än­der­te sich par­al­lel zu den tat­säch­li­chen po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Die rea­le Ent­span­nungs­po­li­tik Wil­ly Brandts et­wa schlug sich auch im „Per­ry Rho­dan“-Uni­ver­sum nie­der. So­wie­so re­flek­tiert die Se­rie seit ih­rem Er­schei­nen im Jahr 1961 – wenn auch häu­fig un­be­wusst – die ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Wirk­lich­keit.

Heut­zu­ta­ge be­geg­net so­gar die ge­stren­ge Li­te­ra­tur­kri­tik dem Phä­no­men „Per­ry Rho­dan“mit pro­sai­scher Ge­las­sen­heit. Im an­läss­lich des 50. Ge­burts­ta­ges der Heft­serie ge­dreh­ten Dokumentar­film „Per­ry Rho­dan – Un­ser Mann im All“(2011) lobt selbst „Druck­frisch“-Mo­de­ra­tor und Li­te­ra­tur­kri­ti­ker De­nis Scheck die Heft­serie un­ter an­de­rem we­gen ih­rer Kom­ple­xi­tät – und ern­tet da­für prompt Un­ver­ständ­nis in der „Zeit“.

Apro­pos Film. Ein­mal gab es tat­säch­lich den Ver­such, die Heft­serie auf die gro­ße Lein­wand zu brin­gen. Die ita­lie­ni­sche Pro­duk­ti­on „…4 …3 …2 …1 …mor­te“, in Deutsch­land um 15 Mi­nu­ten ge­kürzt und 1967 un­ter dem Ti­tel „Per­ry Rho­dan – SOS aus dem Wel­tall“in die Ki­nos ge­bracht, flopp­te gna­den­los.

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Foto: Pa­bel-Mo­ewig Ver­lag KG

Der Welt­rau­meu­pho­rie der 1960er-Jah­re sei Dank: Mit der Nr. 1 „Un­ter­neh­men ‚Star­dust‘“be­gan­nen am 8. Sep­tem­ber 1961 die Aben­teu­er von Per­ry Rho­dan. Mitt­ler­wei­le sind mehr als 2900 Hef­te er­schie­nen. Im Fe­bru­ar 2019 er­scheint der 3000. Band.

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