Wil­de di­gi­ta­le Müll­kip­pe

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - IM LEBEN - Von Ma­ik Nol­te

W irk­lich Freu­de macht der Blick ins pri­va­te E-MailPost­fach ja schon lan­ge nicht mehr. Freun­de, die mir et­was mit­tei­len wol­len, ma­chen das längst über Mes­sen­ger­diens­te – ein paar nut­zen so­gar, ver­mut­lich aus nost­al­gi­schen Grün­den, noch die gu­te al­te SMS. Wol­len Be­hör­den, Ver­sor­ger oder Ban­ken et­was von mir, schi­cken sie ei­nen Brief.

Aber Mails? Die wür­den doch eh nur un­ter­ge­hen: Ge­fühl­te 99 Pro­zent be­ste­hen aus News­let­tern, die ich in die­sem Le­ben of­fen­bar nicht mehr los­wer­de (ge­schwei­ge denn: nie­mals be­stellt hat­te). Dan­ke für nichts, Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung! Beim Ver­such, ei­nen News­let­ter ab­zu­be­stel­len, hilft rein gar nichts – we­der For­mu­lie­run­gen in leich­ter Spra­che noch die Ver­wen­dung über­di­men­sio­na­ler Schrif­ten noch die An­dro­hung phy­si­scher Ge­walt. Man wird sie nicht los, sie sind der Her­pes des di­gi­ta­len Zeit­al­ters. Es dürf­te ein­fa­cher sein, ei­nen Dok­tor­grad in Quan­ten­phy­sik zu er­lan­gen, als ein Ho­tel, das man vor zwölf Jah­ren mal on­li­ne ge­bucht hat, da­von ab­zu­brin­gen, ei­nen re­gel­mä­ßig mit Son­der­an­ge­bo­ten zu ner­ven.

Al­lein in Deutsch­land wer­den in die­sem Jahr mehr als 900 Mil­li­ar­den E-Mails ver­schickt; Spams noch nicht ein­mal ein­ge­rech­net. Macht rund 11 000 pro Ein­woh­ner, Neu­ge­bo­re­ne ein­ge­schlos­sen. Man darf da­von aus­ge­hen, dass die al­ler­meis­ten die­ser Mails un­er­wünsch­te sind. Wür­de man sie be­steu­ern, wä­ren schlag­ar­tig die meis­ten Pro­ble­me des Lan­des ge­löst. Bis es so weit ist, weh­re ich mich auf mei­ne Art: Ab dem­nächst wird zu­rück­ge­news­let­tert, was das Zeug hält. Ich schrei­be al­len Ab­sen­dern, die mein Post­fach zu­müllen, künf­tig re­gel­mä­ßig, was ich ge­früh­stückt ha­be. Nehmt dies, Ner­ven­sä­gen! Ob­wohl: Bringt mir ver­mut­lich nur News­let­ter von Jo­ghurtund Brot­auf­strich­her­stel­lern ein. Seufz.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.