„Bar­geld be­deu­tet für mich Frei­heit“

Bun­des­bank­vor­stand Balz über die EU-Zah­lungs­richt­li­nie PSD2 und das Be­zah­len per Han­dy

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEIT­E - Von Ma­nu­el Glas­fort

OSNABRÜCK Wer heu­te elek­tro­nisch be­zah­len möch­te, hat mehr Mög­lich­kei­ten als je zu­vor. Bun­des­bank­vor­stand Burk­hard Balz glaubt an das Po­ten­zi­al von So­fort­über­wei­sun­gen und Mo­bi­le Pay­ment, be­tont im In­ter­view aber auch: „Für mich per­sön­lich be­deu­tet Bar­geld ein gro­ßes Stück Frei­heit.“

OSNABRÜCK Be­zah­len per Smart­pho­ne, In­stant Pay­ment oder neue EU-Re­geln für das On­li­ne-Ban­king – im The­ma Zah­lungs­ver­kehr steckt Mu­sik. Burk­hard Balz, Vor­stands­mit­glied der Bun­des­bank, er­klärt im In­ter­view, war­um die PSD2-Richt­li­nie für mehr Wett­be­werb sor­gen wird und was Bar­geld für ihn mit Frei­heit zu tun hat.

Herr Balz, die zwei­te Stu­fe der EU-Zah­lungs­richt­li­nie PSD2 tritt am Sams­tag in Kraft. Sie soll für mehr Wett­be­werb im di­gi­ta­len Zah­lungs­ver­kehr sor­gen. Sie selbst ha­ben als EUPar­la­men­ta­ri­er dar­an mit­ge­ar­bei­tet. Was hat es mit dem Wett­be­werbs­as­pekt auf sich?

Die PSD2 wird in der Tat für mehr Wett­be­werb sor­gen, weil es zu­künf­tig auch Drit­ten ge­stat­tet sein wird, von Kon­to­da­ten zu pro­fi­tie­ren. Wich­tig ist in dem Zu­sam­men­hang, dass je­der Kon­to­in­ha­ber zu­stim­men muss, da­mit an­de­re Ban­ken und Di­enst­leis­ter auf die Da­ten zu­grei­fen kön­nen. Aber es ist ganz klar, dass es da­durch zu mehr Wett­be­werb kommt. Das gilt für die Ban­ken un­ter­ein­an­der, aber auch für neue An­bie­ter wie Fin­techs, die sich auf ein­zel­ne Be­rei­che fo­kus­sie­ren und den Kun­den maß­ge­schnei­der­te An­ge­bo­te ma­chen kön­nen.

Das zwei­te gro­ße The­ma bei der PSD2 ist die Si­cher­heit. Zu­künf­tig gibt es bei der An­mel­dung im Ban­king ei­ne Zwei-Fak­tor-Au­then­ti­fi­zie­rung. Für die Ver­brau­cher wird es da­durch un­be­que­mer. Ist die­ser Auf­wand nicht über­trie­ben?

Das Ent­schei­den­de bei den Bank­dienst­leis­tun­gen ist, dass man Ver­trau­en in die Sys­te­me hat. Es war dem Ge­setz­ge­ber wich­tig, das Ver­trau­en zu stär­ken, in­dem die Au­then­ti­fi­zie­rung si­che­rer wird. Der Si­cher­heits­as­pekt ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich wich­ti­ger ge­wor­den, weil im­mer mehr Be­trugs­fäl­le auf­ge­tre­ten sind. Des­we­gen hal­te ich stär­ke­re Si­cher­heits­vor­keh­run­gen für rich­tig.

Im un­ba­ren Zah­lungs­ver­kehr ist viel Be­we­gung. Im­mer mehr Ban­ken in Deutsch­land, dar­un­ter al­le Spar­kas­sen und Volks­ban­ken, bie­ten die elek­tro­ni­sche So­fort­über­wei­sung an. Wie wird sich das In­stant Pay­ment aus Ih­rer Sicht ent­wi­ckeln?

Ich glau­be, dass das The­ma In­stant Pay­ments die neue Nor­ma­li­tät dar­stel­len wird und dass wir jetzt schon auf ei­nem sehr gu­ten Weg in Deutsch­land sind. Die Ban­ken, die heu­te noch nicht da­bei sind, wer­den re­la­tiv zü­gig nach­zie­hen. Es dürf­te nur noch ei­ne Fra­ge der Zeit sein, bis die ge­sam­te Bran­che die­sen Ser­vice an­bie­tet.

Man­che Ban­ken ver­lan­gen für die So­fort­über­wei­sung al­ler­dings ei­ne Ge­bühr. Hemmt das nicht die Ent­wick­lung?

In der Spit­ze ver­lan­gen ein­zel­ne In­sti­tu­te zwar noch meh­re­re Eu­ro für ei­ne So­fort­über­wei­sung. Na­tür­lich muss je­de Bank und je­de Spar­kas­se selbst ent­schei­den, wie sie die­sen Ser­vice be­prei­sen will. Al­ler­dings ste­hen die An­bie­ter auch hier un­ter­ein­an­der im Wett­be­werb. Mei­ne Er­war­tung ist, dass die Ge­büh­ren in Zu­kunft eher mo­de­rat aus­fal­len wer­den.

Für wel­che Nut­zungs­sze­na­ri­en ist das In­stant Pay­ment aus Ih­rer Sicht wich­tig?

Im Grun­de ge­nom­men für al­le Trans­ak­tio­nen. So­wohl Pri­vat­kun­den als auch Un­ter­neh­mens­kun­den kön­nen da­von pro­fi­tie­ren. Aus mei­ner Sicht ist die­se Ent­wick­lung nicht mehr auf­zu­hal­ten. Um ein kon­kre­tes Bei­spiel zu nen­nen: Sie ha­ben rie­si­ge Vor­tei­le im Be­reich des e- Com­mer­ce. Wenn die im In­ter­net be­stell­te Wa­re bin­nen Se­kun­den be­zahlt ist, dann kann die Wa­re di­rekt ver­sen­det wer­den. Und das Gan­ze funk­tio­niert, oh­ne dass Di­enst­leis­ter wie Pay­pal zwi­schen­ge­schal­tet wer­den müs­sen. In­stant Pay­ments er­mög­li­chen es den Ban­ken, im Wett­be­werb mit An­bie­tern wie Pay­pal Bo­den gut­zu­ma­chen. Des­halb ha­ben sie In­stant Pay­ments jetzt ein­ge­führt, ob­wohl sie nicht ge­setz­lich da­zu ver­pflich­tet sind.

Wäh­rend das kon­takt­lo­se Zah­len mit der Kar­te im­mer all­täg­li­cher wird, sieht man noch sel­ten Men­schen mit dem Smart­pho­ne be­zah­len. Wann wird das Mo­bi­le Pay­ment in Deutsch­land sei­nen Durch­bruch er­le­ben?

Das Be­zah­len per Smart­pho­ne hat mei­ner Mei­nung nach gro­ße Chan­cen, schnell an­ge­nom­men zu wer­den. Das Mo­bil­te­le­fon hat man ei­gent­lich im­mer da­bei. So­bald Sie per Smart­pho­ne zah­len kön­nen, müs­sen Sie kei­ne Kar­te oder Bar­geld mehr mit­füh­ren. Ich hal­te Mo­bi­le Pay­ment für ei­ne Be­zahl­form, die in Deutsch­land auch sehr schnell in der Brei­te ak­zep­tiert wer­den wird.

Deutsch­land gilt als Bar­geld­na­ti­on, nach wie vor. Glau­ben Sie, dass die Deut­schen ih­re Vor­lie­be für Mün­zen und Schei­ne mit der Zeit ver­lie­ren wer­den?

Für mich per­sön­lich be­deu­tet Bar­geld ein gro­ßes Stück an Frei­heit. Man­che Käu­fe möch­te man viel­leicht lie­ber an­onym be­zah­len, oh­ne dass sie auf Kon­to­aus­zü­gen auf­tau­chen. Ein Bei­spiel da­für wä­re das Ge­schenk für die Ehe­frau. Des­halb ist es wich­tig, dass es bei al­len di­gi­ta­len Be­zahl­for­men auch in Zu­kunft in Deutsch­land Bar­geld ge­ben wird. Ich per­sön­lich se­he auch kei­ne be­son­ders star­ken Ar­gu­men­te für ei­ne Ober­gren­ze bei Bar­zah­lun­gen, wie sie von Zeit zu Zeit dis­ku­tiert wur­de.

Blei­ben wir beim Bar­geld: Im Früh­jahr ist die zwei­te Bank­no­ten­se­rie, die so­ge­nann­te Eu­ro­pa-Se­rie, mit dem Start der 100er- und 200er-Se­rie kom­plet­tiert wor­den. Ist der Start der neu­en Se­rie aus Ih­rer Sicht ein Er­folg?

Ab­so­lut. Die Se­rie ist von der Be­völ­ke­rung in der Eu­ro­zo­ne au­ßer­or­dent­lich gut an­ge­nom­men wor­den. Sie ist gut ge­stal­tet, und vor al­lem sind neue Si­cher­heits­merk­ma­le auf­ge­nom­men wor­den. Für Geld­fäl­scher wird es da­mit deut­lich schwie­ri­ger. In­so­fern sind wir in der Bun­des­bank mit dem Ablauf sehr zu­frie­den.

Fo­to: dpa

Hält we­nig von Bar­geld-Ober­gren­zen: Bun­des­bank­vor­stand Burk­hard Balz.

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