„Wir wer­den hier raus­ge­ekelt“

Was­ser­ein­bruch nach Woh­nungs­kün­di­gung – Fa­mi­lie Kan­ne will sich ge­gen neue Ei­gen­tü­mer weh­ren

Neue Presse - - HANNOVER - VON JA­NIK MARX

HAN­NO­VER. Her­mann Kan­ne konn­te es nicht fas­sen. Li­ter­wei­se tropf­te das Was­ser von der De­cke sei­ner Woh­nung. Er, sei­ne Frau und sei­ne drei Kin­der ver­such­ten die Was­ser­mas­sen ei­lig mit Ei­mern auf­zu­fan­gen. Die Couch, die Ti­sche, das Par­kett – klitsch­nass. Wäh­rend sei­ne Toch­ter die Ka­ta­stro­phe film­te, rutsch­te sie bei­na­he noch auf dem glit­schi­gen Bo­den aus.

Seit 31 Jah­ren wohnt Her­mann Kan­ne in der Woh­nung, die Teil ei­nes Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses in der War­stra­ße (Nordstadt) ist. Hier zog er mit sei­ner Frau zu­sam­men, hier wuch­sen sei­ne Kin­der (18, 20 und 21) auf. Al­les lief wie ge­wohnt, bis die Ei­gen­tü­me­rin des Hau­ses plötz­lich vor gut ei­nem Jahr ver­kauf­te. Die letz­ten Wor­te der Ver­mie­te­rin, an die sich Kan­ne noch er­in­nert: „Es ist schön, hier alt zu wer­den.“

Alt wird das Ehe­paar Kan­ne in die­ser Woh­nung nun vor­aus­sicht­lich nicht mehr. Denn kurz nach dem Ei­gen­tü­mer­wech­sel flat­ter­te ei­ne Miet­erhö­hung ins Haus. Kan­ne wi­der­sprach erst mal, als Nächs­tes kam dann schon die Kün­di­gung – we­gen Ei­gen­be­darfs der neu­en Ei­gen­tü­mer, der Kell­mann Im­mo­bi­li­en GBR aus Sta­de.

Doch dann am Abend des 26. No­vem­ber der Schock: „Das Was­ser kam wie ein Was­ser­fall run­ter“, schil­dert Kan­ne die Er­eig­nis­se. Schnell lief der Fa­mi­li­en­va­ter in den Kel­ler, um das Was­ser ab­zu­stel­len. Am fol­gen­den Tag kam ein Gut­ach­ter, den Fa­mi­lie Kan­ne be­auf­tragt hat­te. Er soll­te sich ein Bild von der La­ge ma­chen. Gleich­zei­tig wa­ren auch ei­ner der Ver­mie­ter so­wie der Haus­meis­ter dort. Ent­ge­gen der drin­gen­den Emp­feh­lung des Ex­per­ten dreht der Haus­meis­ter das Hei­zungs­sys­tem wie­der auf – und er­neut floss das Was­ser die Wän­de her­ab. Im Gut­ach­ten ist zu­dem fest­ge­hal­ten: „Der in mei­nem Bei­sein er­folg­te Was­ser­ein­bruch wä­re zu ver­hin­dern ge­we­sen [...].“

Nun sitzt die Fa­mi­lie in ei­ner feuch­ten Woh­nung. Her­mann Kan­ne ist sich si­cher: „Wir wer­den hier raus­ge­ekelt.“Fie­ber­haft sucht er be­reits nach ei­ner neu­en Woh­nung – doch das ge­stal­tet sich schwie­rig: Sein Sohn lei­det an Mus­kel­dys­tro­phie, ein El­tern­teil muss da­her zu Hau­se sein. Kan­ne ar­bei­tet als selbst­stän­di­ger Ton­an­la­gen­bau­er. Bis­lang hat­te er sein Ge­schäft im Erd­ge­schoss des Hau­ses – doch auch das ist ge­kün­digt.

Mar­cus Kell­mann, der mit sei­nem Bru­der Chris das Haus er­wor­ben hat, ver­weist in ei­ner Stel­lung­nah­me auf den „stark sa­nie­rungs­wür­di­gen Zu­stand“des Hau­ses. Zu den Vor­wür­fen sagt er: „Die Be­haup­tun­gen der Mie­ter über un­sach­ge­mä­ße oder nicht recht­zei­tig durch­ge­führ­te Re­pa­ra­tu­ren sind für uns nicht nach­voll­zieh­bar.“Er und sein Bru­der sei­en al­ler­dings be­müht, „be­rech­tig­te Be­an­stan­dun­gen von Mie­tern so schnell wie mög­lich zu be­he­ben“. Dar­über hin­aus ver­weist der Ver­mie­ter auf lan­ge War­te­zei­ten bei den Hand­wer­ker­be­trie­ben. Drei Woh­nun­gen im Haus sind be­reits an Stu­den­ten ver­mie­tet. In die Woh­nung der Kan­nes und ih­rer Nach­barn wol­len die Kell­manns of­fen­bar sel­ber ein­zie­hen.

Am 31. Ja­nu­ar en­det nun das Miet­ver­hält­nis von Fa­mi­lie Kan­ne. Ei­ne neue Woh­nung zu fin­den, könn­te al­ler­dings noch län­ger dau­ern. An­de­rer­seits schlägt ih­nen der Schim­mel auf die Ge­sund­heit. Her­mann Kan­ne steckt in der Zwick­müh­le: „Wir hof­fen noch auf ein Wun­der.“Auf ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung mit den Kell­manns hofft er in­des nicht mehr: „Nach­dem sie er­fah­ren ha­ben, dass ich mich mit mei­ner Si­tua­ti­on an die Öf­fent­lich­keit ge­wen­det ha­be, dro­hen sie mir nun mit der Po­li­zei.“

Fo­tos: Wil­de

HILF­LOS: Gro­ße Was­ser­mas­sen flos­sen durch die De­cke di­rekt in das Wohn­zim­mer von Fa­mi­lie Kan­ne. An drei Stel­len in der Woh­nung wu­chert mitt­ler­wei­le der Schim­mel, die Luft ist feucht und un­ge­sund. Her­mann Kan­ne fühlt sich von dem neu­en Haus­ei­gen­tü­mer im Stich ge­las­sen und raus­ge­ekelt.

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