Tat­too-Sze­ne in Auf­ruhr: Ein Farb­ver­bot droht

Has­ber­ger kämpft ge­gen EU-Vor­ha­ben

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - REGION - Von Micha­el Pohl

Die Eu­ro­päi­sche Che­mi­ka­li­en­agen­tur will be­stimm­te Pig­men­te ver­bie­ten las­sen, die bei far­bi­gen Tat­toos ver­wen­det wer­den.

Weil die Eu­ro­päi­sche Che­mi­ka­li­en­agen­tur (ECHA) be­stimm­te Farb­pig­men­te in Grün und Blau ver­bie­ten las­sen will, ist die Tat­too-Sze­ne der­zeit in hel­lem Auf­ruhr. Jetzt regt sich groß­flä­chi­ger Wi­der­stand ge­gen das Ver­bot, auch aus Os­na­brück.

Ur­sa­che für die Auf­re­gung ist die Emp­feh­lung der ECHA, die Pig­men­te Blue16 (74160/Blau) und Gre­en7 (74260/Grün) für il­le­gal er­klä­ren zu las­sen. Die Ent­schei­dung über ein sol­ches Ver­bot trifft die EU-Kom­mis­si­on auf Ba­sis der Emp­feh­lung der ECHA. Wann die­se Ent­schei­dung fällt, steht im Mo­ment noch nicht fest.

Laut der ak­tu­el­len Kos­me­tik-Ver­ord­nung sind die­se Stof­fe be­reits für Haar­fär­be­mit­tel ver­bo­ten. Zu die­sem Ver­bot kam es, weil die Far­be zum Teil noch wo­chen­lang auf der Kopf­haut zu se­hen ge­we­sen sei. Un­ter an­de­rem we­gen die­ser Nach­hal­tig­keit sol­len die Pig­men­te jetzt auch für Tä­to­wier­far­ben ver­bo­ten wer­den. Da­ge­gen regt sich Wi­der­stand in der Sze­ne.

„Wir brau­chen ge­ra­de die­se Ei­gen­schaft der gu­ten Halt­bar­keit“, stellt der Has­ber­ger Tä­to­wie­rer Si­mon Pri­or fest. Er be­treibt ge­mein­sam mit sei­ner Frau Vio­la seit ei­ni­gen Jah­ren das Stu­dio „The Need­le“un­weit des Salz­mark­tes in der Os­na­brü­cker In­nen­stadt.

„Der Groß­teil un­se­rer Kun­den wünscht ein far­bi­ges Tat­too“, sagt Pri­or. Weil die bei­den Pig­men­te als Gr­und­far­ben

Si­mon Pri­or, Tä­to­wie­rer

für die Mi­schung di­ver­ser Farb­tö­ne die­nen, fürch­ten Pri­or und sei­ne Kol­le­gen um ih­re Exis­tenz. „Wenn das Ver­bot kommt, fal­len für uns et­wa 60 Pro­zent al­ler Far­ben weg.“Zwar ge­be es die Mög­lich­keit, an­de­re Pig­men­te zu nut­zen, die­se sei­en aber in der Qua­li­tät nicht mit den zur Dis­po­si­ti­on

ste­hen­den Stof­fen ver­gleich­bar.

Hin­zu kommt laut Pri­or, dass die Er­satz­pig­men­te bio­lo­gisch ab­bau­bar sei­en. „Die ver­schwin­den nach ein paar Wo­chen wie­der.“Wenn nur die­se Mit­tel le­gal ein­ge­setzt wer­den dürf­ten, dann kön­ne kein se­ri­ös ar­bei­ten­der Künst­ler mehr ei­ne Qua­li­täts­ga­ran­tie ab­ge­ben. Sinn ei­nes Tat­toos sei es ja ge­ra­de, dass ein Mo­tiv lan­ge in gu­ter Qua­li­tät auf der Haut sicht­bar blei­be.

Um ge­gen das ge­plan­te Ver­bot zu pro­tes­tie­ren, hat sich die ge­sam­te Mann­schaft des Stu­di­os „The Need­le“ent­schlos­sen, die On­li­ne-Pe­ti­ti­on der Dach­ver­bän­de ih­res Be­rufs­zwei­ges zu un­ter­stüt­zen.

Ge­mein­sam ha­ben der Bun­des­ver­band Tat­too (BVT), der Uni­ted Eu­ro­pean Tat­too Ar­tists (UETA) und die Deut­schen Or­ga­ni­sier­ten Tä­to­wie­rer (DOT) ei­ne Bro­schü­re mit dem, nicht auf den ers­ten Blick ver­ständ­li­chen, Ti­tel „Tat­too­far­ben – un­der­bar oder re­gel­ground“her­aus­ge­ge­ben. In die­sem

Der Has­ber­ger Tä­to­wie­rer Si­mon Pri­or un­ter­stützt die Pe­ti­ti­on ge­gen das Ver­bot be­stimm­ter Far­ben. Die ge­sam­te Pa­let­te der im un­te­ren Re­gal­fach ab­ge­stell­ten Far­ben dürf­te im Fal­le ei­nes Ver­bo­tes nicht mehr be­nutzt wer­den.

Heft wird auf ei­ne seit dem 15. Ja­nu­ar lau­fen­de On­line­Pe­ti­ti­on hin­ge­wie­sen.

Ein­ge­reicht hat­te die­se Pe­ti­ti­on der CEO der Ma­gic Moon Tat­too­ing Gm­bH Jörn El­sen­bruch. Er ist gleich­zei­tig Mit­glied im DOT. Ver­öf­fent­licht wur­de die Pe­ti­ti­on auf der Platt­form open­pe­ti­ti­on.de. Die Initia­to­ren die­ser

Bür­ger­be­tei­li­gung wol­len da­mit er­rei­chen, dass sich der Pe­ti­ti­ons­aus­schuss des Bun­des­ta­ges mit dem The­ma be­fasst. Auf die­se Wei­se wol­len sie mit­tel­bar Ein­fluss auf die EU-Ent­schei­dung über ein Ver­bot der Farb­pig­men­te neh­men.

Da­mit der Aus­schuss öf­fent­lich über ei­ne Pe­ti­ti­on be­rät, ist es er­for­der­lich, dass in­ner­halb von vier Wo­chen die Pe­ti­ti­on von mehr als 50 000 Men­schen un­ter­stützt wird.

Die­se Hür­de hat die Tat­too-Pe­ti­ti­on be­reits in den ers­ten St­un­den nach Frei­schal­tung der Pe­ti­ti­on über­trof­fen. Ak­tu­ell ha­ben mehr als 110 000 Men­schen die Pe­ti­ti­on un­ter­schrie­ben.

Kommt der Pe­ti­ti­ons­aus­schuss zu dem Schluss, dass das Ver­bot der Farb­pig­men­te ge­kippt wer­den soll­te, legt er das The­ma dem Bun­des­tag mit ei­ner ent­spre­chen­den Be­schluss­emp­feh­lung vor. Das Ziel: Über Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung Ein­fluss neh­men auf die EU-Ent­schei­dung.

Noch bis zum 15. Fe­bru­ar hat je­der die Mög­lich­keit un­ter https://www.open­pe­ti­ti­on.de/pe­ti­ti­on/on­li­ne/tat­too­far­ben­ret­ten-2020#pe­ti­ti­on-main das An­lie­gen der Tä­to­wie­rer zu un­ter­stüt­zen.

Wer möch­te kann sich laut Pri­or ein Heft im Stu­dio ab­ho­len oder sich auf www.tat­too­far­ben.in­fo über das The­ma in­for­mie­ren.

„Der Groß­teil un­se­rer Kun­den wünscht ein far­bi­ges Tat­too“

Fo­to: dpa/So­phia Kem­bow­ski

Fo­to: Micha­el Pohl

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