Neue Presse

Hut ab für den 30. Clown-Geburtstag!

- VON TIMO GILGEN

Was machen sie beruflich? Ich bin Clown. Wie bitte? „Wenn ich Lust habe, mit den Leuten zu diskutiere­n, dann sage ich gerne, dass ich Clown bin. Und das stimmt ja auch“, sagt Timo Lesniewski (26), besser bekannt als Monsieur Momo. Der Nienburger absolviert­e vor drei Jahren die staatlich anerkannte Ausbildung zum Clown. Seitdem ist Lesniewski auf den Bühnen der Republik zu Hause. Was sagen die Eltern dazu, wenn man ihnen erzählt, man wolle Clown werden? „Natürlich waren sie am Anfang nicht so begeistert, aber mittlerwei­le finden sie es toll.“

Zu verdanken hat er seinen Job auch Dieter Bartels (61). Er gründete das TuT vor 30 Jahren zusammen mit Corinna Thiel und Dirk David. Alle drei sind auch heute noch im Team. Wie kommt man dazu, eine Clownsschu­le zu gründen? „Gute Frage“, sinniert Bartels. „Geplant ist das natürlich nie gewesen.“

Bartels hatte zunächst Sozialpäda­gogik studiert. Nach dem Studium war er bereits auf den Bühnen als Clown unterwegs. Im Laufe der Jahre machten er und seine Mitstreite­r immer mehr Aktionen in Sachen Tanz, Performanc­e, Clownerie. Als sie einen leer stehenden Laden in der Waldstraße sahen, entschiede­n sie sich spontan, ihn anzumieten – das TuT war geboren. Hand und Fuß soll die Schule haben, Spuren hinterlass­en – deshalb ziert die Fuß- Die Schule für Tanz, Clown und Theater (TuT) feiert heute im GOP-Varieté (Georgstraß­e 36) den 30. Geburtstag – „Schelmherr“ist OB Stefan Schostok. Für die Gala kommen einige der Absolvente­n wieder zurück. Monsieur Momo und Patricia Harlos begrüßen unter anderem Hans-HermannThi­elke, Knäcke, Stefanie Seeländer, Sti & Stu. Restkarten für 15 bis 25 Euro. sohle mit dem großen Zeh noch heute das Logo des Instituts.

In der Kornstraße im Herzen der Nordstadt liegt die Schule seit 16 Jahren. Doch wie in einer Schule sieht es dort nicht aus. „Das wollen wir auch nicht“, sagt Bartels. „Wir leben hier wie eine kleine Familie.“Zwei große helle Proberäume, ein kleiner Lagerboden und ein langer Flur – daraus besteht die Schule im Wesentlich­en. „Passiert sind hier schon viele krumme Dinger“, sagt Bartels und erzählt von einer Übung, bei der die Clown-Lehrlinge gegen eine Wand laufen müssen. Ein Schüler sei bei der Nummer mal so voller Adrenalin gewesen, dass er die ganze Wand eingerannt habe, sagt er und deutet auf die betroffene Wand direkt hinter ihm. „Clown-Sein lebt man.“

30 Jahre TuT. Der 61-Jährige kann kaum glauben, was aus der Schule geworden ist. „Wir hatten am Anfang keinen wirklichen Plan“, erinnert er sich an die Gründung der Schule für die erste staatlich anerkannte Ausbildung zum Clown. „Der Weg dahin war natürlich schwer. Allein die ganzen Auflagen und Genehmigun­gen. Wir mussten uns das ja alles irgendwie selbst beibringen“, sagt Bartels. Als der erste Jahrgang 1992 an den Start ging, war das Interesse enorm.

„Plötzlich mussten wir uns ein richtiges Auswahlver­fahren ausdenken“, sagt Bartels. Pro Jahrgang nimmt die Schule mittlerwei­le 16 Auszubilde­nde auf. Die Zahl der Bewerber sei aber um ein Vielfaches höher. Bis zu 9000 Euro kostet die Ausbildung. Dafür bekommt man allerdings auch einiges geboten. „Wir haben sehr viele Gastdozent­en aus der ganzen Welt“, sagt Bartels.

Man merkt dem gebürtigen Wunstorfer an, wie stolz er auf die Schule ist. Auch mit 61 strotzt Bartels noch vor Energie. „In 30 Jahren ist viel passiert, und ich bin extrem neugierig, was noch kommt“, sagt er mit einem spitzbübis­chen Grinsen.

Und Monsieur Momo? Der 26-Jährige lächelt zufrieden. „Ich habe meinen Traum erfüllt.“

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Foto: Wilde HUT AB! Dieter Bartels (rechts) ist einer der Gründer von „TuT – Schule für Tanz, Clown und Theater“, Timo Lesniewski ist einer der Absolvente­n – als „Monsieur Momo“erobert er die Bühnen.
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POSTBEAMTE­R: Hans-Hermann Thielke ist deutscher Durchschni­tt – und die Figur von Helmut Hoffmann. MIT STREIFEN: Das Duo Sti & Stu aus Berlin tritt immer mit rot-weißen Streifen auf die Bühne.
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Mirjana cvjetkovic
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