Hoff­nung auf mehr Spen­der­or­ga­ne

ANA­LY­SE Prü­fer: Re­gel­ver­stö­ße bei Trans­plan­ta­tio­nen sind stark zu­rück­ge­gan­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - POLITIK -

BERLIN/FRANK­FURT Trotz nied­ri­ger Spen­der­zah­len se­hen Ex­per­ten die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin in Deutsch­land am Wen­de­punkt. Es herr­sche „ei­ne un­glaub­li­che Auf­bruch­stim­mung, end­lich ei­ne Kul­tur der Or­gan­spen­de zu schaf­fen“, sag­te der Vor­sit­zen­de der Stän­di­gen Kom­mis­si­on Or­gan­trans­plan­ta­ti­on der Bun­des­ärz­te­kam­mer, Hans Li­lie, in Berlin. Dort wur­de der Jah­res­be­richt der Über­wa­chungs- und der Prü­fungs­kom­mis­si­on für Trans­plan­ta­tio­nen vor­ge­stellt.

Der Be­richt be­wer­tet die Ar­beit der Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren über­wie­gend po­si­tiv. Ver­stö­ße ha­ben da­nach deut­lich ab­ge­nom­men. Wa­ren in der ers­ten Prüf­pha­se nach dem Or­gan­spen­de-Skan­dal von 2012 noch 13 Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren mit Ver­stö­ßen ge­gen die Re­geln auf­ge­fal­len, sind es dem jüngs­ten Be­richt zu­fol­ge nur noch drei.

Die Über­wa­cher hät­ten da­zu auch selbst ei­nen Bei­trag ge­leis­tet, sag­te Li­lie. Es ge­be zu­dem der­zeit in der Po­li­tik meh­re­re An­sät­ze, die Or­gan­spen­de zu för­dern. Da­zu zäh­le auch die De­bat­te um die Wi­der­spruchs­lö­sung.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat ein Ge­setz zur bes­se­ren Fi­nan­zie­rung der Ent­nah­me-Kli­ni­ken auf den Weg ge­bracht. Par­al­lel da­zu stieß er ei­ne De­bat­te über die Ein­füh­rung ei­ner Wi­der­spruchs­lö­sung an, um die Zahl der Or­gan­spen­den zu er­hö­hen. Die Ärz­te­schaft hat­te sich schon auf dem Ärz­te­tag im Mai für die Wi­der­spruchs­lö­sung aus­ge­spro­chen. Im Bun­des­tag gibt es in­des Wi­der­stand, wie bei ei­ner ers­ten De­bat­te En­de No­vem­ber deut­lich wur­de.

In Deutsch­land gibt es 46 Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren, an de­nen im Rah­men von 128 Pro­gram­men Or­ga­ne ver­pflanzt wer­den. 60 die­ser Pro­gram­me wur­den auf der Ba­sis von knapp 1500 Kran­ken­ak­ten über­prüft. Ein be­son­de­res Au­gen­merk liegt dar­auf, ob Un­ter­la­gen ge­fälscht wer­den, um Pa­ti­en­ten auf den War­te­lis­ten nach vor­ne zu schie­ben. Ma­ni­pu­la­tio­nen die­ser Art an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken wa­ren 2012 be­kannt ge­wor­den.

Sys­te­ma­ti­sche Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten stell­ten die Prü­fer im Herz­trans­plan­ta­ti­ons­pro­gramm am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Köln-Lin­den­thal und bei Le­ber­trans­plan­ta­tio­nen am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Frank­furt am Main fest. Dar­über sei­en die zu­stän­di­gen Be­hör­den und Staats­an­walt­schaf­ten in­for­miert wor­den, er­klär­te die Vor­sit­zen­de der Prü­fungs­kom­mis­si­on, An­ne­Gret Rin­der.

Kei­ne Be­an­stan­dun­gen gab es im Be­reich der Nie­ren- und Bauch­spei­chel­drü­sen-Ver­pflan­zun­gen. Auch bei den Herz-, Lun­gen- und Le­ber­trans­plan­ta­tio­nen sei weit über­wie­gend ord­nungs­ge­mäß ge­ar­bei­tet wor­den. Hier sei es le­dig­lich in ein­zel­nen Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren zu Feh­lern ge­kom­men.

Die Über­wa­chungs- und die Prüf­kom­mis­si­on wer­den von der Bun­des­ärz­te­kam­mer, der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft und dem Spit­zen­ver­band der Kran­ken­kas­sen ge­bil­det. Sie prü­fen zum ei­nen die Ab­läu­fe bei der Ge­win­nung von Or­ga­nen, zum an­de­ren die Ver­mitt­lung von Or­ga­nen an Emp­fän­ger.

Die Zahl der Or­gan­spen­den war nach 2012 ein­ge­bro­chen und hat­te vo­ri­ges Jahr ih­ren bis­he­ri­gen Tief­stand er­reicht. In der Fol­ge der Skan­da­le wa­ren mehr Kon­trol­len ein­ge­führt wor­den. In Deutsch­land war­ten mehr als 10000 Pa­ti­en­ten auf ein Spen­der­or­gan. Dem stan­den 2017 nur 797 Spen­der ge­gen­über, de­nen im Durch­schnitt drei Or­ga­ne ent­nom­men wur­den.

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Fo­to: dpa

Hans Li­lie

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