„Kunst trägt zum Dis­put bei“

Uwe H. Reu­ter ist im Haupt­ne­ben­job Vor­sit­zen­der der Kest­ner Ge­sell­schaft

Neue Presse - - MENSCHEN - Von bert Stre­be

Als Uwe H. Reu­ter vor 14 Jah­ren nach Han­no­ver kam, kann­te er nie­man­den in der Stadt. Der Ban­ker und Ju­rist, 1955 ge­bo­ren, war 2002 in den Vor­stand der VHV Grup­pe be­ru­fen wor­den, nach füh­ren­den Po­si­tio­nen bei der Ci­ti­bank, der Swiss Re, der Zü­rich Grup­pe. Die Fa­mi­lie blieb in Mün­chen. Was tun abends, wenn man nicht im­mer nur ar­bei­ten will? Uwe Reu­ter er­in­ner­te sich, dass er zu­min­dest ei­ne In­sti­tu­ti­on in Han­no­ver kann­te: die Kest­ner Ge­sell­schaft.

Die kann­te er, weil er sich schon im­mer für zeit­ge­nös­si­sche Kunst in­ter­es­siert hat. Und weil er im Ku­ra­to­ri­um der Frank­fur­ter Kunst­hal­le Schirn sitzt. Von da­her wuss­te er, dass die Kest­ner Ge­sell­schaft ho­he An­er­ken­nung ge­nießt, über­re­gio­nal und in­ter­na­tio­nal. Al­so be­such­te Reu­ter die Kunst­hal­le an der Go­se­rie­de. „Als Neu­ling in Han­no­ver fällt man gleich auf“, sagt er und lä­chelt. Und so kam ziem­lich schnell Ur­su­la Sand­mann, die Ehe­frau des da­ma­li­gen Auf­sichts­rats­chefs der Ver­lags­ge­sell­schaft Mad­sack, Wil­helm Sand­mann, auf Uwe Reu­ter zu: Ob er nicht Lust ha­be, Mit­glied zu wer­den. Er hat­te. Und ei­nes Tages nahm ihn Wil­helm Sand­mann bei­sei­te: Ob er nicht Lust ha­be, im Vor­stand mit­zu­ar­bei­ten. Er hat­te eben­falls. Um es kurz zu ma­chen: Mitt­ler­wei­le ist Uwe Reu­ter nicht nur längst Vor­stands­vor­sit­zen­der der VHV Hol­ding AG, son­dern auch Vor­sit­zen­der der Kest­ner Ge­sell­schaft.

In die­sem Um­feld fühlt der viel be­schäf­tig­te Un­ter­neh­mens­chef sich wohl. Kunst­sin­ni­ge Men­schen, weiß er, bli­cken zwar je­weils in­di­vi­du­ell auf Bil­der, Skulp­tu­ren, an­de­re Men­schen und die Welt. Aber ih­nen al­len ei­gen ist, dass sie sich eben für die Welt und die Men­schen und die Kunst in­ter­es­sie­ren. Al­so of­fen sind. Und Of­fen­heit, sagt Uwe Reu­ter, sei ihm wich­tig. Er mag es nicht, wenn al­les ein­ge­kas­telt wird. Er mag es, wenn es Raum gibt für geis­ti­ge Frei­heit. Seit­dem wirbt Reu­ter da­für, dass mehr Men­schen es ihm gleich­tun und in die Kest­ner Ge­sell­schaft ein­tre­ten. Die Vor­stands­ar­beit dort ist in­zwi­schen sei­ne Haupt­ne­ben­tä­tig­keit. Aber die er­le­digt er gern – und mit Er­folg. Bei­spiels­wei­se hat er die Fir­men­mit­glied­schaf­ten ein­ge­führt. Was sich im Etat des Hau­ses deut­lich nie­der­schlägt.

Es ent­spricht auch der Hal­tung sei­nes ei­ge­nen Un­ter­neh­mens, das eben­falls Kunst för­dert. „Ei­ne Fir­ma, die sich das leis­ten kann, soll­te mehr tun, als nur Steu­ern zu zah­len“, sagt Reu­ter. „Sie soll­te auch zum Funk­tio­nie­ren der Ge­sell­schaft bei­tra­gen.“Und da­zu ge­hört für ihn ne­ben so­zia­lem auch ein kul­tu­rel­les En­ga­ge­ment sei­nes Un­ter­neh­mens. Kunst ha­be ei­ne de­mo­kra­ti­sche Funk­ti­on. „Nicht je­des Kunst­werk muss ge­fal­len. Aber auch, wenn es ei­nem nicht ge­fällt, ist es ei­ne Be­rei­che­rung, weil es zum Dis­put bei­trägt.“

Das gilt für ihn auch für die Kunst, die nicht in der Kest­ner Ge­sell­schaft ge­zeigt wird. Auch die an­de­ren Kun­st­in­sti­tu­tio­nen, Kunst­ver­ein, Spren­gelMu­se­um, lobt Reu­ter. Er be­sucht und un­ter­stützt sie. Aber „sein“Haus ist für ihn doch et­was Be­son­de­res. Ganz kon­kret und ganz per­sön­lich: „Al­le Freun­de, die mei­ne Frau und ich in Han­no­ver ge­fun­den ha­ben, ha­ben wird über die Kest­ner Ge­sell­schaft ge­fun­den.“

Uwe H. Reu­ter en­ga­giert sich für die Kest­ner Ge­sell­schaft und hat dort al­le sei­ne han­no­ver­schen Freun­de ken­nen­ge­lernt.

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