Gru­ben­un­fall en­det glimpf­lich

Zwei Ver­letz­te in al­tem Berg­werk bei Hal­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEIT­E -

Nach ei­ner Ver­puf­fung in dem ehe­ma­li­gen Ka­li­salz-Berg­werk Teut­schen­thal in Sach­sen-An­halt ha­ben mehr als 30 Ar­bei­ter stun­den­lang in rund 700 Me­ter Tie­fe aus­har­ren müs­sen. Zwei Berg­män­ner im Al­ter von 24 und 44 Jah­ren wur­den bei dem Un­glück in der heu­ti­gen De­po­nie ges­tern ver­letzt, der äl­te­re der bei­den schwe­rer. Bei­de Ver­letz­ten wur­den un­ver­züg­lich an die Ober­flä­che ge­bracht.

Die üb­ri­gen Kol­le­gen flüch­te­ten sich in zwei un­ter­ir­di­sche Si­cher­heits­räu­me. Sie wur­den spä­ter al­le­samt wohl­be­hal­ten ans Ta­ges­licht ge­bracht, wie die Po­li­zei mit­teil­te.

Ges­tern um 8.57 Uhr geht in der Gru­be Teut­schen­thal im Sü­den Sach­sen-An­halts ein Alarm los. Un­ter Ta­ge gibt es ei­ne Ver­puf­fung. Zwei Berg­leu­te, ein 24-Jäh­ri­ger und ein 44Jäh­ri­ger, wer­den ver­letzt. Die Gru­ben­wehr rückt aus, ein oft ge­üb­tes Ret­tungs­kon­zept wird in Gang ge­setzt. 36 wei­te­re Berg­leu­te, die sich in der Gru­be auf­hal­ten, ret­ten sich nach An­ga­ben der Po­li­zei in zwei vor­ge­se­he­ne Si­cher­heits­be­rei­che. Zu­nächst heißt es, sie sei­en ein­ge­schlos­sen wor­den. Das sei aber nicht der Fall ge­we­sen, be­tont der tech­ni­sche Ge­schäfts­füh­rer der Gru­be, Erik Fil­lin­ger, am Nach­mit­tag.

Den Ma­na­ger er­reicht der Gru­ben­alarm auf dem Han­dy. „Das war na­tür­lich erst mal ein Schock“, sagt Fil­lin­ger. Er fährt so­fort zu dem Be­triebs­ge­län­de. Die Gru­ben­wehr ha­be die bei­den ver­letz­ten Kol­le­gen aus dem al­ten Ka­li-Berg­werk nach oben brin­gen kön­nen. „Sie konn­ten lau­fen und wa­ren an­sprech­bar“, be­rich­tet Fil­lin­ger. Wel­che Ver­let­zun­gen sie ge­nau er­lit­ten, war bis zum Abend noch un­klar. Der Äl­te­re ha­be durch her­um­flie­gen­des Ma­te­ri­al Schürf­wun­den im Ge­sicht er­lit­ten.

Bei­de hät­ten un­ter Schock ge­stan­den und sei­en nach Hal­le ins Kran­ken­haus ge

bracht wor­den. Die an­de­ren Berg­leu­te ka­men un­ver­sehrt wie­der ins Freie.

Was die Ver­puf­fung aus­ge­löst hat, war wei­ter un­klar. Die Gru­be Teut­schen­thal ist ein frü­he­res Ka­li-Berg­werk, das 1982 still­ge­legt wur­de. Zwei gro­ße Ab­raum­hal­den in dem Ort kün­den von der Berg­bau­ver­gan­gen­heit. Die al­te Gru­be mit ei­ner Aus­deh­nung von rund 10 Ki­lo­me­tern muss ge­si­chert wer­den. Das war auch die Ar­beit der Berg­leu­te: Sie fül­len so­ge­nann­tes Ver­satz­ma­te­ri­al in die Hohl­räu­me – das sind meist Fil­ter­stäu­be aus Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen. In die­sen Ma­te­ria­li­en ist auch Was­ser­stoff ge­bun­den. Die Po­li­zei und das Lan­des­amt für Geo­lo­gie und Berg­we­sen nah­men Er­mitt­lun­gen zu dem Un­glück

auf. Nie­mand darf der­zeit oh­ne Sau­er­stoff­ver­sor­gung un­ter Ta­ge. Die Gru­ben­wehr nimmt so­ge­nann­te Wet­ter­mes­sun­gen vor, prüft al­so die Gas­kon­zen­tra­ti­on. Erst wenn die Wer­te un­be­denk­lich sei­en, wer­de die Gru­be in Ab­stim­mung mit dem Lan­des­berg­amt wie­der ge­öff­net, sagt Fil­lin­ger. Solch ei­nen Un­fall ha­be es in Teut­schen­thal zu­vor noch nicht ge­ge­ben. Wie lan­ge die Mes­sun­gen dau­ern, weiß Fil­lin­ger nicht. Für ihn steht nach dem gro­ßen Schreck im Vor­der­grund, dass die Berg­leu­te in Si­cher­heit sind. „Ich war am En­de sehr er­leich­tert, als ich die bei­den Kol­le­gen, die lei­der ei­ne Ver­let­zung da­von­ge­tra­gen ha­ben, ge­se­hen ha­be und mit dem ei­nen auch noch mal re­den konn­te.“

Fo­to: dpa/Pe­ter En­dig

Die gro­ße Ka­ta­stro­phe blieb aus: das still­ge­leg­te Berg­werk in Teut­schen­thal.

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