An­ge­brach­ter Akt der Eman­zi­pa­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - WIRTSCHAFT - Von Thomas Lud­wig t.lud­wig@noz.de

Dass sich eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men eher vom ira­ni­schen Markt ver­ab­schie­den, als auf Ge­schäf­te in den USA zu ver­zich­ten, ist ih­nen an­ge­sichts des un­glei­chen Vo­lu­mens nicht vor­zu­wer­fen. Sie tra­gen Ver­ant­wor­tung ge­gen­über Be­schäf­tig­ten und Ei­g­nern. Die Po­li­tik muss ver­su­chen zu ret­ten, was zu ret­ten ist.

Der Wirt­schaft un­ter die Ar­me grei­fen zu wol­len ist

Iran er­öff­net, vie­le sind be­reits wie­der ge­schlos­sen“, sag­te der Au­ßen­han­dels­ex­per­te. Denn Fir­men und Ban­ken, die Ge­schäf­te im Iran ma­chen oder sol­che ab­wi­ckeln, müs­sen da­mit rech­nen, selbst Ziel der US-Sank­tio­nen zu wer­den.

Zu­erst hat­te das „Han­dels­blatt“über die mög­li­che Clea­ring-Stel­le zur Auf­recht­er­hal­tung der Ge­schäfts­be­zie­hun­gen be­rich­tet. Dem­nach wür­de die In­sti­tu­ti­on wie ei­ne Art Tausch­bör­se funk­tio­nie­ren, in der fi­nan­zi­el­le An­sprü­che von ira­ni­schen und eu­ro­päi­schen Un­ter­neh­men ge­gen­ein­an­der ver­rech­net wür­den. Sinn wä­re es, Ge­schäf­te ab­seits der üb­li­chen Bank­trans­ak­tio­nen ab­zu­wi­ckeln.

Wenn et­wa der Iran Öl nach Spa­ni­en lie­fe­re und ein deut­scher Ma­schi­nen­bau­er ei­ne Fa­b­rik in Te­he­ran aus­stat­te, Bot­schaft an US-Prä­si­dent Do­nald Trump: Wir las­sen uns nicht er­pres­sen. Und die ist an­ge­bracht.

Die USA ha­ben das Atom­ab­kom­men mit dem Iran oh­ne stich­hal­ti­ge Grün­de ge­kün­digt; die In­ter­na­tio­na­le Atom­auf­sicht be­schei­nigt Te­he­ran bis heu­te, al­le Auf­la­gen um­zu­set­zen. Die USA schert das nicht; sie brüs­kie­ren zu­dem Part­ner und neh­men in Kauf, ih­nen wirt­schaft­lich

kön­ne das Geld, das aus Spa­ni­en an den Iran flie­ßen müss­te, ver­wen­det wer­den, um die Rech­nung des deut­schen Ma­schi­nen­bau­ers zu be­glei­chen.

Schon im No­vem­ber droht ei­ne wei­te­re Ver­schär­fung der US-Sank­tio­nen. Kon­zer­ne wie Daim­ler, Sie­mens und die Deut­sche Bahn ha­ben ihr En­ga­ge­ment im Iran be­reits ge­dros­selt oder ein­ge­fro­ren aus zu scha­den. Be­grif­fe wie Ver­bün­de­te, Ver­läss­lich­keit oder Ver­trags­treue sind mit Trump auf den Hund ge­kom­men. Sei­ne Sank­ti­ons­po­li­tik un­ter­schei­det kaum mehr zwi­schen Freund und Feind. Des­halb müs­sen der An­kün­di­gung aus Berlin und Brüssel, sich von den USA eman­zi­pie­ren zu wol­len, auch Ta­ten fol­gen. Angst vor Nach­tei­len auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt.

„Die Bun­des­re­gie­rung ar­bei­tet mit dem Eu­ro­päi­schen Aus­wär­ti­gen Di­enst und der EU-Kom­mis­si­on so­wie Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en dar­an, un­ab­hän­gi­ge Zah­lungs­ka­nä­le nach Iran auf­recht­zu­er­hal­ten“, hieß es auf An­fra­ge aus dem Aus­wär­ti­gen Amt. Die Be­ra­tun­gen sei­en „in­ten­siv und dau­ern an“.

frei­lich nur das ei­ne. Das an­de­re ist die po­li­ti­sche Di­men­si­on, die in dem Vor­ha­ben eu­ro­päi­scher Staa­ten steckt, We­ge für Ge­schäf­te mit dem Iran aus­zu­lo­ten, oh­ne dass die­se in der Fol­ge von den USA sank­tio­niert wer­den. Die

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