„Agrar­re­form wird zum Lack­mus­test“

Pre­mier Ne­tan­ja­hu kämpft um sei­ne Wie­der­wahl und schmie­det Anne­xi­ons­plä­ne

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEIT­E -

Eu­ro­pas Grü­ne for­dern die de­si­gnier­te EU-Kom­mis­si­on auf, ei­nen neu­en Vor­schlag zur Agrar­re­form vor­zu­le­gen und kli­ma­feind­li­che Sub­ven­tio­nen im neu­en Fi­nanz­rah­men zu strei­chen. „Das wird ein Lack­mus­test“, sag­te die Frak­ti­ons­Co-Che­fin, Ska Kel­ler, im Ge­spräch.

Ei­ne Wo­che vor der Par­la­ments­wahl in Is­ra­el hat Mi­nis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu mit der an­ge­kün­dig­ten Anne­xi­on des Jor­d­an­tals in­ter­na­tio­nal har­sche Kri­tik aus­ge­löst. Der Re­gie­rungs­chef hat­te er­klärt, im Fal­le sei­nes Wahl­siegs am 17. Sep­tem­ber wer­de Is­ra­el um­ge­hend sei­ne Sou­ve­rä­ni­tät auf das Ge­biet im be­setz­ten West­jor­dan­land aus­deh­nen. Un­ter an­de­rem kri­ti­sier­ten die EU, Sau­di-Ara­bi­en und die Tür­kei die An­kün­di­gung und warn­ten vor ei­ner Es­ka­la­ti­on im Na­hen Os­ten.

Bei der Wahl am kom­men­den Di­ens­tag zeich­net sich ein knap­pes Ren­nen zwi­schen Ne­tan­ja­hus rechts­kon­ser­va­ti­vem Li­kud und dem op­po­si­tio­nel­len Bünd­nis der Mit­te, Blau-Weiß von Ex-Mi­li­tär­chef Ben­ny Gantz, ab. Mit dem jüngs­ten Vor­stoß, ver­sucht Ne­tan­ja­hu die kon­ser­va­ti­ven Sied­ler noch stär­ker für sich zu ge­win­nen.

Is­ra­el hat­te 1967 im Sechs­ta­ge­krieg un­ter an­de­rem das West­jor­dan­land und Ost-Je­ru­sa­lem er­obert. Dort le­ben heu­te mehr als 600 000 is­rae­li­sche Sied­ler in mehr als 200 Sied­lun­gen. Das Jor­d­an­tal ver­läuft ent­lang Is­ra­els Gren­ze zu Jor­da­ni­en. Dort le­ben nach An­ga­ben der is­rae­li­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Bets­e­lem un­ge­fähr 60 000 Pa­läs­ti­nen­ser und et­wa 5000 is­rae­li­sche Sied­ler.

Die Pa­läs­ti­nen­ser be­an­spru­chen das West­jor­dan­land als Teil ei­nes künf­ti­gen ei­ge­nen Staa­tes. Mit ei­ner Anne­xi­on von Ge­bie­ten dort wür­de die­ses Ziel noch un­wahr­schein­li­cher.

Die USA wol­len in Kür­ze ei­nen Frie­dens­plan zur Lö­sung des Kon­flikts zwi­schen Is­ra­el und den Pa­läs­ti­nen­sern prä­sen­tie­ren. Dies bö­te „ei­ne his­to­ri­sche Ge­le­gen­heit, is­rae­li­sche Sou­ve­rä­ni­tät auf Sied­lun­gen in Ju­däa und Sa­ma­ria (West­jor­dan­land) aus­zu­deh­nen“, sag­te Ne­tan­ja­hu. Er wer­de da­mit je­doch

bis zur Prä­sen­ta­ti­on des Plans war­ten, der nach der Wahl vor­ge­stellt wer­den soll. Im Jor­d­an­tal kön­ne er aber di­rekt ak­tiv wer­den, be­ton­te er. Be­rich­ten zu­fol­ge fand sei­ne An­kün­di­gung in Ab­spra­che mit den USA statt.

Die EU ver­ur­teil­te die An­kün­di­gung Ne­tan­ja­hus. Wie bei zahl­rei­chen Mi­nis­ter­rä­ten be­kräf­tigt wor­den sei,

„Deutsch­land und die EU dür­fen nicht ta­ten­los zu­se­hen, wie die is­rae­li­sche Re­gie­rung durch ihr Agie­ren ei­ne Zwei-Staa­ten-Lö­sung in im­mer wei­te­re Fer­ne rückt“, for­der­te die Vor­sit­zen­de der eu­ro­päi­schen Grü­nen im EUPar­la­ment, Ska Kel­ler.

Das Kö­nigs­haus von Sau­di-Ara­bi­en teil­te mit, die von Ne­tan­ja­hu vor­ge­brach­te Maß­nah­me sei ei­ne ge­fähr­li­che Es­ka­la­ti­on ge­gen­über dem pa­läs­ti­nen­si­schen Volk. Der tür­ki­sche Au­ßen­mi­nis­ter Mev­lüt Ca­vu­sog­lu schrieb auf Twit­ter, Ne­tan­ja­hu ver­brei­te „il­le­ga­le, rechts­wid­ri­ge und ag­gres­si­ve“Bot­schaf­ten. Die Rech­te ih­rer „pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­schwis­ter“wer­de die Tür­kei „bis zum En­de ver­tei­di­gen“.

Fo­to: AFP/Ha­zem Ba­der

Is­rae­li­sche Sol­da­ten schüt­zen ei­nen Bag­ger, der pa­läs­ti­nen­si­sche Hüt­ten im West­jor­dan­tal zer­stört.

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