Ben­ecke kri­ti­siert Tat­too­far­ben­ver­bot

Dar­um hält Kri­mi­nal­bio­lo­ge Mark Ben­ecke das ge­plan­te Tat­too­far­ben­ver­bot für sinn­los

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEIT­E - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

Mark Ben­ecke, Kri­mi­nal­bio­lo­ge und Vor­sit­zen­der des Ver­eins Pro Tat­too, hält das ge­plan­te Ver­bot be­stimm­ter Tat­too­far­ben für „sinn­los“. Es tref­fe die sau­ber ar­bei­ten­den Her­stel­ler, die dann ih­re Lä­den schlie­ßen müs­sen. Üb­rig blie­ben „Mur­xer“.

Mark Ben­ecke, Kri­mi­nal­bio­lo­ge und Vor­sit­zen­der des Ver­eins Pro Tat­too, hält das ge­plan­te EU-Ver­bot be­stimm­ter Tat­too­far­ben für „sinn­los“. Im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te Ben­ecke: „Es gibt kei­nen bio­lo­gi­schen Grund für ein sol­ches Ver­bot. Zu­dem trifft es aus­ge­rech­net die sau­ber ar­bei­ten­den Her­stel­ler, die dann ih­re Lä­den schlie­ßen müs­sen. Üb­rig blei­ben Mur­xer und Kel­ler-La­bors.“

Auf Vor­schlag der Eu­ro­päi­schen Che­mi­ka­li­en­agen­tur (Echa) plant die EU, die Tat­too­far­ben „Blue 15“und „Gre­en 7“zu ver­bie­ten. Der Grund: Es ge­be kei­ne aus­rei­chen­den Be­le­ge für die Si­cher­heit der Far­ben, laut Echa ste­hen die­se Pig­men­te im Ver­dacht, Bla­sen­krebs zu ver­ur­sa­chen. „Es gibt da­für kei­ne Be­le­ge“, wi­der­spricht Ben­ecke. „Das Gan­ze ist ein rei­ner Ver­wal­tungs­irr­sinn, für den

sich bis­her kei­ne Po­li­ti­ke­rin und kein Po­li­ti­ker ein­setzt.“

An­ge­sichts des ge­plan­ten Ver­bots hat­te Deutsch­lands Tat­too-Bran­che Alarm ge­schla­gen. „Es droht ein Ver­bot von exis­ten­zi­el­len Pig­men­ten für un­se­re Tat­too­far­ben. Da­durch wür­den cir­ca 66 Pro­zent der Tat­too­far­ben vom Markt ver­bannt“, teil­te der Bun­des­ver­band Tat­too mit.

Die Far­ben „Blue 15“und „Gre­en 7“wer­den in vie­len Misch­far­ben ver­wen­det. In der Kos­me­tik­in­dus­trie sind sie be­reits ver­bo­ten, und was dort ver­bo­ten sei, dür­fe auch nicht un­ter die Haut ge­lan­gen, ar­gu­men­tiert Echa.

Pro-Tat­too-Vor­sit­zen­der Ben­ecke schätzt, dass in der Fol­ge des Pig­ment­ver­bots die Pro­duk­ti­on von bun­ten Tat­too­far­ben in die Il­le­ga­li­tät ge­drängt wer­de, was weit­aus mehr Ge­fah­ren ber­gen wür­de. „Tat­too­far­ben aus un­kla­ren Qu­el­len will nie­mand“, so der Köl­ner Kri­mi­nal­bio­lo­ge. „Au­ßer­dem wan­dern ver­mut­lich auch die Kun­den ab: in den Kel­ler, ins Aus­land oder ir­gend­wo­hin, wo man eben al­le Far­ben be­kom­men kann.“Strei­che man aus­ge­rech­net die Pig­men­te Grün und Blau aus dem le­ga­len Far­ben­ka­ta­log, blie­ben au­ßer Schwarz zu­dem nur Rot- und Gelb­tö­ne üb­rig. „Wer will sich schon Warn­schil­der tä­to­wie­ren las­sen?“, fragt Ben­ecke.

Ei­ne On­line-Pe­ti­ti­on ge­gen das ge­plan­te Ver­bot, bei der mehr als 140 000 Un­ter­schrif­ten zu­sam­men­ge­kom­men sind, un­ter­stützt Ben­ecke eben­falls. Sie hat zum Ziel, die Bun­des­re­gie­rung da­zu zu be­we­gen, sich ge­gen das EU-Ver­bot ein­zu­set­zen. Laut ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Ip­sos-Um­fra­ge im Auf­trag der „Apo­the­ken Um­schau“aus dem Jahr 2019 ist in Deutsch­land je­der Fünf­te (21 Pro­zent) tä­to­wiert. Da­mit hat sich der An­teil der Tä­to­wier­ten im Land in den ver­gan­ge­nen sie­ben Jah­ren fast ver­dop­pelt: 2012 hat­ten noch 11,4 Pro­zent an­ge­ge­ben, ein oder meh­re­re Tat­toos zu be­sit­zen. Wie vie­le Tä­to­wie­run­gen far­big sind, ist un­be­kannt.

Der Kri­mi­nal­bio­lo­ge Dr. Mark Ben­ecke – auch ge­nannt „Dr. Ma­de“– ist Deutsch­lands ein­zi­ger öf­fent­lich be­stell­ter und ver­ei­dig­ter Sach­ver­stän­di­ger für bio­lo­gi­sche Spu­ren. Wer ihn bei sei­nen zahl­rei­chen Vor­trä­gen oder in TVDo­ku­men­ta­tio­nen er­lebt, sieht so­fort: Ben­ecke hat selbst ei­ne Lei­den­schaft für Tat­toos. Wie vie­le er hat, weiß er selbst nicht ge­nau. „Das ist auch nicht so wich­tig“, sagt er. Wich­ti­ger sei ihm, in sei­ner Funk­ti­on als Vor­sit­zen­der des 2011 ge­grün­de­ten Ver­eins Pro Tat­too über das Tä­to­wie­ren „of­fen und nach dem neu­es­ten Stand der For­schung zu be­rich­ten“.

Fo­to: dpa/Oli­ver Berg

Tat­too­freund: Mark Ben­ecke.

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