Für die Hand­bal­ler be­ginnt die hei­ße Pha­se der WM

Selbst­be­wusst nach Ga­la ge­gen Bra­si­li­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von Ste­phan Sonn­tag

BER­LIN Nach ei­nem ganz star­ken Auf­takt­wo­chen­en­de wird es für die deut­sche Handball-Na­tio­nal­mann­schaft bei der Welt­meis­ter­schaft im ei­ge­nen Land und in Dä­ne­mark ab Mon­tag rich­tig ernst. Das Team von Bun­des­trai­ner Christian Prokop trifft heu­te auf Russ­land (18.15 Uhr) und mor­gen auf Ti­tel­ver­tei­di­ger Frank­reich (20.30 Uhr).

Für die schwe­ren Auf­ga­ben ist die DHB-Mann­schaft aber of­fen­bar bes­tens ge­rüs­tet. Dem 30:19 zum Auf­takt ge­gen Ko­rea folg­te am Sams­tag ein sehr über­zeu­gen­der 34:21-Sieg ge­gen Bra­si­li­en. Ein Spiel, das Spie­ler, Trai­ner und auch die Fans in Ber­lin in ei­nen kol­lek­ti­ven Freu­den­rausch ver­setz­te. „Das ist Mann­schafts­sport, wie wir ihn se­hen wol­len“, sag­te Coach Prokop nach ei­ner in al­len Be­lan­gen gu­ten Vor­stel­lung sei­ner selbst­be­wuss­ten Mann­schaft.

Die gro­ßen Geg­ner kön­nen kom­men. Die deut­sche Handball-Na­tio­nal­mann­schaft er­lebt ge­gen Bra­si­li­en ein Spiel wie ein Wunsch­kon­zert. Das Selbst­ver­trau­en vor dem schwie­ri­gen Dop­pel­pack ge­gen Russ­land und Frank­reich scheint gren­zen­los. BER­LIN Es war die Sze­ne des Spiels, ob­wohl sie hand­ball­un­ty­pisch be­reits in der ers­ten Mi­nu­te ge­schah. Deutsch­lands Kee­per Andre­as Wolff pa­riert den Wurf von Bra­si­li­ens ge­fähr­lichs­tem Schüt­zen Jo­sé To­le­do, schreit sei­ne Freu­de in die mit 13 500 Zu­schau­ern aus­ver­kauf­te Are­na, reißt die Ar­me hoch, spornt die Fans an, noch mehr Alarm zu ma­chen. „Bei der At­mo­sphä­re ge­hen die Pfer­de schnell mit ei­nem durch“, er­in­ner­te sich der 27-Jäh­ri­ge nach dem be­ein­dru­cken­den 34:21 (15:8)-Sieg der Aus­wahl des Deut­schen Hand­ball­bun­des (DHB) ge­gen das Team vom Zu­cker­hut ganz ge­nau an die Ein­gangs­sze­ne. „Das ist ein Ad­re­na­lin­stoß durch den gan­zen Kör­per. Wahn­sinn.“

Wahn­sinn war nicht nur die Stim­mung, wahn­sin­nig gut war auch der Auf­tritt im zwei­ten WM-Vor­run­den­spiel. „Das war das schöns­te Spiel, seit ich Bun­des­trai­ner bin“, freu­te sich Christian Prokop. Be­son­ders sei­ne Do­mä­ne, die Ab­wehr­ar­beit, hat­te dem 40-Jäh­ri­gen ge­fal­len. Er ließ es sich so­gar ge­fal­len, von ei­nem Jour­na­lis­ten als „Ab­wehr­fe­ti­schist“be­zeich­net zu wer­den. „Ich freue mich dar­über, wie mei­ne Jungs figh­ten, blo­cken, tak­ti­sche Din­ge ab­spre­chen und um­set­zen. Das ist Mann­schafts­sport, wie wir ihn se­hen wol­len.“

Ähn­li­ches hofft die deut­sche Mann­schaft auch heu­te Abend (18 Uhr/ARD) ge­gen Russ­land zei­gen zu kön­nen. 26 St­un­den spä­ter war­ten dann schon die Fran­zo­sen. „Das Bra­si­li­en-Spiel war der fi­na­le Start­schuss für Voll­gas-Handball“, sag­te DHBS­port­vor­stand Axel Kro­mer ges­tern. „Wir ha­ben in über­zeu­gen­der Ma­nier 4:0 Punk­te ein­ge­fah­ren und jetzt Schlag auf Schlag zwei Spit­zen­spie­le.“

Die Bra­si­lia­ner, die mit ih­rer knap­pen Nie­der­la­ge ge­gen Ti­tel­ver­tei­di­ger Frank­reich zum Auf­takt hat­ten auf­hor­chen las­sen, ver­lo­ren schnell die Lust, ge­gen das deut­sche Boll­werk an­zu­ren­nen. „Die Emo­tio­na­li­tät geht bei ih­nen schnell in bei­de Rich­tun­gen. Als sie kei­ne Lö­sun­gen ge­gen uns fan­den, ha­ben sie die Köp­fe hän­gen las­sen“, sag­te Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer, mit zehn Tref­fern bes­ter deut­scher Tor­schüt­ze.

Da­mit war die hal­be Mie­te ein­ge­fah­ren. Die an­de­re Hälf­te ver­dien­te sich die deut­sche Mann­schaft im An­griff. „Die Bra­si­lia­ner ver­su­chen im­mer Ball­ver­lus­te und Stür­mer­fouls zu pro­vo­zie­ren. Den Ge­fal­len ha­ben wir ih­nen im Ge­gen­satz zu den Fran­zo­sen nicht ge­tan“, freu­te sich Stef­fen Wein­hold. Le­dig­lich ein tech­ni­scher Feh­ler un­ter­lief der DHB-Aus­wahl in den ers­ten 30 Mi­nu­ten. Das Pass­spiel – ge­lenkt von Mar­tin Stro­bel – war be­ein­dru­ckend si­cher. Kein Wun­der, dass der bra­si­lia­ni­sche Of­fen­siv-Al­lein­un­ter­hal­ter To­le­do schon nach 23 Mi­nu­ten ent­nervt zu me­ckern an­fing. 13:5 stand es zu dem Zeit­punkt.

Im Ver­gleich zum Auf­takt­spiel ge­gen Ko­rea ro­tier­te Prokop zwar we­ni­ger, aber wie­der ka­men al­le zum Ein­satz und je­dem Feld­spie­ler ge­lang zu­min­dest ein Tor. „Es ist wich­tig, je­den Spie­ler ins Tur­nier zu ho­len, denn wir wer­den je­den brau­chen“, sag­te Co-Trai­ner Alex­an­der Haa­se ges­tern.

Bei al­ler Freu­de, ei­ner hat­te doch was zu me­ckern. Kee­per Wolff näm­lich: „Die Ab­wehr hat in den ers­ten zehn Mi­nu­ten ei­nen Wurf durch­ge­las­sen. Das geht nicht. Un­ser Ziel muss es sein, dass ich mich gar nicht mehr warm ma­chen muss.“Ge­gen Russ­land wird sich heu­te zei­gen, ob der deut­sche Hö­hen­flug sprü­che- und leis­tungs­mä­ßig wei­ter­geht oder ganz schnell auf die Eu­pho­rie­brem­se ge­tre­ten wer­den muss.

Foto: imago/MIS Gens­hei­mer 10/5, Fäth 4, Wein­hold 4, Kohl­ba­cher 3, Böhm 2, Mu­sche 2, Stro­bel 2, Wie­de 2, Drux 1, Gro­etz­ki 1, F. Lem­ke 1, Pe­keler 1, Wi­encek 1. – To­le­do 5, Nan­tes 4/4, Chi­uf­fa 2, Hack­barth 2, Ro­d­ri­gues 2, H. Tei­xei­ra 2. Ser­bi­en - Bra­si­li

So kann es wei­ter­ge­hen: Patrick Gro­etz­ki (r.) und Mat­thi­as Mu­sche be­ju­beln den Sieg ge­gen Bra­si­li­en. 2. Spiel­tag Russ­land - Ko­rea Frank­reich - Ser­bi­en Deutsch­land - Bra­si­li­en Tor­schüt­zen Deutsch­land: Bra­si­li­en: Nächs­te Spie­le: 17. Jan.: Nächs­te Spie­le: Di­ens­tag, 15. Ja­nu­ar: Dä­ne­mark - Tu­ne­si­en Nächs­te Spie­le: Bes­te Tor­schüt­zen Don­ners­tag, 36:22

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