Ge­fähr­li­che Tin­te?

Wis­sens­fo­rum: Swen Mal­te John über das Ri­si­ko von Tä­to­wie­run­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - OSNABRÜCK -

Beim 12. Os­na­brü­cker Wis­sens­fo­rum im No­vem­ber 2019 ha­ben wie­der zahl­rei­che Pro­fes­so­ren der Uni­ver­si­tät Os­na­brück Fra­gen von Le­sern der Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung be­ant­wor­tet. Heu­te ein Bei­trag von Gast­au­to­rin Im­ke von Maur, Do­zen­tin am In­sti­tut für Phi­lo­so­phie, zum The­ma „Glüht, juckt und brennt. Wie ge­fähr­lich sind Tä­to­wie­run­gen?“

Glü­hen, ju­cken und bren­nen: Tä­to­wie­run­gen kön­nen zu Pro­ble­men füh­ren. dass Tä­to­wie­run­gen al­le Ar­ten von Pro­ble­men mit sich brin­gen: lo­ka­le In­fek­tio­nen, Fremd­kör­per­re­ak­tio­nen, die sich in Form von schwä­ren­den Kno­ten an den be­trof­fe­nen Haut­par­ti­en ent­wi­ckeln kön­nen, an­de­re chro­ni­sche Ent­zün­dun­gen, Ner­ven­läh­mun­gen, ir­re­ver­si­ble Nar­ben­bil­dun­gen so­wie In­fek­tio­nen mit He­pa­ti­tis B, C oder HIV. In den USA wur­de ge­zeigt, dass Tä­to­wier­te vier­mal häu­fi­ger mit He­pa­ti­tis C in­fi­ziert wa­ren. Ein be­son­de­res Pro­blem stel­len in letz­ter Zeit all­er­gi­sche Re­ak­tio­nen auf die Tä­to­wier­far­ben dar. Da kann ein flach tä­to­wier­ter ro­ter Mund plötz­lich drei­di­men­sio­nal wer­den und, dem The­ma ent­spre­chend, per­ma­nent glü­hen, ju­cken und bren­nen. Die ein­zi­ge The­ra­pie ist, das Tat­too ins­ge­samt her­aus­zu­schnei­den.

Swen Mal­te John lei­tet an der Uni das Fach­ge­biet Der­ma­to­lo­gie, Um­welt­me­di­zin und Ge­sund­heits­wis­sen­schaf­ten.

Kürz­lich wur­de über ver­mehr­te Ni­ckel- und Ko­bal­tall­er­gi­en be­rich­tet, weil Tä­to­wier­na­deln in An­we­sen­heit von ver­schie­de­nen Pig­men­ten die­se Schwer­me­tal­le frei­set­zen. Kurz­um, Tä­to­wie­run­gen sind ei­ne Ar­beits­be­schaf­fungs­maß­nah­me in gro­ßem Stil für Ärz­te der ver­schie­dens­ten Fach­rich­tun­gen – und das auf lan­ge Sicht. Be­un­ru­hi­gend ist die star­ke Zu­nah­me von Tä­to­wier­ten in den letz­ten Jah­ren, wie ge­ra­de im Bun­des­ge­sund­heits­blatt pu­bli­ziert wur­de. Da­nach ist je­der Fünf­te über 14 Jah­ren tä­to­wiert (so vie­le Men­schen wie nie zu­vor). Ganz deut­lich ha­ben die Frau­en auf­ge­holt, die jetzt un­ge­fähr gleich häu­fig wie Män­ner tä­to­wiert sind. Die Spät­fol­gen die­ser Mo­de­tor­heit wer­den wir in den nächs­ten Jahr­zehn­ten noch nä­her stu­die­ren kön­nen.

Le­dig­lich das In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz macht Vor­ga­ben zu Hy­gie­ne­be­din­gun­gen in Tä­to­wier­stu­di­os, an­sons­ten herrscht hier recht­lich ge­se­hen Grau­zo­ne, nicht nur bei den Far­ben. Ins­be­son­de­re fehlt je­de sys­te­ma­ti­sche Auf­klä­rung über Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen, wie sie für al­le Ar­ten von me­di­zi­ni­schen Ein­grif­fen – dar­un­ter un­ver­gleich­lich viel harm­lo­se­re als be­lie­bi­ge Che­mi­ka­li­en un­ter die Haut brin­gen – un­ab­ding­bar vor­ge­schrie­ben ist. Hier setzt un­se­re eu­ro­päi­sche Kam­pa­gne an: „Think be­fo­re you ink!“Sie ver­sucht, jun­gen Men­schen ge­eig­ne­te In­for­ma­tio­nen zu ver­mit­teln, ein­schließ­lich dar­über, wel­che um­fang­rei­chen Pro­ze­du­ren er­for­der­lich sind, um ein Tat­too wie­der los­zu­wer­den. Und dass das viel­fach nicht ge­lingt…

Fo­to: Gert West­dörp

Fo­to: Her­mann Pen­ter­mann

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