Stau­nen über das Eu­re­gio Fes­ti­val Orches­tra

Er­öff­nung des Mu­sik­fes­ti­vals in der Os­na­brück-Hal­le – Di­ri­gent Hos­sein Pish­kar greift auf be­währ­tes Pro­gramm zu­rück

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - KULTUR REGIONAL - Von Jan Kamp­mei­er

OS­NA­BRÜCK. Im Rah­men des Eu­re­gio Mu­sik­fes­ti­vals gab in der Os­na­brück-Hal­le das neu ge­grün­de­te Fes­ti­val Orches­tra un­ter Hos­sein Pish­kar mit Wer­ken von Haydn und Beet­ho­ven sei­ne Vi­si­ten­kar­te ab.

Er­staun­lich, was da in nur ei­ner Wo­che aus ei­nem bunt zu­sam­men­ge­wür­fel­ten Hau­fen jun­ger Mu­si­ker für ein Orches­ter ge­wor­den ist. Erst­mals hat das Eu­re­gio Mu­sik­fes­ti­val sein ei­ge­nes Orches­ter zu­sam­men­ge­stellt, das am Sonn­tag in der Os­na­brück-Hal­le beim Er­öff­nungs­kon­zert Haydn und Beet­ho­ven spiel­te.

Ou­ver­tü­re, So­lo­kon­zert, Sym­pho­nie: Der jun­ge Di­ri­gent Hos­sein Pish­kar greift hier auf das wohl be­währ­tes­te al­ler Pro­gramm­re­zep­te zu­rück, los geht’ s da­her mit Haydns Ou­ver­tü­re zu „L’ in­con­tro im­prov­vi­so“.

Ab­ge­se­hen da­von, dass tech­nisch auf sehr ho­hem Ni­veau ge­spielt wird, ist die auch in­ten­siv ge­stal­tet. Viel Schwung und plötz­li­che dy­na­mi­sche Wech­sel gibt es da, sehr aus­ge­präg­tes Pia­nis­si­mo vor al­lem, und in­ner­halb der Strei­cher­grup­pe, die hier deut­lich im Vor­der­grund steht, sind die Stim­men äu­ßerst sorg­fäl­tig ge­wich­tet. Auch in Haydns Cel­lo­kon­zert Nr. 1, C-Dur, sind die Orches­ter­pas­sa­gen dif­fe­ren­ziert durch­ge­ar­bei­tet, äu­ßers­te Zu­rück­hal­tung zeigt das Orches­ter da­ge­gen bei der Be­glei­tung des So­lis­ten Clau­dio Bohór­quez. Der wie­der­um agiert leicht­fü­ßig, spielt mit we­nig Druck und zeigt sich über­haupt in der Gestal­tung klar von der his­to­ri­schen Auf­füh­rungs­pra­xis be­ein­flusst. Das Tem­po bleibt im ers­ten Satz ge­mä­ßigt, es ist ja auch „nur“ein Mo­de­ra­to, im Fi­na­le hin­ge­gen for­dert Hos­sein Pish­kar ein ra­san­tes Tem­po.

Das Orches­ter kann selbst da­bei noch ei­ne le­ben­di­ge, fe­dern­de Ar­ti­ku­la­ti­on lie­fern, für den So­lis­ten ist das oh­ne­hin ei­ne Bra­vour-Num­mer. Es flie­gen die Fun­ken! Nach der Pau­se war­tet Beet­ho­vens vier­te Sym­pho­nie.

Es gibt kur­ze Mo­men­te, in de­nen Hos­sein Pish­kar sei­nen Mu­si­kern er­staun­lich we­nig an­zeigt, doch meis­tens gleicht er ei­nem Der­wisch am Pult. Er di­ri­giert aus­wen­dig, tanzt da­bei und voll­führt Luft­sprün­ge, be­geis­tert mit sei­nem Tem­pe­ra­ment Mu­si­ker und Pu­bli­kum. Was da­bei her­aus­kommt, ist bei­lei­be kein Stan­dard-Beet­ho­ven, viel­mehr ein Stuhl­kan­ten-Beet­ho­ven von höchs­ter Ener­gie.

Den­noch hat Hos­sein Pish­kar er­staun­lich vie­le De­tails der Par­ti­tur ge­nau­es­tens in­sze­niert und so ei­ne au­ßer­or­dent­lich dif­fe­ren­zier­te In­ter­pre­ta­ti­on er­ar­bei­tet. Wie ak­ku­rat das Eu­re­gio Fes­ti­val Orches­tra dies um­setzt, kann man nur be­wun­dern.

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Fo­to: Da­vid Ebe­ner

Das Eu­re­gio Fes­ti­val Orches­tra mit Cel­list Clau­dio Bohór­quez (vor­ne rechts) spiel­te zum Er­öff­nungs­kon­zert des Fes­ti­vals Haydn und Beet­ho­ven in der Os­na­brück-Hal­le.

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