Zu vie­le Kei­me im Kli­nik-Es­sen?

Bun­des­be­hör­de: Ge­fahr von Kei­men in be­stimm­ter Nah­rung be­son­ders hoch

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEITE - Dpa

BER­LIN Kei­me im Es­sen: Nach Mei­nung des Bun­des­am­tes für Ver­brau­cher­schutz und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (BVL) set­zen zu vie­le deut­sche Kli­ni­ken und Hei­me Pa­ti­en­ten un­nö­ti­gen Ge­sund­heits­ri­si­ken aus.

Mett­wurst im Heim, Räu­cher­fisch in der Kli­nik? Was Be­woh­nern und Pa­ti­en­ten­gutschme­cken­mag, treibt Le­bens­mit­tel­kon­trol­leu­ren we­gen er­höh­ter Keim­ge­fahr Sor­gen­fal­ten auf die Stirn.

BER­LIN Wenn Opa nach ei­ner Ope­ra­ti­on zum Abend­brot im Kran­ken­haus Tee­wurst be­kommt, sind Le­bens­mit­tel­kon­trol­leu­re alar­miert. Denn die­ser Auf­strich ge­hört zu den Roh­würs­ten. Bei sol­chen Fleisch­pro­duk­ten liegt das Keim­ri­si­ko ge­ne­rell hö­her. Nach Mei­nung des Bun­des­am­tes für Ver­brau­cher­schutz und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (BVL) set­zen zu vie­le deut­sche Kli­ni­ken und Hei­me Pa­ti­en­ten und Be­woh­ner mit ih­rer Es­sens­ver­pfle­gung solch un­nö­ti­gen Ge­sund­heits­ri­si­ken aus. „Es ist er­schre­ckend, dass in so vie­len Ein­rich­tun­gen, in de­nen man ge­sund wer­den soll, das Ri­si­ko be­steht, am Es­sen zu er­kran­ken“, sag­te BVL-Prä­si­dent Helmut Tschier­sky ges­tern in Ber­lin.

Be­leg da­für sei­en die 1880 bun­des­wei­ten Kli­nik- und Heim­kon­trol­len im Jahr 2017, er­läu­ter­te Tschier­sky. Mehr als die Hälf­te der Be­trie­be (55 Pro­zent) kann­ten laut BVL nicht die Le­bens­mit­t­el­emp­feh­lun­gen für Spei­se­plä­ne. Des­halb be­ka­men Pa­ti­en­ten und Be­woh­ner zum Bei­spiel Har­zer und Lim­bur­ger Kä­se so­wie Räu­cher­fisch ser­viert. Rot­schmier­kä­se und un­ge­koch­ter Fisch kön­nen wie Roh­würs­te, Fein­kost­sa­la­te und Tief­kühl­bee­ren nach BVLAn­ga­ben je­doch leich­ter mit Kei­men wie zum Bei­spiel Lis­te­ri­en, E.co­li oder Sal­mo­nel­len be­las­tet sein. Sie kön­nen da­mit kran­ken oder al­ten Men­schen scha­den. Bei ge­sun­den Men­schen sei­en sol­che Le­bens­mit­tel in der Re­gel nicht pro­ble­ma­tisch, sag­te Tschier­sky. Bei Vo­r­er­kran­kun­gen könn­ten Le­bens­mit­tel­in­fek­tio­nen aber dra­ma­ti­sche Ver­läu­fe neh­men – bis hin zu To­des­fäl­len.

Nur je­des zehn­te kon­trol­lier­te Kran­ken­haus oder Heim ha­be bei der Es­sens­ver­sor­gung be­wusst auf Ri­si­ko­Le­bens­mit­tel ver­zich­tet. Über Grün­de kön­ne er nur spe­ku­lie­ren, sagt Tschier­sky. Er sieht mög­li­che Ur­sa­chen eher nicht im Wunsch nach Kos­ten­er­spar­nis durch die Aus­la­ge­rung der Ver­pfle­gung an ex­ter­ne Ca­te­rer. „Ich glau­be, es gibt hier wirk­lich ein In­for­ma­ti­ons­de­fi­zit“, er­gänz­te er. Um es klar­zu­stel­len: Es geht um po­ten­zi­el­le Ge­fah­ren. Die Bun­des­be­hör­de hat bei der Kli­nik- oder Heim­ver­pfle­gung 2017 nicht kon­kret nach Kei­men und nach Be­le­gen für tat­säch­li­che Le­bens­mit­tel­in­fek­tio­nen durch die Ver­pfle­gung ge­sucht. Für das Ri­si­ko durch Roh­wurst fan­den sich bei den ge­ne­rel­len Be­triebs­kon­trol­len 2017 aber in­di­rekt vie­le An­halts­punk­te. Bei je­der ach­ten Pro­be streich­fä­hi­ger Roh­wurst, die Kon­trol­leu­re un­ter­such­ten, fan­den sie Lis­te­ri­en.

Die Deut­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft hat­te nach ei­ge­nen An­ga­ben bis­her nicht die Ge­le­gen­heit, die Zah­len zu prü­fen. Sie sieht das Ge­sund­heits­ri­si­ko in Kli­ni­ken für die ge­fähr­de­te Pa­ti- en­t­en­grup­pe aber wei­test­ge­hend aus­ge­schlos­sen. Die Ver­brau­cher­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on food­watch kri­ti­sier­te, dass die Er­geb­nis­se der Le­bens­mit­tel­über­wa­chung nur an­onym ver­öf­fent­licht wür­den. Bei ih­ren rund ei­ner hal­ben Mil­li­on Be­triebs­kon­trol­len re­gis­trier­ten Le­bens­mit­tel­kon­trol­leu­re 2017 rund 68 000 Ver­stö­ße – am häu­figs­ten ge­gen Be­triebs­hy­gie­ne und Hy­gie­ne­ma­nage­ment.

Fo­to: dpa/Da­ni­el Kar­mann

Ge­fähr­li­ches Es­sen? Ver­brau­cher­schüt­zer war­nen vor Kei­men in Kran­ken­haus- und Heim-Es­sen.

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