Die AfD und ih­re EU-Kri­tik

ANA­LY­SE Mit Brüs­sel ver­bin­det die Par­tei ei­ne in­ni­ge Hass­lie­be

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

OS­NA­BRÜCK Die AfD sorgt re­gel­mä­ßig für Er­stau­nen, so auch jetzt: Gan­ze vier Ta­ge lang nimmt sich die Par­tei Zeit, um im säch­si­schen Rie­sa über die Eu­ro­päi­sche Uni­on zu de­bat­tie­ren. Da­bei lehnt die Par­tei vie­les, das die EU aus­macht, mehr­heit­lich ab, hält et­wa den Eu­ro für ei­ne „Fehl­kon­struk­ti­on“oder das EU-Par­la­ment für über­flüs­sig. Auch der Aus­tritt aus dem Staa­ten­bund, der „De­xit“, scheint für man­che AfD­ler un­aus­weich­lich. Was hin­ter der Kri­tik steht, le­sen Sie hier:

War­um sieht die AfD die EU so kri­tisch? Die EU-Kri­tik ist his­to­risch be­grün­det. Par­tei­grün­der Bernd Lu­cke, selbst Öko­nom, hat­te die Par­tei 2013 als Zu­sam­men­schluss für Eu­ro­pa­skep­ti­ker, Eu­ro­kri­ti­ker und Rechts­li­be­ra­le ge­grün­det. Die Kri­tik an den In­sti­tu­tio­nen der EU, vor al­lem aber an der Ge­mein­schafts­wäh­rung Eu­ro, war ei­ne der Trieb­fe­dern der Par­tei. Auf dem jetz­ti­gen Eu­ro­pa­par­tei­tag in Rie­sa un­ter­mau­ert die Par­tei ih­re Kri­tik und for­dert Re­for­men, die das Bünd­nis zu­rück­ver­wan- deln sol­len in ei­ne Wirt­schafts­ge­mein­schaft.

Was stört die AfD ge­nau? Der Blick in das Grund­satz­pro­gramm of­fen­bart: Vor al­lem Kre­di­te für fi­nanz­schwa­che EU-Staa­ten lehnt die Par­tei ab, eben­so Haf­tung und Hil­fen für aus­län­di­sche Ban­ken. Grund für die Schief­la­ge in­ner­halb der EU sei der Eu­ro. „Wir for­dern, das Eu­roEx­pe­ri­ment ge­ord­net zu be­en­den“, heißt es im Grund­satz­pro­gramm.

Was hat die Par­tei ge­gen die Asyl­po­li­tik der EU? Die AfD be­trach­tet die „Ideo­lo­gie des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, die im­por­tier­te kul­tu­rel­le Strö­mun­gen auf ge­schichts­blin­de Wei­se der ein­hei­mi­schen Kul­tur gleich­stellt und de­ren Wer­te da­mit zu­tiefst re­la­ti­viert“als „erns­te Be­dro­hung für den so­zia­len Frie- den und für den Fort­be­stand der Na­ti­on als kul­tu­rel­le Ein­heit.“Vor al­lem die Zu­wan­de­rung von Mus­li­men sieht die AfD mit Sor­ge: „Der Is­lam ge­hört nicht zu Deutsch­land“, heißt es im Pro­gramm. In Rie­sa ei­nig­ten sich die rund 450 De­le­gier­ten auf fol­gen­de For­mu­lie­rung: „Jeg­li­che Ein­wan­de­rung nach Eu­ro­pa muss so be­grenzt und ge­steu­ert wer­den, dass die Iden­ti­tät der eu­ro­päi­schen Kul­tur­na­tio­nen un­ter al­len Um­stän­den ge­wahrt bleibt.“

Wes­halb will die AfD das EU-Par­la­ment auf­lö­sen? Das EU-Par­la­ment „mit sei­nen der­zeit pri­vi­le­gier­ten 751 Ab­ge­ord­ne­ten“sei un­de­mo­kra­tisch, hieß es in Rie­sa, wes­halb das Gre­mi­um ab­ge­schafft wer­den sol­le.

Will die AfD den Aus­tritt Deutsch­lands aus der EU? Nur dann, wenn die EU sich nicht grund­le­gend wan­delt: „Soll­ten sich un­se­re grund­le­gen­den Re­form­an­sät­ze [...] in an­ge­mes­se­ner Zeit nicht ver­wirk­li­chen las­sen, hal­ten wir ei­nen Aus­tritt Deutsch­lands oder ei­ne ge­ord­ne­te Auf­lö­sung der Eu­ro­päi­schen Uni­on [...] für not­wen­dig“, hieß es in Rie­sa.

Foto: dpa

Zahl­rei­che Be­schlüs­se fass­te die AfD in Rie­sa.

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