An­ton will in den 96-Mann­schafts­rat

19-Jäh­ri­ger traut sich Rol­le als Spre­cher der jun­gen Spie­ler zu. Er kommt aus Us­be­kis­tan.

Neue Presse - - SPORT - VON DIRK TIETENBERG

Vom Müh­len­ber­ger SV zum Pro­fi, wie fühlt sich das ei­gent­lich an? Sehr gut, weil das schon im­mer mein Traum war, in der Bun­des­li­ga zu spie­len. Ich woll­te auch mei­nen Freun­den zei­gen, dass ich es schaf­fe, weil sie im­mer an mich ge­glaubt ha­ben.

Sind Sie wirk­lich in Us­be­kis­tan ge­bo­ren? Ei­ni­ge Qu­el­len nen­nen En­gen als Ge­burts­ort. Ich bin in Us­be­kis­tan in Al­ma­lyk ge­bo­ren. Dort kommt auch mei­ne Fa­mi­lie her. Ich weiß auch nicht, war­um über­all En­gen stand. Wel­che Spra­che spre­chen Sie zu Hau­se? Us­be­kisch? Das ist so ein biss­chen wie Tür­kisch. Mei­ne Groß­el­tern spre­chen us­be­kisch, mei­ne El­tern spre­chen rus­sisch. Ich kann auch Rus­sisch.

Was, wenn die rus­si­sche Na­tio­nal­mann­schaft Sie fragt? Dar­über ha­be ich noch nicht nach­ge­dacht. Aber wenn man die Mög­lich­keit be­kommt, war­um nicht?

Ge­gen Frank­furt hat Tho­mas Schaaf Sie ge­bracht, das war von Ih­nen we­ni­ger gut. Dann schie­ßen Sie das Tor ge­gen Glad­bach. Wie kam es da­zu? Vom Frank­furt-Spiel ha­be ich mich früh er­holt. Ich wuss­te, ich muss wei­ter­ma­chen, und wuss­te aus der Ju­gend, dass das be­lohnt wird. Ge­gen Glad­bach kam dann die Be­loh­nung.

Ha­ben Sie sich bei dem Ju­bel­fo­to von sich er­schro­cken? Ehr­lich ge­sagt schon. Aber ich glau­be, je­der, der sein ers­tes Tor ge­macht hat, hat sich ge­nau­so ge­freut und sah da­bei ge­nau­so blöd aus auf dem Bild wie ich.

Sie ha­ben Fynn Ar­ken­berg auf dem Platz ge­hol­fen, als er sein De­büt gab. Ent­spricht das Ih­rem Na­tu­rell? Als ich zum ers­ten Mal ein­ge­wech­selt wur­de, ha­ben mir al­le an­de­ren auch ge­hol­fen. Ich woll­te das­sel­be für Fynn tun, da­mit er nicht so ein Spiel macht wie ich ge­gen Frank­furt. Hat ja auch ge­klappt.

Per Mer­te­sacker hat auch sein ers­tes Spiel ver­hunzt und wur­de ein Welt­klas­se­ver­tei­di­ger. Hilft Ih­nen das? Das ha­ben mei­ne Freun­de mir auch ge­sagt, dass Mer­te­sacker ge­nau­so schlecht ge­spielt hat wie ich. Und jetzt wis­sen wir al­le, was er al­les er­reicht hat.

Wel­che Spie­ler ha­ben Sie als Vor­bild? Als ich noch Stür­mer in Müh­len­berg war, ha­be ich mich an Roy Ma­k­aay ori­en­tiert. Als ich zu 96 in der U 14 kam, bin ich im­mer mehr nach hin­ten ge­rutscht und wur­de Sech­ser oder Ver­tei­di­ger. Mir ge­fällt Pi­qué. Er hat ein Su­per-Pass­spiel und ein Su­per Stel­lungs­spiel.

Wie wich­tig ist Trai­ner Da­ni­el Sten­del für Sie? Der Trai­ner kennt mich, und ich ken­ne den Trai­ner. Ich war in der Ju­gend un­ter ihm Ka­pi­tän. Es war schön für mich, dass ich un­ter ihm die ers­ten Spie­le von Be­ginn an be­kom­men ha­be.

Hat sich Sten­del als Pro­fi­trai­ner ver­än­dert? Nein. Er ist ge­nau­so wie im Ju­gend­be­reich. Er ist sehr emo­tio­nal im Trai­ning und im Spiel. Das ist ein star­ker Cha­rak­ter­punkt.

Sie sind jetzt als In­nen­ver­tei­di­ger oder Sech­ser ge­setzt. Wird man da an­ders wahr­ge­nom­men? Mir war wich­tig, dass man in der Mann­schaft nicht nur als jun­ger Spie­ler ab­ge­stem­pelt wird. Das hat gut funk­tio­niert. Nach den ers­ten Spie­len fühlt man sich si­che­rer, kann auch mal was sa­gen.

Es gibt vie­le jun­ge Spie­ler bei 96. Am En­de könn­ten al­le Jun­gen Sie in den Mann­schafts­rat wäh­len. Kön­nen Sie sich die Rol­le vor­stel­len? Ich wür­de jetzt nicht Nein sa­gen da­zu. Wenn ein jun­ger Spie­ler ein Ge­spräch sucht, sich viel­leicht nicht traut, mit den Äl­te­ren zu spre­chen, kann es vor­teil­haft sein, wenn man ei­nen jun­gen Spie­ler im Mann­schafts­rat hat. Das ent­schei­det na­tür­lich die Mann­schaft. Aber ich wür­de mir das zu­trau­en.

Wo­her kommt die­ser Sinn für Ver­ant­wor­tung? Das liegt an der Er­zie­hung. Ich muss­te früh vie­le Auf­ga­ben über­neh­men, die sonst die El­tern ma­chen. Ab­wa­schen, auf­räu­men oder Pa­pie­re er­le­di­gen, weil ich gut Deutsch konn­te.

Ziel von 96 ist der Auf­stieg? Das Ziel hat je­der. Aber wir dür­fen uns nicht ver­rückt ma­chen, müs­sen von Spiel zu Spiel den­ken. Wenn man sich un­ter Druck setzt, feh­len ein paar Pro­zen­te. Aber klar möch­te man auf­stei­gen, je­dem zei­gen, dass man es schafft.

Wem? De­nen, die uns ab­ge­schrie­ben ha­ben. Und mei­nen Freun­den, die auch ab und zu in der Kur­ve ste­hen.

Fo­tos: Pe­trow

Die Vom Ju­gend- zu­mFüh­rungs­spie­ler: ist Ent­wick­lung von Wal­de­mar An­ton ra­sant. Der 19-Jäh­ri­ge über­nimmt Ver­ant­wor­tung für an­de­re jun­ge ihm Spie­ler. Den Cha­rak­ter­zug ha­ben sei­ne El­tern Ol­ga und Alex­an­der (ein­frü­he­rer Leis­tungs­schwim­mer) mit­ge­ge­ben. Er...

ZUG­MA­SCHI­NE: Wal­de­mar An­ton hängt am Sprint­schlit­ten, Fit­ma­cher Ti­mo Ro­sen­berg (links) feu­ert ihn an.

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