IHK Han­no­ver in Sor­ge we­gen Ver­kehrs­wen­de

Sie sieht den Wirt­schafts­ und Han­dels­stand­ort in Ge­fahr

Neue Presse - - HANNOVER - VON CHRIS­TI­AN BOH­NEN­KAMP

HAN­NO­VER. Mehr Mut bei der Ver­kehrs­wen­de. Mehr öf­fent­li­cher Nah­ver­kehr (ÖPNV), Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger. We­ni­ger Au­tos. Die SPD sucht nach Stra­te­gi­en für die Ver­kehrs­wen­de. Die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) in Han­no­ver ver­folgt die ak­tu­el­len Dis­kus­sio­nen je­doch mit Bauch­schmer­zen. Ihr Ver­kehrs­ex­per­te Chris­ti­an Be­bek warnt da­vor, dass sich die Stadt als „Wirt­schafts- und Han­dels­stand­ort mut­wil­lig ins Ab­seits“schie­be.

Be­bek ver­weist dar­auf, dass der wirt­schaft­li­che Er­folg mit Fir­men wie VW Nutz­fahr­zeu­ge und der Con­ti­nen­tal AG maß­geb­lich an der Au­to­in­dus­trie hän­ge. „Die hal­be Stadt lebt vom Au­to – aber abends hau­en wir auf Dis­kus­si­ons­run­den auf die­se Pro­duk­te ein“, kri­ti­siert er. Zu­dem ge­be es rund 160 000 Ein­pend­ler, auf die die Stadt als Ar­beits­kräf­te an­ge­wie­sen sei. Da­bei sei auch die IHK kei­nes­wegs ge­gen den Aus­bau von ÖPNV und Rad­ver­kehr. „Uns ist es gleich­gül­tig, wie die Leu­te in die Stadt kom­men“, sagt Be­bek. Al­ler­dings sol­le man den Bür­gern nicht das Au­to­fah­ren ver­lei­den, son­dern „rea­lis­ti­sche Al­ter­na­ti­ven schaf­fen“.

Vor al­lem im Nah­ver­kehr sieht der Ihk-ver­kehrs­ex­per­te Ver­bes­se­rungs­be­darf. Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin aus dem Raum Hil­des­heim brau­che an­dert­halb St­un­den, wenn sie da­mit zur Ar­beit kom­men wol­le.

Ent­schie­den spricht sich Be­bek aber ge­gen ein 365-Eu­ro-ti­cket im Nah­ver­kehr aus, wie es das Am­pel­bünd­nis im Rat for­dert. Da­mit wür­den „über­wie­gend Men­schen sub­ven­tio­niert, die den ÖPNV oh­ne­hin schon nut­zen und sich die­sen auch oh­ne wei­te­res leis­ten kön­nen“, sagt Be­bek. Die rund 50 Mil­lio­nen Eu­ro, die das kos­ten wür­de, will er lie­ber ver­wen­den, „um den ÖPNV aus­zu­bau­en und at­trak­ti­ver zu ma­chen“.

Ein wei­te­rer Vor­schlag, der am Mitt­woch von der SPD im Frei­zeit­heim List dis­ku­tiert wur­de: Ar­bei­ten und Woh­nen in ge­misch­ten Quar­tie­ren mög­lich ma­chen, Stadt­pla­nung so ge­stal­ten, dass we­ni­ger und kür­ze­re We­ge mög­lich sind. Die IHK be­grüßt das. Sie plä­diert zum Bei­spiel da­für, Nah­ver­sor­ger so an­zu­sie­deln, dass die­se gut zu Fuß und per Rad zu er­rei­chen sind. Al­ler­dings ge­be es auch Gren­zen. In­dus­trie­be­trie­be, die Lärm und Ver­kehr ver­ur­sa­chen, sei­en nicht in Wohn­ge­bie­ten denk­bar, so Be­bek.

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