Da ist der Wurm drin

Sie sind pe­ne­trant und mit­un­ter nur schwer aus dem Kopf zu krie­gen: Ohr­wür­mer. Was macht die­se Lie­der aus, und was ma­chen sie mit uns? Psy­cho­ana­ly­ti­ker glau­ben, dass es da­bei um ver­dräng­te Wün­sche geht.

Neue Presse - - BALANCE - VON AN­GE­LA STOLL

Ir­gend­wo im Ohr muss ein bö­ses klei­nes Männ­chen sit­zen. „Wahn­sinn, war­um schickst du mich in die Höl­le?“, schmet­tert es un­ge­fragt drauf­los. Und ein Zwer­gen­chor brüllt hin­ter­her: „Höl­le Höl­le Höl­le“. Wie­der geht es los. „Das ist Wahn­sinn, du spielst mit mei­nen Ge­füh­len.“Höl­le, Wahn­sinn, Wahn­sinn, Höl­le. Al­les dreht sich im Kreis, im­mer wie­der. Es ist zum Ver­rückt­wer­den, ein­fach Höl­le! War­um nur die­ses Lied?

Man­che Songs schei­nen wie ge­macht da­für, sich als Ohr­wurm in die Ge­hör­gän­ge zu gr­a­ben. Da­zu ge­hört Wolf­gang Pe­trys Hit „Wahn­sinn“. Wer den Schla­ger mal ge­hört hat, der wird ihn so schnell nicht mehr los.

Et­wa 90 Pro­zent al­ler Men­schen, sagt der Mu­sik­wis­sen­schaft­ler Jan Hem­ming von der Uni­ver­si­tät Kas­sel, ha­ben ge­le­gent­lich ei­nen Ohr­wurm: Ih­nen ge­hen kur­ze Me­lo­die­fet­zen für ei­ne Wei­le nicht aus dem Kopf. Da­bei kann sich so ziem­lich al­les, was un­ser Ge­hör auf­nimmt, zum Wurm ent­wi­ckeln: Vi­el­leicht ist es Beet­ho­vens „Für Eli­se“, vi­el­leicht ein Wer­be­slo­gan. Vi­el­leicht ist es auch ei­ner je­ner Mons­ter­wür­mer, die sich tief in das Ge­dächt­nis gan­zer

Ge­ne­ra­tio­nen ge­bohrt ha­ben: Weih­nachts­lie­der wie „Jing­le Bells“oder „Weih­nachts­bä­cke­rei“, Par­ty­hits wie „Live Is Li­fe“, „We Are the Cham­pi­ons“oder „YMCA“.

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