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GOR­DON RE­PIN­SKI

An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er kann sich den­noch nicht auf die­sem Er­folg aus­ru­hen. Sie ist mit ei­nem au­ßer­ge­wöhn­lich knap­pen Er­geb­nis ge­wählt wor­den. Fast die Hälf­te der De­le­gier­ten hat sie nicht un­ter­stützt. Sie woll­ten nicht nur Fried­rich Merz. Die­se Hälf­te woll­te ei­ne an­de­re CDU, die viel we­ni­ger mit der CDU der Vor­sit­zen­den An­ge­la Mer­kels zu tun hat, als es die Ver­hei­ßung un­ter An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er je­mals sein könn­te. Die­se Hälf­te bleibt nun zu­rück mit dem Ge­fühl, es nach Kri­sen­jah­ren nicht mit ei­nem ech­ten Schnitt ver­sucht zu ha­ben. Sie könn­te, wenn es nicht gut läuft, dau­er­haft für Un­ru­he in­ner­halb der Uni­on sor­gen.

Aber es gibt noch ei­ne grö­ße­re Auf­ga­be: Der Er­folg der neu­en Vor­sit­zen­den wird be­mes­sen dar­an, wie sich Uni­on und AFD in der Wäh­ler­gunst wei­ter­ent­wi­ckeln. Und bei dem Du­ell mit der AFD geht es um mehr als um ei­ne Neu­be­wer­tung von An­ge­la Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik. Der Er­folg der AFD ist ei­ne Re­ak­ti­on auf die glo­bal wach­sen­den Un­ter­schie­de zwi­schen Arm und Reich, die man­geln­den Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten der frü­he­ren Ar­bei­ter­klas­se und da­mit ver­bun­den die in der Be­völ­ke­rung ver­an­ker­ten Sor­gen über die neue Ar­beits­welt im Di­gi­ta­len. Die­se Pro­ble­me müs­sen an­ge­gan­gen wer­den, will der Po­pu­lis­mus wirk­lich be­siegt wer­den. Es ist ei­ne gro­ße Auf­ga­be, die nun An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er lö­sen muss. Ihr Er­folg wird ent­schei­den, ob nach An­ge­la Mer­kel ei­ne neue Ära be­ginnt – oder ob an die­sem Frei­tag nur ei­ne Epi­so­de be­gon­nen hat.

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